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Im Kiez

Kältebus: Gespräch mit einem Ehrenamtlichen

Im Winter ist das Leben für Menschen ohne Obdach besonders hart. Und die Übernachtung auf der Straße kann bei eisigen Temperaturen lebensgefährlich werden. Kältebusse helfen mit Fahrten zu Notunterkünften, Schlafsäcken und Tee. Wir sprechen mit Oliver Stemmann, der sich beim Kältebus ehrenamtlich engagiert

Es ist Freitagabend und Oliver Stemmann wirft einen prüfenden Blick in den Kleinbus. Das Fahrzeug ist mit vielen Schubladen und Boxen ausgerüstet. „Schlafsäcke und Isomatten sind die wichtigsten Dinge, die wir haben“, sagt er. Er kontrolliert auch, ob noch genügend warme Socken und Mützen im Wagen verstaut sind. Der 62-Jährige, der unter der Woche Seniorenwohnheime managt, fährt seit elf Jahren einen Kältebus der Berliner Stadtmission. Auch in dieser Nacht wird Stemmann ihn wieder ehrenamtlich durch Berlin steuern, von 20 bis 2.30 Uhr – und, wenn nötig, auch mal etwas länger. Der Einsatz des Kältebus-Teams ist gefragt: Laut Angaben eines Sprechers des Deutschen Roten Kreuzes kam es im Winter 2021 in 150 Nächten zu rund 1700 Anrufen in der Zentrale – Tendenz steigend.

Von November bis Ende März im Einsatz 

Wie viele Menschen in Berlin ohne Wohnung leben, kann nur geschätzt werden. Hilfsorganisationen gehen von etwa 40 000 aus. Wer die Nacht auf der Straße verbringen muss, droht bei eisigen Temperaturen schnell zu unterkühlen. „Wir suchen diese Menschen auf, weil wir verhindern wollen, dass wir in Berlin Kältetote haben“, sagt Stemmann. Von Anfang November bis Ende März sind drei Kältebusse der Berliner Stadtmission allabendlich unterwegs. Ehrenamtliche wie Stemmann fahren hilfsbedürftige Menschen in Notunterkünfte, wenn sie das wünschen. Sie verteilen Decken, dicke Jacken oder einfach mal eine Tasse Tee. „Das tut ja auch ganz gut, wenn man mitten in der Nacht noch etwas Heißes zu trinken bekommt“, so der Helfer.

Zum Kältebus-Team stieß Stemmann durch einen Kollegen, der ihn mit auf Tour nahm. „Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt er. Der 62-Jährige berichtet von Menschen, die nach der Fahrt in den Räumen der Berliner Stadtmission auf Bänken schliefen. „Ich habe eine warme Wohnung, muss nur die Heizung aufdrehen.“ Für obdachlose Menschen sei das anders. Für Stemmann war das ein Grund, sich an einem Abend in der Woche als Kältebus-Fahrer zu engagieren. 

Hotline gegen das Erfrieren

Wenn Oliver Stemmann sich hinter das Lenkrad des Busses setzt, haben er und sein*e Beifahrer*in immer ein Tablet mit dabei. Darauf gehen Meldungen aus der Kältebus-Zentrale, die täglich zwischen 20 und 2 Uhr erreichbar ist. Hier kann man anrufen, wenn man in Straßen und Parks auf Hilfesuchende trifft und ein warmer Platz in einer Notunterkunft oder Unterstützung gebraucht wird. Das sei durchaus auch mal bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt der Fall, wie Stemmann betont. Etwa wenn jemand in einer schlechten körperlichen Verfassung sei oder keine gute Ausrüstung habe, vielleicht sogar auf dem blanken Boden schlafe. Vor dem Anruf bei der Kältebus-Hotline sollte man allerdings immer fragen, ob die Hilfe gewünscht ist. Ist eine Person nicht mehr ansprechbar, direkt die Feuerwehr unter 112 informieren. Obwohl ihn sein Ehrenamt einmal in der Woche lange wachhält und oft auch noch beschäftigt, wenn er den Schlüssel des Kältebusses wieder abgegeben hat, macht Oliver Stemmann seine Tätigkeit sehr gerne und möchte sie nicht missen.

Der Kältebus der Berliner Stadtmission ist vom 1.11. bis 31.03. täglich zwischen 20 und 2 Uhr unter der Telefonnummer 030 690 333 690 erreichbar.


Autorin: Jessica Kliem; Aufmacherbild: Janine Marie Fritsch


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