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Im Kiez

Viel Raum für Mädchen

„Mädea“ im Wedding ist ein Treffpunkt für Mädchen und junge Frauen. In sicherer Atmosphäre wird hier gelernt, gebastelt – und gerappt

Mädea“ ist in einem Altbau mit schlichter Fassade in der Grüntaler Straße untergebracht. Das Zentrum wird von der Stiftung SPI getragen und ist ein Treffpunkt für 8- bis 18-jährige Mädchen und junge Frauen aus dem Kiez. Gemeinsam werden Kunstprojekte realisiert, Theater-Workshops angeboten, und es gibt viel Raum zum Quatschen. Das „Mädea“-Team führt durch die mit allerlei bunten Plakaten und Kunstwerken geschmückten Räume. Im Flur hängen die Hausregeln: „Wir freuen uns über jedes neue Mädchen“ ist darauf zu lesen. Und: „Streit lösen wir gemeinsam.“ In der Küche gibt es noch Blechkuchen vom Vortag. Im Garten hinter dem Haus wurde gestern eine neue Lichtin­stallation eingeweiht: bunt bemalte Würfel, die zwischen die Bäume gespannt wurden. Im Dunkeln leuchten sie. Die Mädchen wollen, dass auch die Straßen ihres Kiezes nachts besser beleuchtet sind. Die Licht­in­stallation: ein kleines Signal.

Rund 15 Mädchen kommen aktuell beinahe täglich ins „Mädea“. Geöffnet ist das Zentrum von Montag bis Samstag am Nachmittag und frühen Abend. Insgesamt seien über 40 Mädchen und junge Frauen regelmäßig bei Projekten von „Mädea“ dabei. Celiana Kiefer und ihre drei Kolleginnen arbeiten dafür auch mit Künstlerinnen zusammen. Etwa mit dem Künstler*innenkollektiv „ongoing project“, das mit einigen Mädchen feministische Rap-Songs geschrieben und im Tonstudio aufgenommen hat. Als „Sisterqueens“ rappten einige der Mädchen dann auch schon vor größerem Publikum. „In erster Linie geht es um ein selbstbestimmtes Leben und Mut, dafür einzustehen“, erklärt Kiefer die Ziele, die sie den Mädchen bei „Mädea“ vermitteln möchte.

Im ersten Stock gibt es einen Raum mit Computern und Regalen voller Bücher. Noch ist es ruhig, die Mädchen sind in der Schule. Aber am Nachmittag werden hier gemeinsam Hausaufgaben gemacht. Das sei keine Nachhilfe, wie „Mädea“-Mitarbeiterin Olivia Kossobucki sagt. Aber die Mädchen könnten natürlich bei Problemen immer nachfragen, oft helfen sie sich auch gegenseitig. An der Wand hängen Poster mit ausgeschnittenen Zeitungsartikeln und Fotos bekannter Frauen aus der Geschichte. Sie stammen aus einem Projekt über 100 Jahre Frauenwahlrecht und zu Louise Schroeder. Über die Politikerin, die sich für die Gleichstellung von Frauen einsetzte und von 1947 bis 1948 kurzfristig Oberbürgermeisterin von Berlin war, haben die Mädchen bei „Mädea“ auch ein Musikvideo gedreht. Dafür und für das gesamte Wirken von „Mädea“ wurden sie dieses Jahr sogar mit der Louise-Schroeder-Medaille ausgezeichnet. „Uns ist wichtig, dass die Mädchen wissen, dass sie politisch eine Stimme haben und dass sie die Gesellschaft mitgestalten können“, sagt Celiana Kiefer.

In der Gruppe „Das rote Geheimnis“ geht es hingegen um ganz private Dinge. Hier treffen sich regelmäßig Mädchen ab 14 Jahren, um über alles zu reden, was nicht für viele Ohren bestimmt ist. Themen sind Sexualität und der eigene Körper. Wer mitmachen will, braucht sogar ein Passwort. Die schönsten Momente seien, wenn man merke, dass man eine Bezugsperson für die Mädchen geworden sei, sagt Olivia Kossobucki, die diese Gruppe begleitet. „Mädea“-Leiterin Celiana Kiefer fügt hinzu, dass die Arbeit im Mädchen-Zentrum für sie ein Traumjob ist: „Man sieht die Entwicklung der Mädchen.“


Autorin: Jessica Kliem; Aufmacherbild: Celiana Kiefer, Olivia Kossobucki, Jenny Fengler und Eylem Bozkaya (v. l. n. r.) vermitteln Mädchen Mut und Selbstbewusstsein; Foto: Verena Brüning


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