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Gesobau

Auf der Zielgeraden

Noch sind im Märkischen Viertel vereinzelt Baugerüste zu sehen – ein Bild, das zum Ende dieses Jahres der Vergangenheit angehören wird. Denn der Umbau des Märkischen Viertels zu Deutschlands größter Niedrigenergiesiedlung ist nahezu abgeschlossen.

Zum 50. Jubiläum des Stadtteils wurden die Wohnhausgruppen 906 und 910 südlich des Wilhelmsruher Damms fertig gestellt – seit Neustem erstrahlen auch die ersten der insgesamt 980 Wohnungen der Wohnhausgruppe 914 zwischen dem Senftenberger Ring und der Finsterwalder Straße in hellen und freundlichen Farben. Gezielt eingesetzte, kräftige Farbakzente an Fassaden und Balkonen lassen die organischen Formen der Wohnhäuser jetzt erst richtig zur Geltung kommen. Spaziert man an den bandartig aneinandergereihten Wohnhäusern entlang, die der Berliner Architekt Heinz Schudnagies in den Jahren zwischen 1969-1971 errichtet hat, entdeckt man dazu auch neue, elegant geschwungene Eingänge aus Glas. Daneben heißen große Köpfe – sozusagen Menschen wie Du und ich – Bewohner wie Besucher willkommen. Das von der GESOBAU beauftragte Architekturbüro GPlant hatte die Idee, in Flur- und Erschließungsbereichen Geschichten über die Nachbarschaft der Menschen in Form von großen Wandbildern zu erzählen.

Innerhalb der letzten sieben Jahre sind im Märkischen Viertel insgesamt 12.000 Wohnungen modernisiert worden und bieten jetzt ihren Bewohnern einen hohen Wohnkomfort auf dem neusten Stand der Technik. Unwirtschaftliche Heizungsanlagen wurden ausgetauscht, Elektroleitungen erneuert und Versorgungsstränge saniert – alle Wohnungen bekamen neue Bäder. Die Gebäude erhielten eine Wärmedämmung, einen frischen Fassadenanstrich und neue Hauseingänge, meist auch neue Doppelglasfenster.

»Wir sind stolz darauf, dass wir unser Versprechen, das wir den Mieterinnen und Mietern zu Beginn der Modernisierung gegeben haben, auch einhalten konnten: Trotz umfangreicher Baumaßnahmen an den Gebäuden ist nach der Modernisierung die Warmmiete im Durchschnitt kaum gestiegen«, erklärt Georg Unger, der bei der GESOBAU für die technische Umsetzung des ambitionierten Vorhabens zuständig ist. »Und dabei haben wir es trotzdem geschafft, auch die Gebäude innen und außen ansprechend zu gestalten. Dies gelang, weil wir im Zuge der Modernisierung die Gestaltungsideen der ursprünglichen Architektur so weit wie möglich wieder herausgearbeitet haben, andererseits aber auch die Chance nutzten, bestehende Defizite durch ergänzende Gestaltungsmaßnahmen zu beheben, wie z.B. bei den Hauseingangsbereichen.«

Immerhin ist das Märkische Viertel, das in den Jahren 1964-1974 als Vorzeigeprojekt für die Verwirklichung einer neuen Idee von Stadt und Architektur unter der Federführung von Werner Düttmann, Hans Christian Müller und Georg Heinrichs und unter Mitwirkung vieler namhafter Architekten entstanden ist, mittlerweile so etwas wie eine städtebauliche und architektonische Ikone. »Die Wohnungsgrundrisse sind nach wie vor wirklich gut«, schwärmt Georg Unger, der selbst Architekt ist. Aber auch den Gedanken, dass die Gebäude und parkartige, große grüne Höfe fließend ineinander übergehen und dadurch ein lebenswertes Stadtquartier entstehen lassen, findet er interessant. Nach rund 20 Jahren, in denen er bundesweit in der Wohnungswirtschaft tätig war, kam Unger im Jahr 2006 aus dem Ruhrgebiet nach Berlin, um als Leiter Technik der GESOBAU an dem Mammutvorhaben mitzuwirken, das Märkische Viertel durch ein integriertes Konzept zur energetischen und nachhaltigen Ertüchtigung zum Vorreiter im Umgang mit Großsiedlungen aus den 1960er Jahren zu machen.

