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Wenn am Ende des Geldes noch reichlich Monat übrig bleibt

Machen Sie mehr aus Ihrem Geld: Unser Ratgeber für Ihr »Unternehmen Haushalt« zeigt, wie Sie die laufenden Kosten Monat für Monat im Blick behalten und wo Sie ungeahnte Einsparpotenziale entdecken.

Kaum sind Lohn oder Gehalt aufs Konto überwiesen, ist das Geld schon wieder weg. Die Miete wird abgebucht, der Monatsbetrag fürs Handy ist fällig, die Autoversicherung muss bezahlt werden. Genau jetzt macht auch noch die Waschmaschine schlapp. Wird das Geld für eine neue Maschine in diesem Monat reichen?

Durchblick mit Haushaltsbuch

Da hilft kein Schulterzucken, sondern nur den Bleistift zu spitzen und zu rechnen. Finanzexperten empfehlen, ein Haushaltsbuch zu führen. Die Verbraucherzentralen bieten einen solchen Ratgeber als Spiralbuch an, die Sparkassen als digitalen Budgetplaner.

»Es hilft, Kassensturz zu machen«, sagt Mechthild Winkelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. »Denn man muss sich klar werden, wie viel Geld monatlich überhaupt zur Verfügung steht und was davon für die festen Ausgaben wie Miete, Strom, Heizung, Rundfunkbeitrag oder andere Verpflichtungen wie Versicherung oder Tagesmutter schon direkt verplant ist.«

Die Summe der Einnahmen minus der Summe der festen Ausgaben ergibt das Budget, das für die sogenannten veränderlichen Ausgaben zur Verfügung steht. Das sind zuallererst Lebensmittel, aber auch der Lippenstift aus dem Drogeriemarkt oder die neue Jeans für den Nachwuchs. »Bei den veränderlichen Ausgaben gibt es zumeist schon die ersten Aha-Effekte – und die lassen dann automatisch die Kostenbremse ziehen«, so Winkelmann. »Einnahmen und Ausgaben im Blick zu behalten, hat sich in unseren Beratungsstellen immer wieder als zentrale Anforderung gestellt, um rote Zahlen abzuwenden«, erklärt die Expertin.

 

 

Außer-Haus-Verpflegung als Kostentreiber

Weil im Haushaltsbuch die Ausgaben etwa für Lebensmittel, Außer-Haus-Verpflegung oder auch Freizeit als separate Summen festgehalten werden können, sei leicht nachvollziehbar, wo sich die dicksten Ausgabenposten verbergen. »Und dann kann man schnell gegensteuern.« Oft seien die Ausgaben bei der Außer-Haus-Verpflegung die Kostentreiber, weiß Mechthild Winkelmann. »Der Coffee to go am Bahnhof, das belegte Brötchen beim Bäcker, Burger oder Döner in der Mittagspause – wer da Tag für Tag mal nachrechnet, wie viel fürs schnelle Essen und Trinken ausgegeben wird, kann rasch Einsparungen finden.« Immer wieder sei aber auch »die Automobilität in vielen Haushalten der Motor fürs Schreiben roter Zahlen«.

Brauche ich das wirklich?

»Wer seine Ausgaben erfasst, verbessert seine finanzielle Situation«, heißt es im Haushaltskalender, den der »Beratungsdienst Geld und Haushalt« der Sparkassen jährlich herausgibt. Nicht dass durchs Aufschreiben der Zahlen plötzlich die Einnahmen wachsen. Aber: »Die Ausgabenerfassung hilft dabei, das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen, Rücklagen zu bilden und finanzielle Belastungen besser übers Jahr zu verteilen«, so die Sparkassen-Fachleute. Wichtig ist, wirklich alle Ausgaben einzutragen – also nicht nur die, für die man Rechnungen hat. Für die kleinen Besorgungen zwischendurch – wie den Blumenkohl und die Kartoffeln vom Markt, für die es keinen Kassenzettel gibt – hilft es, stets einen Zettel im Portemonnaie zu haben. Dann können diese kleinen Posten sofort notiert werden, bevor sie in Vergessenheit geraten.

