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Strom vom eigenen Dach

In Pankow wurde eine der größten Mieterstromanlagen Deutschlands eingeweiht. Über die Berliner Stadtwerke können die Bewohner des GESOBAU-Wohnkomplexes ab jetzt günstigen Strom beziehen – und sind ein bisschen stolz auf die Energie vom eigenen Dach.

Berlin, du steckst voller Energie! Touristen kommen in die Hauptstadt wegen der legendären Parties, die bis zum Morgengrauen dauern, und Zugezogene wundern sich darüber, dass die Stadt niemals schläft. Weniger bekannt dürfte hingegen sein, dass die Stadt auch im unmittelbaren Sinn eine regelrechte Energiequelle darstellen könnte.

Schon seit Jahren rechnen Experten vor, dass ein Drittel der Dachflächen im Innenstadt-Bereich profitabel mit Solaranlagen zu betreiben wäre. Im Berliner Solaratlas können sich Hauseigentümer online ausrechnen lassen, welche Energiemenge eine Solaranlage auf ihrem Dach über das Jahr verteilt erwirtschaften könnte.

Ein halber Hektar Solarzellen über den GESOBAU-Mietern 
Wie Berlin sein Energiepotenzial richtig nutzen kann, hat nun die landeseigene GESOBAU gemeinsam mit den Berliner Stadtwerken vorgemacht. Auf einer Pankower Wohnanlage wurde Ende Juni eine der größten Mieterstrom-Solaranlagen Deutschlands eingeweiht. Hoch über der Pankower Straße und der Schlossallee wurden auf 14 Hausdächern insgesamt 4.800 Quadratmeter Solarzellen installiert.

Der dort produzierte Solarstrom kann nun vorrangig von den Mietern der Gebäudeeinheiten zu einem kostengünstigen Preis bezogen werden, nur die überschüssige Energie wird noch bei Bedarf in das städtische Stromnetz eingespeist. Und wenn die Sonne mal nicht scheint, liefern die Berliner Stadtwerke 100 Prozent Ökostrom über das Stromnetz an die Bewohner.

„Wir steuern gerne die Dachflächen zur klimaschonenden und kostengünstigen Energieerzeugung bei“, sagt Jörg Franzen, Vorstandsvorsitzender der GESOBAU AG, anlässlich der Einweihung. Sein Dank für die gute Zusammenarbeit gilt den Berliner Stadtwerken, von denen auch die Initiative für das Projekt ausging.

Günstiger Ökostrom für Berlin
Die Berliner Stadtwerke wurden 2014 als Tochtergesellschaft der Berliner Wasserbetriebe gegründet und verfolgen seitdem zwei Ziele: Eine Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien direkt in der Stadt umzusetzen sowie als kommunaler Anbieter den Bewohnern klima- und verbraucherfreundliche Angebote zugänglich zu machen. Nahezu zeitgleich mit ihrer Gründung haben die Stadtwerke daher auf dem Pankower Wohnquartier auch direkt die erste Mieterstromanlage in Betrieb genommen, ein Vorläufer zu dem jetzigen Rekord-Projekt.

 

GESOBAU-Vorstandsvorsitzender Jörg Franzen (links), Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Mitte) und Stadtwerke-Geschäftsführer Andreas Irmer (rechts) eröffneten Ende Juni gemeinsam die neue Mieterstromanlage.

 

„Wir suchen die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt um uns das Vertrauen für unsere Angebote zu erarbeiten“, sagt der Projektleiter im Vertrieb, Paul Kästner. Wieder und wieder suchen er und seine Kollegen den Dialog mit den über 1.000 Mietern, organisieren Informations-Abende und sind regelmäßig mit dem Info-Mobil im Wohngebiet direkt ansprechbar.

Für die Pankower Mieter entfallen die Kosten für denStromtransport
„Am Anfang haben sich die Bewohner vor allem für mögliche Einschränkungen durch die Baustelle auf dem Dach interessiert“, erinnert sich Kästner. „Aber nach und nach stieg auch das Interesse an unserem Geschäftsmodell.“ Immerhin: Weil der Strom direkt vom Dach in die Haushalte gelangt und nicht erst über Verteilerknoten durch die halbe Republik geschleust werden muss, entfallen Kosten für den Stromtransport. Diesen Vorteil geben die Stadtwerke an die Bewohner weiter.

Und das lohnt sich: „Ein Haushalt mit 2.000 kWh Stromverbrauch im Jahr spart mit dem Tarif berlinStrom Sonne+ der Stadtwerke über 120 € im Jahr gegenüber dem Grundversorgungstarif der Vattenfall” ergänzt Kästner. Aber auch ohne den „Mieter-Bonus“ muss der berlinStrom keinen Vergleich scheuen.

Die Bewohner wissen es zu schätzen: Mehr als 200 Verträge konnten schon abgeschlossen werden. Die Präsenz im Kiez trägt einen wesentlichen Teil dazu bei, glaubt Kästner: „Wir sind als kommunales Unternehmen vor Ort und bieten ein persönliches Gespräch anstatt die Bewohner im Online-Tarifdschungel alleine zu lassen. Wir tauschen uns gerne mit den Bewohnern aus, organisieren auf Wunsch den Vertragswechsel und beantworten auch kritische Fragen zum Thema Energiewende.

Und wenn der Strom auf dem eigenen Hausdach in der Solaranlage produziert wird, dann verwandelt sich anonyme Energie auf einmal in eine persönliche Angelegenheit mit einer kleinen Portion Regionalpatriotismus. So ist Berlin – energiegeladen, und stolz auf den eigenen Kiez.


Text: Michael Metzger
Foto: Stadtwerke Berlin

Von peter.polzer,
20.07.2017