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Zuhören & helfen

Ob Stadtkultur, Integration oder Nachbarschaft: Helene Böhm, Quartiersentwicklerin bei der GESOBAU, bringt an einen Tisch, wer sich gegenseitig nützlich sein kann. Vom lokalen Unternehmer über den sozialen Träger bis zu Vereinen und der Bezirksverwaltung.

Seitdem die große Kastanie vor ihrem Fenster im Dachgeschoss gefällt wurde, kann Helene Böhm von ihrer Wohnung auf ihr Arbeitsfeld schauen: In drei Kilometern Luftlinie recken sich die markanten Hochhäuser des Märkischen Viertels in den Himmel. Die 50-Jährige mit dem Kurzhaarschnitt blickt auf die Stadt in der Stadt. Mit 15.000 Wohnungen, in denen 40.000 Menschen leben, ist das in den 60er Jahren entstandene Quartier das Bekannteste des Wohnungsbestands der GESOBAU. »Ein quirliger Ort, ich bin gern hier«, sagt die studierte Sozialpädagogin und Mutter zweier erwachsener Söhne. Für die gebürtige Thüringerin hat dieser Ausblick – auf die Häuser, die Straßen, die Menschen – fast schon etwas Symbolhaftes. »Man sieht die Grenzen, aber auch die Möglichkeiten, sieht das große Ganze.« Um nicht weniger als das geht es ihr auch in ihrem Job in der sozialen Quartiersentwicklung bei der GESOBAU. Seit sie 2007 ihre Arbeit bei der GESOBAU aufnahm, tragen die sozialen Projekte des Unternehmens ihre Handschrift, sind in ihrer Vielzahl überhaupt erst entstanden.

Böhm ist eine geborene Netzwerkerin – ohne dabei in Aktionismus auszubrechen oder sich in einzelnen Projekten zu zerfasern. Ihr geht es darum, Strukturen zu schaffen. Sie wirft Stichworte wie »Sozialplanung« und »Quartiersentwicklung« in den Raum. Spricht von Visionen, vor allem aber von langfristigen Strategien, um das Miteinander zu gestalten. Immerhin wolle das Unternehmen seinen Bestand bis 2026 von aktuell 41.000 auf 52.000 Wohnungen aufstocken. Neue Quartiere sind im Gespräch. Böhm lässt die großen Themen nicht aus den Augen. Beispiel Demografie. »Dem bundesdeutschen Trend folgend, wird auch ein Großteil unserer Mieter bald schon zu den Senioren gehören, der Anteil Hochaltriger wird steigen.« Eine Prognose, auf die Böhm frühzeitig reagiert hat: unter anderem mit der nunmehr schon drei Jahre bestehenden Senioren-Infothek unter dem Dach des Vereins »Netzwerk Märkisches Viertel«. Hier arbeitet Helene Böhm mit 25 Institutionen zusammen. Rund 200 Ansprechpartner könnte sie spontan benennen, mit denen sie regelmäßig zu tun hat.

»Bei der GESOBAU sind wir uns unserer sozialen Verantwortung bewusst«, erklärt Böhm. Etwas, das auch sie antreibt, das sie vor keinem Thema zurückschrecken lässt. »Auch wenn es zunächst aussichtslos erscheinen mag oder damit Widerstände und Vorurteile im Umfeld verbunden sind.« Zu solchen Themen gehören unter anderem der Einsatz der GESOBAU für den Kinderschutz und die Entwicklung neuer Wohnkonzepte, zum Beispiel für die vor allem aus Bulgarien und Rumänien stammenden Roma-Familien. »Ja, die neuen Nachbarn haben eine etwas andere Kultur«, gibt Böhm zu. »Aber es gilt, damit konstruktiv umzugehen und die richtigen Partner für das Thema an einen Tisch zu bringen.«

 

Von den ersten Erfahrungen im Wohnprojekt erzählt Helene Böhm dem Integrationsbeauftragten des Bezirks Mitte. Eigentlich nur nebenbei. Böhm ist gekommen, um mit Blick auf den nicht abreißenden Flüchtlingsstrom und die damit verbundenen organisatorischen Probleme Hilfe anzubieten. »Als städtisches Wohnungsunternehmen haben wir uns verpflichtet, Flüchtlinge mit Wohnraum zu versorgen.« Schwierig genug auf dem angespannten Wohnungsmarkt. Doch das allein genüge nicht, »uns geht es um Integration, Akzeptanz, Miteinander«. Sie macht sich für eine Willkommenskultur stark, für Integrationskonzepte mit langfristiger Wirkung, wie zum Beispiel das Integrationsprojekt »Gut miteinander wohnen!«, das die GESOBAU 2007 initiierte und bis heute einen wichtigen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen im Wohngebiet leistet. Den Maßnahmenkatalog der GESOBAU hat sie aus ihrem Büro am Wilhelmsruher Damm ins Rathaus an der Turmstraße mitgebracht. Sie berichtet von der möglichen Hilfe bei der Suche nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen oder bei Anfragen nach Wohnraum, der Zusammenarbeit mit Notunterkünften, der Vermittlung sozialer Akteure und bezirklicher Netzwerke, von den finanziellen Möglichkeiten der GESOBAU-Stiftung. »Nehmen Sie uns in Anspruch«, betont sie Wort für Wort.

Doch bei Worten belässt sie es nicht: In ihrem Kofferraum stapeln sich Kisten mit Stiften und Papier, spontan gesammelt von ihren Kollegen. Nun will Böhm das Material nach Karlshorst bringen. Jens Braun hatte vor einigen Tagen um Unterstützung der GESOBAU gebeten. Der Karlshorster packt seit Wochen ehrenamtlich in der Flüchtlingsunterkunft an der Köpenicker Allee mit an. 1.000 Männer, Frauen und Kinder sind hier untergebracht. Damit die Geflüchteten mobil sind und ihre Umgebung erkunden können, hat Braun mit zehn Mistreitern aus der Nachbarschaft in einer leerstehenden Garage eine Fahrradwerkstatt aufgebaut. Die Männer reparieren alte Räder, machen sie verkehrssicher, organisieren den Verleih an die Neuankömmlinge. »Nur mangelt es uns an Rädern«, hat der 44-Jährige der GESOBAU bekümmert am Telefon erzählt. Die reagierte, kontaktierte die Hausbetreuer, suchte und fand: 50 Gebrauchträder konnte das Deutsche Rote Kreuz, Träger der Flüchtlingsunterkunft, auf den Lastwagen laden und vom Märkischen Viertel nach Karlshorst transportieren. »Wenn es Lücken im System gibt, müssen wir gemeinsam versuchen, sie zu füllen«, erklärt Böhm. Die Unterstützung von ehrenamtlichem Engagement gehört deshalb für sie ganz oben auf die Liste der Prioritäten in der Quartiersarbeit.

Und in Zukunft? »Ich würde mir in jedem Quartier der GESOBAU einen Nachbarschaftsladen wünschen, in dem wir, eng vernetzt mit lokalen Akteuren und Mietern, an den Herausforderungen unserer wachsenden Stadt gemeinsam arbeiten können.«


Text: Katrin Starke, Fotos: Lia Darjes

Von Gesobau,
03.12.2015