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Möbel, Marke Eigenbau

Günstig und kreativ einrichten mit Materialien aus dem Baumarkt, von der Baustelle, vom Sperrmüll. Ideen zu unsere Heft-Einrichtungskolumne »Geht nicht, gibt’s nicht«

Der Umzug ist geschafft – in die größere Wohnung, nachdem der Nachwuchs angekommen ist. Oder in die ersten eigenen vier Wände, nachdem das Wohn-Modell »Hotel Mama« nicht mehr zeitgemäß war. So vieles musste angeschafft werden, da ist das Geld für die Einrichtung knapp. Doch Bett, Tisch, Regal und Co. müssen nicht teuer sein. Denn viele Möbel kann man selber bauen – auch ohne ein Handwerks-Profi zu sein. Mit einer Einrichtung »Marke Eigenbau« lässt sich nicht nur jede Menge Geld sparen – sie ist dazu noch originell und jedes einzelne Stück ein Unikat, ja sogar ein Kunstwerk.

Der Berliner Hocker – das Improvisationstalent

Unter dem Label »Hartz-IV« hat der junge Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel zeitlose Möbel-Klassiker neu interpretiert und für jedermann nachbaubar gemacht – wie den »Neukoelln Desk«, den »Kreuzberg 36 Chair« oder die »Lichtenberg Bar«. Kleinste Einheit und zugleich der absolute Renner in seiner Kollektion: der »Berliner Hocker«, der aus nur einem einzigen 1,50 Meter langen und 30 Zentimeter breiten Brett aus dem Baumarkt gesägt wird. Ursprünglich für das Maxim Gorki Theater entwickelt, kann jeder Laie das Hartz-IV-Möbel innerhalb weniger Minuten selbst herstellen. Dazu braucht’s nur ein paar Nägel und einen Hammer. Oder Schrauben und Akkubohrer, wenn der Hocker stabiler werden soll. Der »Do It Yourself-Quickie« sei ein echtes Improvisationstalent, verspricht Van Bo Le-Mentzel. »Er ist Hocker, Stuhl, Regal, Ablage, Rednerpult, Kindersessel und Beistelltisch in einem«, schreibt er auf seiner Internetseite. Und mehrere Berliner Hocker lassen sich miteinander beispielsweise zu Sitzbänken drapieren oder sogar zu Raumteilern kombinieren. Die Baupläne für den Hocker und all die anderen Möbel stellt Van Bo Le-Mentzel kostenlos im Internet zur Verfügung. Im Gegenzug erwartet er nur etwas Mitwirkung. So will er beispielsweise wissen, warum jemand gerade dieses spezielle Möbelstück bauen möchte. Und ist der Selbstbau geglückt, hätte er gern ein Foto davon.

 

 

Die Euro-Palette boomt

Immer beliebter: Möbel aus Euro-Paletten. Zwei davon nebeneinander gelegt, Matratze drauf, fertig – so haben Generationen von Studenten in Null-komma-nichts ein Bett in ihr WG-Zimmer gezaubert. Längst ist es nicht bei diesem einfachsten aller Möbel-Modelle geblieben. Zwei Paletten übereinander gestapelt oder auch eine Palette halbiert und die beiden Teile aufeinander gelegt, darauf ein dünnes, glatt geschliffenes Brett geleimt, bei Bedarf vier Rollen darunter geschraubt – fertig ist der Couchtisch. Nagelt man dann noch eine aufrecht gestellte Palette als Rückenlehne an die Breitseite, wandelt sich der Palettenstapel im Handumdrehen zum Sofa oder stylischen Lounge-Sessel. Mit einem scharfen Messer nun noch rasch Kaltschaumauflagen zurechtgeschnitten und einen hübschen Stoff darüber geworfen, schon wird das Paletten-Arrangement zum Schmuckstück der Wohnung. Um Laufmaschen im Strumpf oder Holzsplitter im Finger zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Paletten gründlich abzuschleifen. Was absolut unerlässlich ist, wenn daraus ein Kinderbett inklusive hölzerner Umrandung gebaut werden soll. In dem Fall sollten auch nur neue Euro-Paletten verwendet werden – um jegliche bakterielle Verschmutzung durch Waren auszuschließen, die auf den Paletten schon transportiert worden sind.

 

 

Kabeltrommeln und Weinkisten

Fast so beliebt wie Euro-Paletten: hölzerne Kabeltrommeln, wie man sie vom Straßenbau kennt. Einfach eine Platte drauf, schon ist der runde Tisch für Wohnzimmer oder Balkon fertig. Nicht ganz so wuchtig, aber umso vielseitiger verwendbar: Weinkisten. Als Regalelemente in Wohnzimmer, Bad oder Küche sind sie ebenso praktisch wie als Nachtkonsole im Schlafzimmer – wahlweise mit oder ohne angeschraubten Füßen oder Rollen. Als Hocker, Tisch oder dekoratives Bücherregal taugen Weinkisten ebenso wie als Setzkasten – oder schlicht als Ablage fürs Kinderspielzeug. Die einzelnen Lamellen können dann noch ganz individuell lackiert werden. In leuchtendem Rot für die Kids. In blau und weiß, dann wird’s ein maritimes Möbel. Oder in hellem Grau, das wirkt edel und passt zugleich zum hölzernen Minimalismus.

Nicht von Pappe

Wer es ursprünglich mag: Wie wär’s mit einem Ast als Garderobe? Der muss lediglich kräftig genug sein. Und vielleicht ein wenig geschwungen. Zwei Haken auf der einen Seite zum Aufhängen befestigen, auf der anderen Seite reichen vielleicht schon die Enden der natürlichen Verästelungen zum Aufhängen von Jacken und Mänteln.

Der neueste Schrei: Kartonmöbel. Die sind günstig, leicht und damit bequem zu transportieren. Und in Sachen Stabilität dennoch nicht von Pappe: Je nach Verarbeitung und Struktur können Pappmöbel bis zu 1.000 Kilogramm Gewicht tragen. Das Material eignet sich also nicht nur zum Bau von Hockern, längst gibt es Bausätze für Pappbetten oder Karton-Kleiderschränke, die sich ganz nach Geschmack anstreichen oder tapezieren lassen. Ganz nebenbei sind Pappmöbel auch noch aus Umweltgesichtspunkten sinnvoll, denn sie bestehen zu 60 bis 80 Prozent aus Recycling-Papier.


Text: Katrin Starke

Von peter.polzer,
28.06.2017

Nützliche Links

Die Möbelkollektion von Van Bo Le-Mentzel inklusive der Bauanleitungen findet man hier:
www.hartzivmoebel.de
www.hartzivmoebel.blogspot.de

Weitere Ideen für Selbstbau-Möbel vom Lampenschirm aus Kleiderbügeln bis zur Garderobe aus Naturholz lassen sich hier entdecken:
www.heimwerker.de
www.freshideen.com

Pappmöbel können in Berlin bestellt werden bei:
Stange Design GmbH, Ringbahnstraße 16-20, 12099 Berlin
www.stange-design.de
www.pappmoebelshop.de