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Eva Scheidemann (links) kennt den Schrammblock wahrscheinlich länger als alle anderen, die hier wohnen. Sylvia Ehlers freut sich über ihren kleinen Garten, in dem die Kräuter duften

Im Kiez

Wohnen mit Geschichte: Der Schrammblock in Wilmersdorf

Die älteste Wohnanlage der GESOBAU ist auch ein Stück Berliner Stadtgeschichte. Wie es sich heute in den denkmalgeschützten Häusern des Schrammblocks in Wilmersdorf lebt und was die Nachbarschaft ausmacht, haben wir bei einem Besuch erfahren

Ayah muss nur in den Hof hinaustreten, schon trifft sie ihre Freundinnen. Mit der siebenjährigen Charlotte wirft sie einen Blick in die neu aufgestellte Bücherbox. In der ehemaligen Telefonzelle legen Nachbar*innen gebrauchte Bücher und Magazine ab, die sich die Mädchen kostenlos nehmen können. Heute blättert Charlotte in einer Kinderzeitschrift. An anderen Tagen spielen die Mädchen Fangen und Verstecken, fahren Roller oder Waveboard auf dem großzügigen Innenhof.

Einige Meter weiter, in der Mitte der C-förmigen Grünfläche, sitzt Sylvia Ehlers mit einigen Nachbar*innen an einem Gartentisch. Sie wohnen bereits seit Jahrzehnten, teilweise seit ihrer Kindheit im Schrammblock. Eva Scheidemann zum Beispiel zog vor 77 Jahren ein und erlebte als Kind den Zweiten Weltkrieg in Wilmersdorf. Im Keller des Häuserblocks schützte sie sich vor Bombenangriffen. Außer einem Einschlag zu Kriegsende überstand der Block den Krieg weitgehend unbeschadet.

Wohnanlage mit Geschichte

Gebaut in den 1920er-Jahren, ist der Schrammblock die Wohnanlage mit der längsten Geschichte im Bestand der GESOBAU. Obwohl es damals viel weniger Autos in Berlin gab, plante Architekt Jürgen Bachmann die Wohnanlage bereits mit einer Tiefgarage, die sowohl von der Schramm- als auch von der Livländischen Straße aus befahrbar ist. Zeitweise befanden sich darin eine Tankstelle und eine Autowerkstatt. Seinen Namen erhielt der Schrammblock vom Bauern Otto Schramm, auf dessen Land die Häuser errichtet wurden.

Gisela Damaschkes Onkel kannte ihn noch. Ihr Onkel war der erste Hausmeister im Schrammblock und mähte den Rasen noch mit der Sense. „Wir holten die Milch vom Bauern an der Wilhelmsaue“, erinnert sich Gisela Damaschke. Kaum vorstellbar, wo die Häuser heute doch mitten in der City West liegen. 

In ihrem Aufgang sprechen sich die Nachbar*innen mit dem Vornamen an. Sie helfen Gisela Damaschke, ihre Einkäufe hochzutragen, und nehmen ihren Müll mit runter. Einmal in der Woche empfängt die Rentnerin den Nachbarssohn zum Mittagessen. Man hilft einander, hört sich zu, nimmt Rücksicht.

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Ärger um den Müll und die Fundgrube

In den Trödelecken an den Straßendurchgängen zum Volkspark Wilmersdorf liegen unter anderem ein schwarz-weiß gemustertes Sommerkleid, einige Kabel und ein leerer Karton. Immer wieder bestücken Mieter*innen mit aussortierter Kleidung oder alten Haushaltsgeräten die Mauersimse. Während gerade Kinder dort echte Schätze finden, werden sie von anderen als Müllabladeplatz empfunden. Wünschenswert wäre, dass die angebotenen Sachen wieder entsorgt würden, wenn sich nach einer Woche niemand dafür interessiert.

Das Müllhaus in der Mitte des Hofes ist ein anderes Reizthema: Sylvia Ehlers und Patric Strauß sind Mieterbeiräte im Schrammblock und bekommen häufig Beschwerden, dass nicht richtig getrennt wird oder Kartons am Stück in der Tonne landen. Die Mieterbeiräte haben extra Infoschilder am Müllplatz aufgehängt. Trotzdem kommt es immer noch vor, dass Verpackungen oder Sperrmüll neben den Containern landen.

Familienfreundlicher Rückzugsort vom Großstadtrubel

Heute sind es überwiegend Familien, die neu in den Schrammblock einziehen. Die Zweieinhalb- bis Vierzimmerwohnungen sind auch mit mehreren Kindern groß genug und praktisch geschnitten. Vor vier Jahren sind Mareia Escale Sanchez und ihr Mann in eine der Wohnungen in der Wilmersdorfer Anlage gezogen. Das Paar stammt aus Spanien und Argentinien und hat zwei kleine Söhne. 

