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Klare Linien, praktische Form

Der Architekt Kerk-Oliver Dahm baut Wohnungen, Büros und Schulen in Berlin. Auch für die GESOBAU hat er Projekte umgesetzt. Ein Besuch in seinem Büro

von Regina Köhler

„Ich lege Wert auf klare Linien. Die Form sollte von der Funktion bestimmt sein“, sagt Kerk-Oliver Dahm. Der 56-Jährige hat in Weimar Architektur studiert. Dort waren einst die Architekt*innen der berühmten Bauhaus-Bewegung zu Hause. In den 1920er-Jahren haben sie einen Stil etabliert, der bis heute Einfluss auf das Bauen hat. Auch Dahm fühlt sich diesem Verständnis von Architektur verbunden.

Ein schönes Beispiel dafür ist das eigene Büro in Friedrichshain, in dem Dahm und seine Mitarbeiter*innen Ideen ausbrüten, zeichnen, Modelle bauen und über Projekte diskutieren. Die hellen, großzügigen Räume befinden sich in einem Gebäude an der Mühlenstraße, das Dahm vor vier Jahren denkmalgerecht sanierte.

Klare Linien und funktionales Bauen – diese Prinzipien bestimmen auch die neue Firmenzentrale der GESOBAU im Pankower Stiftsweg. Kerk-Oliver Dahm und sein Team haben die in traditioneller Bauweise errichteten Häuser mit Klinkerfassade unter Denkmalaspekten saniert und das ehemalige Verbindungsgebäude durch einen modernen Betonbau ergänzt. In diesem sind großzügige Besprechungs- und Kommunikationsbereiche untergebracht. Auch in den beiden Klinkerbauten gibt es neben Büros weitere Flächen für Zusammenkünfte der Mitarbeiter*innen.

„Nicht nur bei der GESOBAU, sondern auch in vielen anderen Unternehmen hat sich die Arbeitskultur geändert“, sagt Dahm. „Firmen brauchen mehr Platz für die Zusammenarbeit verschiedener Abteilungen und die Kommunikation ihrer Angestellten. Die einzelnen Büros dagegen fallen kleiner aus als früher.“

Dahm ist seit 1996 Architekt. 2001 gründete er das Büro „DAHM Architekten + Ingenieure“, vor zwei Jahren eine GmbH, die inzwischen 25 Mitarbeiter*innen beschäftigt. Lange hat er sich vor allem mit Sanierungen befasst. Er hat Wohnungen, aber auch so markante Bauwerke wie das Haus des Lehrers am Alexanderplatz und die dazugehörige Kongresshalle modernisiert. „Seit fünf Jahren planen wir viel im Bereich Wohnungsneubau, für Wohnungsbaugesellschaften und private Bauherren, aber auch sehr viel im Bereich Infrastruktur – wie Kitas, Supermärkte und Büros“, sagt er.

 

In seinen Entwürfen legt Dahm Wert auf Klarheit: Die Funktion bestimmt die Form

 

Mit der GESOBAU verbindet Kerk-Oliver Dahm eine lange Zusammenarbeit. Schon 2007 hat sein Büro das Gesamtkonzept für die Sanierung des Märkischen Viertels entwickelt und später viele Wohnungen dort erneuert. „Für städtische Wohnungsbaugesellschaften ist es wichtig, dass die Warmmieten trotz der Modernisierung stabil bleiben“, sagt Dahm. „Wir erreichen das vor allem durch eine effiziente Energieversorgung. Dazu gehören Wärmedämmung, eine moderne Heiztechnik und Energiesparleuchten im gesamten Gebäude.“ Die Betriebskosten werden durch solche Maßnahmen um bis zu 50 Prozent verringert.

Um die Baukosten zu senken, plädiert Dahm darüber hinaus für eine industrielle Bauweise mit vorgefertigten Teilen. So können in kürzerer Zeit mehr Wohnungen gebaut werden. Angesichts der Wohnungsnot, die derzeit ähnlich groß ist wie in den 1920er- oder 1960er-Jahren, sei das ein wichtiger Faktor. Vorfertigung bedeutet, dass Bäder, Wände, Decken, Treppen oder Balkons serienmäßig in der Fabrik angefertigt werden. „Wir müssen sie vor Ort dann nur noch einbauen“, sagt Dahms und fügt hinzu, dass so die Mieten im Rahmen blieben.

Individualität sei trotzdem möglich, betont Dahm. Im Märkischen Viertel zum Beispiel hätten in den 1960er- und -70er-Jahren viele international renommierte Architekt*innen gebaut. „Die hatten gute Ideen, die wir unbedingt erhalten wollten.“ Die von Oswald Mathias Ungers entworfenen Wohnungen hätten beispielsweise sehr schöne Grundrisse, findet der Architekt. „Private Räume wie Schlaf- und Kinderzimmer sind gut von den halböffentlichen Räumen wie Wohnzimmer, Küche und Diele abgetrennt.“

Erhalten hat Dahm auch die Fassadenanmutung der Wohnanlage am Wilhelmsruher Damm – dem sogenannten „Langen Jammer“ – von René Gagès und Volker Theißen. Das Besondere ist hier die Anordnung der Fenster, die wie ein Band an der Fassade entlanglaufen. „Wir haben die Fenster allerdings nicht in Bauchhöhe gelassen, wie das ursprünglich der Fall war, sondern auf eine nutzerfreundliche Höhe gebracht“, sagt Dahm. „Der äußere Eindruck aber blieb erhalten.“

Kerk-Oliver Dahm liebt seinen Beruf. „Es geht mir allerdings nicht darum, was ich bauen möchte, sondern wie“, sagt er. Jede Aufgabe könne spannend werden. „Wichtig ist genügend Zeit, sich damit auseinanderzusetzen, ein verständiger Bauherr mit den gleichen Zielen, wirtschaftlicher Spielraum und gute Partner.“ Walter Gropius habe einmal gesagt „Der Geist ist wie ein Fallschirm: Er kann nur funktionieren, wenn er offen ist.“ Dies sei auch sein Motto, sagt der Architekt.

Von Susanne Stöcker,
25.09.2019