Das Konzept für die Modernisierung ist in der Kategorie »Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategie« mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2010 ausgezeichnet worden. Geplant war damals, bis zum Jahr 2015 den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß (CO2) von 43.000 Tonnen um mehr als zwei Drittel auf 11.000 Tonnen zu senken und den verbleibenden Energiebedarf durch das siedlungseigene Heizkraftwerk abzudecken, das mit Biomasse betrieben wird. Diese Strategie sollte in Verbindung mit einer energetischen Ertüchtigung der Gebäude und der Erarbeitung von Stadtteilentwicklungskonzepten einhergehen, die Angebote für alle Generationen vorsehen und den »Märkern«, wie sich Bewohner des Märkischen Viertels selbst gern nennen, auch Beteiligungsmöglichkeiten bieten.

Der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht aus dem Jahr 2014 zeigt, dass sich die Anstrengungen gelohnt haben und das geplante Ziel erreicht wird: Der Energiebedarf der Häuser hat sich nach der Modernisierung halbiert. Darüber hinaus können die Mieterinnen und Mieter durch richtiges Heizen und Lüften auch selbst noch Energie einsparen und damit ihre Heiz- und Betriebskosten senken. Bei Fragen zum diesem Thema gibt die GESOBAU im Internet oder per Flyer vielfältige Tipps und Ratschläge. »Wir unterstützen unsere Kunden gern dabei, wenn sie neben den von uns durchgeführten Maßnahmen zum Klimaschutz auch durch ihr eigenes Verhalten etwas für die Umwelt tun wollen«, erklärt Georg Unger.

Zudem kann sich das Ergebnis auch von außen sehen lassen. Bei einem Spaziergang durch das Märkische Viertel erlebt man zwischen parkartigen Höfen und Grünzügen auch ein Stück Berliner Architektur- und Stadtgeschichte. Die modernisierten Bauten von Herbert Stranz am U-Bahnhof Wittenau (WHG 905) schlängeln sich gekonnt an einem Einfamilienhausgebiet entlang, das 1.000 Meter lange Gebäude von René Gagès und Volker Theißen (WHG 907) begleitet die Besucher bis hin zum Märkischen Zentrum. Dazwischen reihen sich die schlicht-eleganten Wohnhäuser von Oswald Mathias Ungers ein (WHG 908, 909). Die großzügigen Wohnhöfe der Wohnhausgruppe 911, 912 und 922 im Zentrum der Siedlung, damals von Hans Christian Müller und Georg Heinrichs erbaut, werden von einem Grünzug durchzogen, der an einen englischen Landschaftspark erinnert. Am Ende des Märkischen Viertels können die Besucher eine der größten Wohnhausgruppen des Schweizer Architekten Ernst Gisel (WHG 910) bewundern, die der Berliner Architekt Kerk Oliver Dahm und sein Team mit einem völlig neuen Farbkonzept überzeugend umgestaltet haben.

Bei der Modernisierung waren jedoch nicht nur gestalterisches Geschick und technisches Know-how gefragt, sondern auch logistisches Können sowie Kommunikationskompetenz bei der Betreuung der betroffenen Mieterinnen und Mieter. »Eine komplexe Aufgabenstellung«, findet Georg Unger, »die auch meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer größtes Engagement abverlangt hat«.

Trotz des Erfolgs zeigt sich der Leiter Technik der GESOBAU auch selbstkritisch: »Was wir zunächst völlig unterschätzt hatten, war die Betreuung der Mieterinnen und Mieter im Zusammenhang mit den Bauarbeiten in bewohnten Wohnungen. Viele wollten während der Modernisierung ausziehen, so dass wir genügend Umsetzwohnungen bereitstellen mussten. Zusätzlich waren mehr Leerwohnungen zu modernisieren, als ursprünglich geplant. Wir haben aber die Chance genutzt, bei diesen Wohnungen in die Grundrisse einzugreifen und barrierefreundlich mit einem Standard, den wir ›Komfort 50+‹ nennen, zu gestalten. Außerdem haben wir mehr in die Serviceleistungen für unsere Kunden investiert.« Mittlerweile sind die Anlaufschwierigkeiten längst vergessen, die Modernisierung ist auf der Zielgerade angekommen – und jetzt schon eine Erfolgsgeschichte.

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