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»Wir sorgen für Sicherheit«

Rainhard Kortschlag ist für die GESOBAU als Schornsteinfeger im Einsatz. Warum er den Bewohnern Glück bringt und warum vor allem die Dinge wichtig sind, die man nicht sieht, erklärt er im Interview mit »Hallo Nachbar«.

Hallo Nachbar: Es gibt wenige Berufsgruppen, die man mit so positiven Dingen assoziiert wie Schornsteinfeger. Bekommen Sie das von den Bewohnern widergespiegelt?

Rainhard Kortschlag: Ja, das bekommen wir größtenteils widergespiegelt. Das Wort Schornsteinfeger birgt allein schon so viel Vertrauen in sich. Wenn ein neuer Kollege beschäftigt ist, sind die Leute etwas skeptischer, aber die meisten kennen uns seit Jahren. Manche Mieter geben uns sogar die Schlüssel für ihre Wohnung.

Abgesehen von der positiven Assoziation: Warum ist Ihr Besuch so wichtig? Als Bewohner sehe ich erst mal keine Veränderung. 

Kortschlag: Sicherheit sieht man nie. Früher haben sich die Schornsteinfeger hauptsächlich um das Fegen und Rausnehmen der Schornsteine gekümmert. Heute gehen wir überwiegend zu den Gasfeuerstätten oder auch Zentralheizungen – und da spielt in erster Linie die Sicherheit eine Rolle. Das ist das, was der Mieter nicht sieht.

Was machen Sie, was wir nicht sehen?

Kortschlag: Wir führen Messungen durch. Wir überprüfen die Abgaswerte und die Funktionssicherheit der Feuerstätten, das heißt, wir gucken, ob der Verbrennungsluftverbund vorhanden ist und ob genug Sauerstoff rankommt. Das ist das Gefährliche bei Abgas: Wenn der Ofen früher bei Luftmangel nicht richtig funktioniert hat, hat er gequalmt. Das Fenster wurde geöffnet und dann war die Gefahr beseitigt. Wenn eine Gasfeuerstätte nicht funktioniert und die tödlichen Abgase rauskommen, dann kriegt das erst mal keiner mit.

Bekanntestes Beispiel ist das Kohlenmonoxid-Unglück in Köpenick 2011. Was ist da passiert? 

Kortschlag: Eine Mieterin hatte in ein Rohr in der Heizung einen Lappen reingesteckt, weil dort die warme Luft rausgezogen ist. Als sie auszog und die Wohnung leer stand, wurde das Gas abgestellt. Irgendwann sind neue Mieter eingezogen und haben das Gas wieder anstellen lassen, was zur Folge hatte, dass die Abgase bis zum Lappen, wieder zurück und dann rausgeströmt sind. Das traurige Ergebnis war der Tot der sechsköpfigen Familie. Wir wollen nicht, dass sich so etwas wiederholt. Und das ist auch unsere Aufgabe: Wir sorgen für die Sicherheit der Mieter.

 

Wie oft überprüfen Sie die Sicherheit? 

Kortschlag: Wir kommen einmal im Jahr, um die Kehrarbeiten, Überprüfungsarbeiten und Messarbeiten durchzuführen. Aber auch anlassbezogen kommen wir, wenn zum Beispiel bei einer Modernisierung ein Element verändert wird. Das kann eine Wärmedämmung an der Fassade sein, eine neue Gasetagenheizung oder der Einbau neuer Fenster. Seit dem Fall in Köpenick kommen wir auch gesetzlich festgeschrieben nach jeder Gassperrung in die Wohnung, um das ganze System von der Heizung bis zum Ende des Schornsteins zu überprüfen. Was wir nicht überall machen, sind sogenannte hoheitliche Tätigkeiten. Dafür sind wir und die jeweiligen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger zuständig.

Was sind das für hoheitliche Aufgaben? 

Kortschlag: Dazu gehört zum Beispiel die Durchführung der Feuerstättenschau, die zurzeit zweimal in sieben Jahren durchgeführt wird. Dabei werden unter anderem die Teile von Feuerungsanlagen auf ihre Betriebs- und Brandsicherheit überprüft, die nicht durch unsere wiederkehrenden Arbeiten erfasst werden, zum Beispiel Kachelöfen und Rauchrohre.

Was passiert, wenn Mieter den Termin mit Ihnen nicht wahrnehmen? 

Kortschlag: Alle Mieter an einem Tag kriegen wir trotz frühzeitiger Ankündigung nie. Viele Bewohner vereinbaren einen separaten Termin, aber manche treffen wir auch gar nicht an. Wir melden den Fall dann der GESOBAU, die den Mieter noch einmal auffordert, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Wenn das auch nicht funktioniert, dann müssen wir aus Sicherheitsgründen das Bezirksamt informieren. Hilft auch die Frist vom Bezirksamt nicht, muss die Tür durch einen Schlüsseldienst geöffnet werden – natürlich auf Kosten der Mieter. Unsere Begehungen sind gesetzlich vorgeschrieben und dienen letztendlich der Sicherheit und der Gesundheit der Mieter. Um nichts anderes geht es.


Fotos: Lia Darjes

Von Gesobau,
03.12.2015