Zu Hause

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Wenn Schulen und Kitas länger ausfallen, wachsen die Probleme. Dann zählt Gelassenheit. Wir besuchten zwei Familien und wollten wissen, wie sie mit der Situation zurechtkommen

Rune (7 Jahre), Smilla (4 Jahre) und Vilde (8 Monate) wohnen im Wedding. Während ihr Vater in der Küche arbeitet, spielen die Mädchen im Wohn­zimmer. Gemeinsam mit Mutter Anja hat uns Rune erzählt, wie der Tag bei ihnen aussieht. 

Was machst du momentan am liebsten?
Rune: Ich turne gern und spiele mit meiner Schwester Smilla. Anja: Wir haben eine Stange für Klimm­züge und eine große, runde Schaukel im Wohn­zimmer. Das ist jetzt zum Ersatz für den Spiel­platz geworden. Rollen­spiele sind auch sehr beliebt. Außerdem lesen wir gerade noch mehr als sonst. 

Hast du gerade ein Lieblings­buch, Rune?
Rune: Ja, „Die Schule der magischen Tiere“. Da bekommt jeder Mensch ein magisches Tier, mit dem er sprechen kann. Das hätte ich jetzt auch gern. 

Was vermisst du in diesen Tagen denn besonders?
Rune: Dass ich nicht nach draußen auf den Spielplatz kann. Und meine Freunde. Zwei waren sogar zwei Wochen in Quarantäne, aber meine beste Freundin Mathilda kann ich jetzt wenigstens wieder im Hof treffen. 

Und wie klappt es mit den Haus­auf­gaben?
Rune: Die mache ich immer am Vormittag, wenn ich auch zur Schule gehen würde. Es sind ganz schön viele, und es dauert lang. 
Anja: Das macht uns tatsächlich zu schaffen. Die Aufgaben sind recht umfang­reich und setzen Rune ganz schön unter Druck. Früher hat sie die Haus­auf­gaben für die ganze Woche oft schon am Montag fertig gehabt und konnte sich aufs Spielen freuen. Jetzt hat sie manchmal eher das Gefühl, zu wenig Zeit zum Spielen zu haben. Als Erst­klässlerin ist sie es gar nicht gewohnt, so viel zu Hause zu lernen. 

Langweilt ihr euch zu Hause auch mal oder geht ihr euch manchmal sogar ein bisschen auf die Nerven?
Rune: Meine Schwestern stören mich manchmal bei den Haus­auf­gaben. Aber langweilig oder nervig wird es eigentlich nie. 
Anja: Die Situation ist auf vielen Ebenen nicht leicht. Aber die Mädchen – und auch wir als Familie – sind enger zusammen­gerückt. Wir sind in einer glücklichen Lage: Ich bin momentan in Eltern­zeit, und so bekommen wir das mit der Kinder­betreuung gut hin. Rune und Smilla machen das richtig toll. Und die Kleinste ist total glücklich, weil ihre großen Schwestern jetzt immer da sind. 


Liam ist 13 Jahre alt und wohnt in Pankow. Er lernt gerne am Computer und freut sich, dass er jetzt mehr Freizeit hat. Doch er vermisst auch einiges – die Pfadfinder und seine Großeltern zum Beispiel 

Liam, wie sieht dein Tag zurzeit aus? 
Eigentlich immer anders. Meist schlafe ich ein bisschen länger als sonst. Dann mache ich meine Aufgaben für die Schule. Dazu gehe ich auf die Internet­seite von „Lernraum Berlin“. Ich finde, das macht mehr Spaß als in der Schule, aber es ist auch ganz schön viel. Nach den Aufgaben frühstücke ich etwas. Am Nachmittag zeichne ich gerne und habe gerade Linol­druck angefangen. Manchmal spiele ich auch Minecraft am Computer oder Brett­spiele mit meinem Vater. Und ich gehe fast jeden Tag ein bisschen spazieren und mache danach mein Sport­programm, das unsere Lehrerin geschickt hat. 

Hast du denn Sorge, dass du dich mit dem Virus anstecken könntest?
Ich habe schon Respekt und halte Abstand. Auch wenn ich weiß, dass mir wahr­scheinlich nicht viel passieren würde, wenn ich infiziert wäre. Aber es könnte ja auch sein, dass ich keine Symptome habe und trotzdem jemand anderen anstecke. Deshalb bin ich vorsichtig. 

Was würdest du machen, wenn du nicht zu Hause bleiben müsstest?
Ich wäre viel mehr draußen unterwegs und in den Oster­ferien in den Urlaub gefahren. Und sonst gehe ich immer mittwochs zu den Pfad­findern. Da machen wir Spiele mit den anderen Sippen und gehen auf Schatzsuche. Das ist natürlich anders, als den ganzen Tag mit der Familie zu Hause zu sein. 

Was wirst du als Erstes machen, wenn sich die Situation entspannt?
Ich werde zuerst meine Freunde treffen – und dann meine Groß­eltern besuchen. Leider weiß man ja gar nicht genau, wann alles wieder ganz normal ist. Die Wissen­schaftler*innen können das ja auch nicht genau vorher­sagen. Es wäre natürlich toll, wenn es noch dieses Jahr wäre. 


Die Gespräche führte Valérie Hasenmayer im April 2020; Illustration: Collage Adobe Stock/Good Studio/yindee