Auch beim Bezahlen mit der Kreditkarte sei das Eintragen ins Haushaltsbuch ein Muss, mahnt die Verbraucherzentrale – denn nicht selten würden die offenen Rechnungen erst im folgenden Monat abgebucht. Ob bargeldloses Bezahlen oder Bestellung im Onlineshop: Da kann schnell der Überblick über die Ausgaben verloren gehen und es droht die Gefahr, mit dem Konto ins Minus zu rutschen – und dann werden Überziehungszinsen fällig.

 

 

Sparpotenziale bei den Fixkosten Telefon und Strom

Aber wo lässt sich nun sparen? In vielen Haushalten sei mittlerweile das Telefon der größte Einzelposten bei den Ausgaben, hat Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Online-Portals »Finanztip«, festgestellt. In seinem Buch »Wie Sie mit wenig Aufwand viel Geld sparen« erklärt er, dass jeder Haushalt mit ein paar kleinen Kniffen schnell 2.000 Euro im Jahr einsparen kann – und das fängt schon mit dem Wechsel des Telefonanbieters oder -tarifs an. Schließlich seien ein Datenvolumen von 2 Gigabyte und eine Allnet-Flat schon für unter 10 Euro zu haben. Wer monatlich 30 Euro zahlt, könnte also 20 Euro im Monat sparen. Ersparnis pro Jahr: 240 Euro. Bei zwei oder mehr Handys im Haushalt kommt da ein hübsches Sümmchen zusammen.

Geräten den Stecker ziehen

Der Wechsel zu einem günstigeren Stromanbieter kann ebenfalls helfen, das Loch im Portemonnaie zu schließen. »Eine Ersparnis von 250 Euro im Jahr geht für eine Familie fast immer«, schätzt Tenhagen ein. Hinzu kommt, dass man Strom sparen kann, wenn man nicht in jedem Zimmer das Licht brennen lässt, obwohl man sich über Stunden nur in einem Raum aufhält, die Wäsche statt bei 90 mal nur bei 60 Grad wäscht und sie anschließend statt im Trockner auf der Leine trocknet.

Auch muss der Fernseher nicht ständig im Stand-by-Modus sein. Denn obwohl er nicht läuft, frisst er bis zu 15 Watt Strom pro Stunde. Wer die Unterhaltungselektronik vom Netz trennt, kann zwischen 70 und 150 Euro im Jahr sparen. Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt könne bei effizientem Umgang mit Strom seinen Verbrauch pro Jahr um etwa 900 Kilowattstunden (kWh) senken, meinen die Finanzexperten der Sparkassen.

Doch oft fängt es schon im ganz Kleinen an: Da wird hungrig zum Einkaufen gegangen und viel mehr gekauft, als nötig gewesen wäre – mit dem Ergebnis, dass Lebensmittel schlecht werden und im Mülleimer landen. Da hilft ein Einkaufszettel – und der Einkauf nach dem Frühstück und nicht davor. Es muss auch die Frage erlaubt sein, ob es denn unbedingt ein teures Monats-Abo fürs Fitnessstudio sein muss, obwohl der Monatsbetrag für einen Sportverein viel niedriger ist. Und ob DVDs oder Computerspiele für den Nachwuchs gekauft werden müssen, wenn es die doch in Büchereien zu leihen gibt – zumal die Kids nach einiger Zeit sowieso die Lust daran verlieren und schon wieder ein neues Spiel haben wollen. Unnötige Geldfresser unseres Alltags sind auch Versicherungen, die halb- oder gar vierteljährig gezahlt werden. Lieber jeden Monat eine feste Summe dafür zurücklegen und auf jährliche Zahlung umstellen – das spart leicht 5 Prozent der fälligen Versicherungssumme.

Überprüfen sollte man auch, ob die Unterstützung von Vater Staat eigentlich ausgeschöpft wird. So können Eltern durch eine geschickte Wahl ihrer Steuerklassen mehr aus ihrem Elterngeld machen. Außerdem können Geringverdienende zusätzlich zum Kindergeld unter bestimmten Voraussetzungen bei der Familienkasse einen Kinderzuschlag beantragen. Was viele Eltern ebenfalls nicht wissen: Wenn sie Arbeitslosengeld II oder Wohngeld erhalten, haben sie auch Anspruch auf Bildungs- und Teilhabeleistungen für alle im Haushalt lebenden Kinder. Dazu zählen Zuschüsse für Schulausflüge, das Mittagessen in der Kita oder die Mitgliedsbeiträge für den Musikverein.

