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»Niemand soll auf sich allein gestellt sein.«

Was brauchen ältere Menschen, um lange selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden zu leben? Niemand weiß das besser, als die Betroffenen selbst. Sie sollen im Rahmen des Projekts »Pflege@Quartier« in den kommenden Jahren an der Entwicklung neuer Wohnkonzepte für die Generation 65+ mitwirken.

Dreimal täglich eine von den weißen Tabletten, mittags zusätzlich eine von den grünen. Und abends die Tropfen. Wie viele waren es noch gleich? Zehn? Oder 20? Das Gedächtnis der alten Dame hat nachgelassen. Manchmal vergisst sie, ihre Medikamente zu nehmen. Dann kann es passieren, dass ihr schwindlig wird. Was aber, wenn sie stürzt, wo sie doch alleine in ihrer Wohnung lebt? An Menschen wie diese Seniorin wendet sich das Vorhaben der GESOBAU »Pflege@Quartier«. »Unser Ziel ist es, dass ältere Menschen so lange wie möglich in ihrer eigenen Wohnung leben können – und zwar selbstbestimmt, mit höchstmöglicher Lebensqualität«, erklärt Projektassistentin Monika Awater, die das Modellvorhaben in den kommenden Jahren mit begleitet. »Dazu können technische Hilfsmittel beitragen.« Monika Awater denkt beispielsweise an eine elektronische Anzeige mit extra großen Piktogrammen, das unsere Seniorin daran erinnert, wann sie ihre Arzneien nehmen muss. Oder an Fußmatten, die sofort ein Signal aussenden, wenn deren Sensoren unkoordinierte Bewegungen registrieren, was auf einen Sturz hindeuten könnte. Auch an Lichtleisten in der Wohnung, die nachts den Weg weisen und Sicherheit geben. »Niemand, der allein lebt, soll auf sich allein gestellt sein«, sagt Monika Awater.

Der Fokus von »Pflege@Quartier« ist zunächst aufs Märkische Viertel begrenzt. »Hier befragen wir Mieter über 65 Jahre, die Unterstützung in den eigenen Räumen benötigen, welche technischen Hilfsmittel ihnen den Alltag erleichtern würden«, so Awater. Vor allem, welche sie selbst bedienen können. »Die neueste Technik nützt nichts, wenn Mieter kognitiv oder motorisch nicht mehr in der Lage sind, damit umzugehen.« Unterstützung bekommt die GESOBAU dabei von der AOK Nordost und Experten aus Wissenschaft und Forschung. Ebenso wird die GESOBAU Messen und Fachtagungen besuchen. »Um zu erfahren, was an technischen Hilfsmitteln auf dem Markt und was für Sehbehinderte, Menschen im Rollstuhl, Schwerhörige oder Menschen mit Demenz sinnvoll ist.« Genau das soll in der zweiten Phase des Projekts umgesetzt werden. Die GESOBAU wird eine Musterwohnung in Wittenau einrichten – ausgestattet mit allem, was an zeitgemäßer Unterstützung für ältere Menschen möglich ist. Die potenziellen Teilnehmer des Projekts und andere Interessierte sollen die technischen Ergänzungen der Wohnung dann auf Herz und Nieren prüfen. »Was überflüssig und was sinnvoll ist was noch fehlt, können nur die Betroffenen und deren Angehörige beantworten«, sagt die Projektassistentin. »Auf diese Weise wollen wir ermitteln, was Senioren wirklich nützt. Standards, die vielleicht in Zukunft zur Ausstattung von Wohnungen für ältere Mieter gehören«, sagt Awater.

Dass Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung führen können, dafür setzt sich das Netzwerk Märkisches Viertel schon lange ein. Ein Engagement, für das der Verein kürzlich mit dem StadtPflegeCOMPASS ausgezeichnet wurde. Das Gesunde-Städte-Netzwerk und die COMPASS-Pflegeberatung hatten den mit 1.000 Euro dotierten Preis bereits zum zweiten Mal ausgeschrieben. 2003 gegründet, sind heute 30 Mitglieder und Ehrenmitglieder im Verein aktiv. Dazu gehören neben dem Bezirksamt, der GESOBAU und dem Pflegestützpunkt u.a. die Seniorenvertretung Reinickendorf, der Behindertenbeirat, Pflegeanbieter, Handwerksbetriebe, Nachbarschaftszentren und Schulen.


Text und Foto: Katrin Starke

Von Susanne Stöcker,
22.09.2015
Kontakt

Informationen zu »Pflege@Quartier«

Sie wollen am Vorhaben von »Pflege@Quartier« mitwirken und die Entwicklung neuer Wohnkonzepte beeinflussen? Dann freuen wir uns über einen Anruf bei Monika Awater unter Tel. 030.4073-1510 oder 0173-2680157.