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Silver Surfer statt altes Eisen

Das Netzwerk Märkisches Viertel macht Senioren fit für die Zukunft. Das neue »Seniorennetz« verknüpft die vielfältigen analogen und digitalen Angebote.

So ein Tablet ist schon sehr hilfreich. Das weiß auch Jutta Mahel (76) aus dem Märkischen Viertel. Im Mietertreffpunkt Ribbeck-Haus wischt sie routiniert über den Bildschirm. »Ich kann hier beispielsweise eine schnelle Busverbindung raussuchen oder beim Bezirksamt nach wichtigen Informationen stöbern«. Schmunzelnd fügt sie hinzu: »Aber jetzt muss ich erst mal einen Uhu jagen!«. Dann vertieft sich die flotte Rentnerin wieder in ihr lustiges Onlinespiel.

Surfende Senioren sind seit diesem Frühjahr häufiger im ehemaligen Waschhaus am Senftenberger Ring anzutreffen. Einmal wöchentlich versammeln sich die »Cyber Seniors« um die zehn modernen Tablet-Computer, die der Verein Netzwerk Märkisches Viertel eigens für das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Jugend und Frauen geförderte Projekt angeschafft hat. Überwiegend neugierige Damen jenseits der 70 folgen dann gespannt den digitalen Erklärungen durch Michael Belkot. Der 32-Jährige, von Beruf eigentlich Pfleger beim Netzwerkpartner PflegeKompetent, erläutert dann Stück für Stück, wie man Apps installiert, wo nützliche Informationen im weltweiten Netz zu finden sind und wie man über die sozialen Medien Kontakte pflegen und intensivieren kann.

Gerade für ältere Menschen, deren Mobilität eingeschränkt ist, bieten neue Medien und digitale Möglichkeiten großen Nutzwert. Denn per Klick in den Browser finden sie unzählige Wege für die Teilhabe am sozialen Leben sowie Hilfestellungen für den Alltag. Doch bislang scheuen viele noch den Schritt ins Onlinezeitalter: Nach einer bundesweiten Umfrage des Branchenverbands Bitcom sehen über die Hälfte der über 65-Jährigen die Digitalisierung bislang nicht als Chance. Bitkom-Präsident Thorsten Dirks stellt deshalb auch ernüchtert fest: »Wenn wir über digitale Teilhabe sprechen, dann müssen wir feststellen, dass wir vor allem die ältere Generation bislang nicht mitgenommen haben.«

Senioren gehen online – und vernetzen sich

Im Märkischen Viertel will man diese Kluft zwischen Jung und Alt nun noch aktiver überbrücken. Im Juni startete das neue »Seniorennetz«, das als flächendeckendes Informations- und Interaktionsnetzwerk von, mit und für Ältere entwickelt wurde. Unter dem neuen Dach finden sich bestehende und bewährte Angebote wie eben die »Cyber Seniors«, die Senioren-Infothek in der »Viertel Box« oder auch die altersgerechten Hightech-Wohnungen von Pflege@Quartier (siehe Seite 8). Hinzu kommen viele neue Bausteine, die die Einstiegsbarrieren für die älteren Bewohner senken sollen.

Hauptaugenmerk liegt deshalb auf einer altersgerechten und niedrigschwelligen digitalen Infrastruktur. Hierzu gehören die vielen WLAN-Hotspots, die im Märkischen Viertel neuerdings unkompliziertes Surfen ermöglichen. Oder die mobile Infostele, an der Bewohner ohne eigenen Internetzugang jederzeit ins Netz können. Ein neues Onlinemagazin für den Kiez soll zudem als multimediales Informationsnetzwerk für den Wissensaustausch zwischen den Generationen sorgen.

Doch all die moderne Technik ist am Ende natürlich nur ein praktisches Hilfsmittel auf dem Weg in die reale Welt. Diese liegt beispielsweise auch im Ribbeck-Haus, wo Rentnerin Ursula Quantz (72) inzwischen stolz von den neuen Horizonten berichtet, zu denen sie mit dem Tablet surfen kann. Im Gegensatz zu ihrem Mann übrigens: »Für den ist die persönliche Digitalisierung undenkbar«.

 

 

Es gibt noch unzählige weitere Gründe für einen Besuch im beliebten Nachbarschaftstreffpunkt, der seit über einem Vierteljahrhundert das soziale Leben im Viertel bereichert. Von den vielfältigen Angeboten, die die quirlige Ribbeck-Haus-Leiterin Christina Traxel hier auf die Beine stellt, zeugen die unzähligen Erinnerungs- und Ausstellungsstücke überall im Haus. Egal ob Strickcafé, Töpfergruppe, Sprachkurs oder Treffen der Aquarianer: Die Materialien und Ergebnisse der engagierten Hobbygruppen sind omnipräsent. In der Werkstatt lagern die Schablonen, die beweisen, dass die Reinickendorfer Senioren wahrlich nicht zum alten Eisen gehören: Mit den Motiven besprühte die »Ribbeck-Rentnerinnen-Gang« beschmutzte, graue Stromkästen mit bunten Graffitis – natürlich höchst offiziell.

Von peter.polzer,
28.06.2017

»Cyber Seniors« im Ribbeck-Haus, Senftenberger Ring 54, Reinickendorf, Tel. 030/4073-1411, immer abwechselnd
Mo. und Di. 15–16.30 Uhr

Informationen zum Seniorennetz:
www.seniorennetz.berlin

Netzwerk Märkisches Viertel:
www.netzwerkmv.de