Grüne Tipps: Umwelt und Geldbeutel schonen!

Wie viele Rohstoffe und Ressourcen unser individueller Lebensstil verbraucht, zeigt der sogenannte ökologische Fußabdruck. Wie wir dagegen positiv auf unsere Umwelt einwirken, misst der ökologische Handabdruck. Nachhaltige Haushaltsführung bietet reichlich Möglichkeiten, die positiven Effekte auf die Umwelt zu steigern – und dabei auch noch Geld zu sparen.

Muss es immer die Kiwi sein oder die Ananas? Die haben nicht nur weite Wege hinter sich, wenn sie bei uns in den Handel kommen und durch den Transport die Umwelt belasten, sie sind auch meist teurer als heimisches Obst. Wer sich zur Erntezeit Äpfel aus der Umgebung schmecken lässt, spart Geld und stärkt auch noch den heimischen Anbieter.

Hier gibt’s einen Saisonkalender zum Ausdrucken für die Kühlschranktür:
www.hallonachbar.berlin/saisonkalender

Sparen kann auch, wer nicht jeden Tag Fleisch oder Wurst isst. Experten haben errechnet, dass eine vorwiegend pflanzliche Ernährung um 20 Prozent günstiger ist als eine fleischbetonte. Außerdem landen viel zu viele Lebensmittel im Müll. Abhilfe schaffen können Speisepläne und Einkaufslisten. 82 Kilogramm Lebensmittel wirft jeder Deutsche im Jahr weg – bei einem Vier-Personen-Haushalt landen da 940 Euro in der Tonne.

Der Umwelt wie auch dem eigenen Portemonnaie hilft es auch, nicht jede Strecke mit dem Auto zu fahren, sondern mal mit dem Fahrrad zum Bäcker oder in die Bücherei zu strampeln. Gerade in Städten wie Berlin mit dichtem öffentlichen Verkehrsnetz und Carsharing-Angeboten stellt sich die Frage, ob ein eigenes Auto wirklich nötig ist – zumal selbst bei einem Kleinwagen monatlich mehr als 350 Euro an Kosten anfallen, wenn man Benzin, Steuer und Versicherung, Verschleiß und den Wertverlust zusammenrechnet. Als Faustregel gilt: Ein eigenes Auto lohnt sich ab etwa 10.000 km Fahrleistung im Jahr.

Statt in den eigenen fahrbaren Untersatz kann man das gesparte Geld in einen neuen Kühlschrank investieren – selbst wenn der alte noch funktioniert. Ein moderner Kühlschrank verbraucht heute bis zu 75 Prozent weniger Strom als ein Kühlschrank Baujahr 1990. Da rechnet sich die Investition in ein neues Gerät schnell. Übrigens lässt sich auf www.kuehlcheck.de kostenlos testen, wann sich ein Austausch auszahlt.


Text: Katrin Starke

Illustrationen: cosmaa

Von Redaktion,
12.12.2018

Unsere Tipps: Geld sparen leicht gemacht

Haushaltskalender

Unter www.geld-und-haushalt.de bietet der Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe einen kostenlosen Haushaltskalender zum Download an – für diejenigen, die nach wie vor gerne mit der Papierversion arbeiten. Mit dem kostenfreien Web-Budgetplaner lassen sich Einnahmen und Ausgaben dagegen direkt am Computer erfassen und auswerten. www.web-budgetplaner.de

Vergleichsbudget

Wer wissen will, ob andere Haushalte in einer ähnlichen Lebens-, Wohn- und Einkommenssituation mehr oder weniger Geld ausgeben, kann mithilfe des Referenzbudgets im Netz seine Ausgaben mit denen anderer Haushalte vergleichen. Die Referenzbudgets basieren auf Daten des Statistischen Bundesamtes und sind mit Wissenschaftlern der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft für 120 verschiedene Haushaltstypen entwickelt worden. www.referenzbudgets.de

Haushaltsbuch

»Das Haushaltsbuch« hat die Verbraucherzentrale jetzt in der 24. Auflage an den Start gebracht. Es kostet 7,90 Euro und kann unter www.ratgeber-verbraucherzentrale.de, unter Tel.: 0211/3809-555, in den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen oder im Buchhandel bestellt werden.