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Nachbarn im gemeinsamen Rhythmus

Der Mieterbeirat Crusemarkstraße organisierte das 3. Mehlbeerenfest in Pankow. „Hallo Nachbar“ feierte mit.

In den Vorgärten blühen die Pflanzen um die Wette. Büsche von Sonnenaugen in leuchtendem Gelb, Montbretien in kräftigem Orange. Noch liegt frühnachmittägliche Ruhe über der Crusemarkstraße. Dann, Punkt 14 Uhr, die ersten Trommelschläge. Bum Bum, Bum-Bum-Bum. Claudia Giulini gibt den Takt an, mit flinken Händen trommelt ihre Gruppe auf die Fellbespannung ihrer Instrumente.

Der Wind trägt die Rhythmen von der improvisierten Bühne in Höhe der Hausnummer 20 bis an die äußersten Enden der Straße. Bum Bum, Bum-Bum-Bum. Schon schlendern die ersten Familien zum Mittelknick der Straße. Denn die Anwohner wissen Bescheid: Das ist der Startschuss fürs Mehlbeerenfest, das der Mieterbeirat um Hauptorganisator Heinz Dorbholz in diesem Jahr zum dritten Mal auf die Beine gestellt hat.

 

Rebekka Gerrero beim Kinderschminken vorm Kiezladen in der Crusemarkstraße: Pauline (3) hatte sich die Häschen-Optik ausdrücklich gewünscht. Im Hintergrund Mutter Linda Nagel mit Baby Lucie.

 

Schon eine Stunde zuvor hat Rebekka Gerrero ihren Tuschkasten auf einem der Tische vor dem Kiezladen an der Ecke Crusemarkstraße und Wolfshagener Straße aufgestellt, die feinen Pinsel daneben platziert. Die GESOBAU-Mieterin muss nicht lange warten, bis die kleine Pauline sie anspricht: „Kannst du mir einen Hasengesicht machen?“, will die Dreijährige wissen. Und ob. Kinder zu schminken ist das große Hobby von Rebekka Gerrero. Die Nase in Kaninchenrosa, die Wangen in Häschenbraun. Pauline strahlt. „Na komm, dann gehen wir mal beim Fest vorbeischauen“, sagt Vater Felix Nagel. Er nimmt Pauline bei der Hand, während seine Frau Linda die drei Monate alte Lucie in einem Tuch vor der Brust trägt.

Mit zufriedenem Lächeln registriert Trommellehrerin Giulini, vielen Pankowern durch ihre Trommelkurse im Stadtteilzentrum an der Schönholzer Straße ein Begriff, dass sich die Sitzbänke mittlerweile gut gefüllt haben. GESOBAU-Sonnenschirme spenden den Musikern Schatten, während die Gäste bei einem Stück Kuchen oder einem Teller Salat die Unterhaltung genießen. Alles selbst gebacken und zubereitet von Mietern.

Das Miteinander hat hier lange Tradition
Dr. Andreas Förster, Erster Sprecher des Mieterbeirats, freut sich, dass wieder alle so gut mitgezogen haben. Doch kaum hat er sich für einen Plausch mit den Nachbarn hingesetzt, springt er schon wieder auf. „Wo ist denn das Kabel für den Verstärker?“, will einer der Helfer wissen. Gleich soll doch die Gruppe „BetweenTheShadows“ von der Musikschule Béla Bartók auftreten. Deren Percussionist und Band-Manager Ulrich Rothe hat das Fest zusätzlich zum musikalischen Einsatz großzügig mit seiner Tontechnik unterstützt.

Die kleine Ansprache zur Eröffnung des Mehlbeerenfestes übernimmt in diesem Jahr Jirka Grahl, Zweiter Sprecher des derzeit vierköpfigen Mieterbeirates. Der erinnert daran, dass es schon 60 Jahre bevor 2013 der erste Mieterbeirat der GESOBAU gewählt wurde, ein ähnliches Gremium in der Crusemarkstraße gab: „Eine Frau Anders aus der Hausnummer 23 war damals Vorsitzende des Straßenkomitees“, weiß Grahl. Das hat er in einem Zeitungsarchiv ermittelt. Ebenso, dass die Bewohner seinerzeit 200 Unterschriften sammelten, um damit bei der SED-Kreisleitung ihren Wunsch nach Einrichtung eines Milchladens zu unterstreichen.

 

Der GESOBAU-Mieterbeirat organisierte das Fest zum dritten Mal. Alteingesessene und Neu-Pankower kommen dabei ins Gespräch.

 

„Eines Tages eröffnete der Konsum hier dann wirklich einen Laden“, erzählt Grahl. „Aber keine Milchverkaufsstelle, sondern ein Geschäft für Kleintextilien.“ Das habe sich dort befunden, wo heute der Kosmetiksalon von Lucia Kohn sei. Kohn zählt ebenso wie die GESOBAU, die Kopiergalerie Pankow, die Schönholz Brasserie und das Stadtteilzentrum zu den Unterstützern des Mehlbeerenfestes. „Und nicht zu vergessen der Kiezladen unten an der Ecke.“ Dessen Betreiberin Hanne Röper habe sich stark für das Fest engagiert, in dem sie Spenden von ihren Lieferanten aufgetrieben hat. Und somit dafür gesorgt, dass bei der Verlosung und beim Drehen am Glücksrad auch etwas herausspringt.

Seine Premiere feierte das Mehlbeerenfest im September 2015 – wenige Monate, nachdem der Mieterbeirat die Pflanzung von zehn Schwedischen Mehlbeeren in der Straße initiiert hatte. Das Ziel: dass sich die rund 500 Anwohner der Straße untereinander besser kennenlernen. Denn nicht alle wohnen schon so lange hier wie Andreas Förster, der 1988 in die Crusemarkstraße zog. So wie es aussieht, geht die Rechnung des Beirates auf: Denn noch Stunden nachdem die letzten Songs der Musikschul-Band verklungen sind, sitzen Mieter und Musiker auf den Bänken am Mittelknick plaudernd beieinander.


Text und Foto: Katrin Starke

Von peter.polzer,
15.08.2017