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Zeitkapsel für mehr Wohnungen

Am 25. September feierten Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel, Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke und GESOBAU-Vorstand Jörg Franzen im Beisein von Anwohnern und Projektbeteiligten die Grundsteinlegung für 180 neue Wohnungen in den »Uferhöfen« in Gesundbrunnen. Im Frühjahr 2017 startet die Vermietung.

Eine Zeitkapsel, mit der man wie Michael J. Fox bei »Zurück in die Zukunft« auf einen Schlag 30 Jahre vorspulen könnte – das wär’s. Vielleicht würden wir dann gar nicht hier stehen, in der Weddinger Uferstraße, und den Grundstein für 180 neue Wohnungen legen. Vielleicht würden wir Häuser abreißen für mehr Grünflächen. Doch Science Fiction spielt heute keine Rolle. Diese Zeitkapsel mit der enthaltenen Tageszeitung zeugt vom Hier und Jetzt: von fehlenden Wohnungen, scheinbar unaufhaltsamen Flüchtlingsbewegungen, Gentrifizierung und der Sorge, dass die Stadt aus allen Nähten platzt. Einzementiert und festgehalten für die Nachwelt.

»Kein Grund zu jammern«, findet Mittes Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke. Im Gegenteil: »Berlin wächst, das ist alles andere als selbstverständlich. Wir können froh sein darüber.« Warum? »Weil Berlin hip ist, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen«, sagt der SPD-Politiker bei der Grundsteinlegung der GESOBAU. »Und jetzt kommen noch Menschen dazu, die nach Berlin flüchten. Wir müssen bauen, bauen, bauen.« Dass dies in seinem Bezirk und an dieser Stelle geschieht, ist für Julia Dahlhaus wenig überraschend. Das ehemalige Image des Arbeiterbezirks verblasst zunehmend, Wedding gehört inzwischen zu den aufstrebenden Gegenden der Stadt, für Künstler, aber auch für Familien. »Viele Projektentwickler haben sich nach dem Grundstück die Finger geleckt«, weiß die Entwurfsarchitektin des Generalübernehmers Arge BOR GmbH/DMSW, der den Zuschlag für die Uferhöfe bekam. »Gleich nebenan fließt die Panke und es gibt viele kleine Läden, die diesen Standort besonders attraktiv machen.«

So unterschiedlich wie die Bewohner im Wedding wird auch das Wohnungsangebot in den Uferhöfen sein: Auf dem rund 6.200 m² großen Areal entlang der Uferstraße und Bornemannstraße im Ortsteil Gesundbrunnen entstehen 180 neue Mietwohnungen in drei Mehrfamilienhäusern sowie zwei Anwohnertiefgaragen mit insgesamt 65 Stellplätzen. Von den 180 Wohnungen werden 57 gefördert und für durchschnittlich 6,50 €/m² vermietet. Der Wohnungsmix ist mit 1,5-Zimmer- bis 4,5-Zimmerwohnungen generationsübergreifend – jeder Lebensentwurf findet hier seinen Raum. Auch die Außenanlagen werden auf die Gegebenheiten im Bezirk und die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt: Neben gemeinschaftliche Spielflächen mit Holzdeck und Sitzgelegenheiten wird es 188 Fahrradstellplätze geben.

Lückenschlüsse wie diese in einem innerstädtischen Bezirk gehören gleichermaßen zur Strategie des Berliner Senats wie Neubebauungen am Stadtrand. »Wir werden das Wachstum in der Stadt nur bewältigen, wenn wir dichter bauen«, sagt Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel. Dass dies Auswirkungen auf die Lebensqualität im Bezirk haben könnte, sieht er nicht: »Gucken Sie sich den Prenzlauer Berg an oder Friedrichshain. Die begehrtesten Wohngebiete sind auch die am dichtesten bebauten Gebiete.« Größere Sorge bereitet Geisel die kurze Zeit, in der die Wohnungen gebaut werden müssen. 2016 würden laut einer Statistik 80.000 bis 90.000 Menschen zu uns in die Stadt ziehen, aber nur 15.000 neue Wohnungen errichtet werden. Gerade vor dem Hintergrund des Flüchtlingsstroms ist die Lage umso brisanter geworden: »Wir müssen die Flüchtlinge auch integrieren. Aber das können wir nicht, wenn sie in Turnhallen leben.« Doch zum Schluss ist er trotzdem optimistisch: »Es kommt noch eine Menge auf uns zu, aber ich denke, wir schaffen das. Berlin hat schon ganz andere Herausforderungen im Wohnungsbau gemeistert.«


 

Von Susanne Stöcker,
28.09.2015