„Wir haben sehr lange gesucht und konnten es kaum glauben, als wir die Wohnung bekamen“, erinnert sich Mareia Escale Sanchez. „In keiner Nachbarschaft und keiner anderen Gegend haben wir uns so wohlgefühlt wie hier.“ Auch die Infrastruktur ist gut: Kindergärten, Schulen, Sportvereine und Spielplätze liegen in direkter Nachbarschaft des Schrammblocks.

Engagement für den Kiez

Ebenso bunt wie die Blumenbeete ist die Mischung der Mieterschaft. Für Patric Strauß ist der Schrammblock ein Abbild der Gesellschaft: Es gibt jede Altersgruppe, viele verschiedene Nationen und auch soziale Unterschiede. Seit fast 25 Jahren lebt er in einer hellen, großen Wohnung im vierten Stock. 

Für seinen Kiez engagiert er sich, weil er möchte, dass die Nachbar*innen gut miteinander zurechtkommen. „Ich weiß, dass viele Menschen sich nicht trauen, was zu sagen, oder nicht das Engagement aufbringen können“, sagt er. „Meine Motivation ist, dass sie sich hier an uns wenden können, damit wir ihre Belange weiterverfolgen, auf Wunsch auch anonym.“

Mit dem Mieterbeirat hat Patric Strauß schon viel erreicht. Ob Handläufe an den Treppen, Lampen mit Bewegungsmeldern im Hof oder neue Fahrradstellplätze – die Erfolge können sich sehen lassen.

Mareia Escale Sanchez bepflanzt mit ihren Söhnen das Gemeinschaftsbeet

Mareia Escale Sanchez bepflanzt mit ihren Söhnen das Gemeinschaftsbeet. So lernen sie die Natur besser kennen und verschönern die Anlage

Foto: Verena Brüning
Bunter Kiez: Auch durch die vielen Familien mit Kindern ist der Schrammblock lebendig

Bunter Kiez: Auch durch die vielen Familien mit Kindern ist der Schrammblock lebendig

Foto: Verena Brüning

GESOBAU hilft mit

Die GESOBAU unterstützt das Engagement der Mieterschaft, fördert Feste oder Projekte, um die Wohnanlage zu verschönern. „Allein schon, wenn alle etwas zum Büffet beisteuern, lernen die Mieter*innen die kulturelle Vielfalt ihrer Nachbarschaft oft ganz anders schätzen“, weiß Franziska Hupke, zuständige Quartierskoordinatorin bei der GESOBAU. „Wir denken, dass alle von einem guten Miteinander profitieren.“ 

So gibt es in einer funktionierenden Nachbarschaft zum Beispiel weniger Vandalismus. Nachbar*innen, die sich kennen, haben auch weniger Konflikte. Und wenn sie unterstützt werden, können ältere Menschen bis ins hohe Alter in ihrem Kiez wohnen bleiben.

10 Tipps für eine gute Nachbarschaft

Richtig miteinander sprechen und Konflikte nicht eskalieren lassen: Das geht! Wie, verraten hier.

Franziska Hupke empfiehlt, bei Problemen wie Lärm lieber gleich auf die Nachbar*innen zuzugehen, bevor der Ärger zu groß wird.  Sollte ein Gespräch keinen Erfolg haben, sind bei der GESOBAU je nach Problemlage Kundenbetreuer*innen und Sozialmanager*innen ansprechbar bei Nachbarschaftskonflikten. Ein unabhängiges Team von Schlichter*innen bietet zudem Mediationen zwischen Nachbar*innen an, also vermittelnde Gespräche.

Im Schrammblock waren die Mieter*innen darauf bisher noch nicht angewiesen. Patric Strauß hofft, dass sich die Probleme auch weiterhin mit einem Gespräch auf dem Hausflur oder im Hof lösen lassen. „Denn letztlich wohnen doch alle total gerne hier“, sagt er.

Die Geschichte des Schrammblocks

Auf dem Gelände der ehemaligen Badeanstalt Wilmersdorf ließ Hans-Otto Schramm zwischen 1925 und 1928 den sogenannten Schrammblock errichten. Er hatte sich bereits mit dem berühmten Tanzpalast Schramm in den 1880er-Jahren einen Namen gemacht. Als der Wilmersdorfer See 1915 zugeschüttet wurde, endete das Badevergnügen.

Die neue Wohnanlage war eine der ersten mit unterirdischen Großgaragen, Hofterrassen und Vorgärten. Sie steht als Gartendenkmal und Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Lebten anfangs vor allem Schriftsteller*innen und Künstler*innen in dem neuen Quartier, ging das Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg in den Besitz des Landes Berlin über, das die Tiefgarage auch für seinen Fuhrpark nutzte. Viele Staatsbedienstete zogen in die begehrten Wohnungen ein.


Autorin: Judith Jenner; Fotos: Verena Brüning
Aufmacher: Eva Scheidemann (links) kennt den Schrammblock wahrscheinlich länger als alle anderen, die hier wohnen. Sylvia Ehlers freut sich über ihren kleinen Garten, in dem die Kräuter duften


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