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Kaffee mit Mieze

Streicheleinheiten für die Seele: Im Charlottenburger Katzenmusikcafé wird geschnurrt und gesungen.

Kenzo, Ali, Caroline, Gretta, Jewels und Jacky-Smokey geben hier den Ton an. Das steht auch so in der Hausordnung. Gut sichtbar hat sie Caroline Braune in ihrem Charlottenburger Café »Zur Mieze« an der in knalligem Lila gestrichenen Wand angebracht: Die schnurrenden »Haustiger« bestimmen selbst, wer sie streicheln darf, wann sie sich zurückziehen wollen und wem sie auf ihrem Lieblingssessel huldvoll Platz einräumen. Keine Chance hat, wer sich nicht dran hält. Da ist die 33-Jährige kompromisslos. Nicht nur der Auflagen des Veterinärsamts wegen. Das Wohl ihrer »Fellnasen« steht für die gebürtige Zossenerin an erster Stelle.

Von Kindesbeinen an liebt sie Katzen, kennt ihre Bedürfnisse. Und die unterscheiden sich nicht von den Wünschen ihrer aktuellen Samtpfötchentruppe – auch wenn diese nicht aus Brandenburg, sondern aus der Ukraine stammt. Ausgesetzt, vom Düsseldorfer Tierschutzverein »Hand in Hand for Cats« von der Straße gefischt. Heute sind Kenzo und Co. die Stars des Katzenmusikcafés. Mit dessen Eröffnung im November 2015 hat sich die promovierte Biologin einen Traum erfüllt. »Ich habe zwei Leidenschaften kombiniert – meine Liebe zur Musik und die zu Katzen.«

Aus der Wissenschaft in die Gastronomie

Von vielen sei sie anfangs kritisch beäugt worden, weil sie »eine Studierte mit Doktortitel« ist, aber keine gastronomischen Kenntnisse hatte. Braune ließ sich nicht beirren. Nach »viel Frust im Hamburger Wissenschaftsbetrieb« habe sie endlich etwas machen wollen, was sie wirklich ausfülle. Das fand sie, als sie über ein Katzencafé in Köln las, sich über den Trend aus Asien schlau machte. Bingo, das war’s. »Ich habe Existenzgründerkurse, einen Sachkundelehrgang für Katzen in der Gastronomie belegt, einen Businessplan geschrieben.«

Heute können es sich Gäste bei Kaffee und hausgemachten Torten, zur Mittagszeit auch bei einem Teller Suppe und Snacks gemütlich machen – und darauf hoffen, dass eine Mieze aus dem Katzenrudel zum Schmusen vorbeikommt. Leute aus dem Kiez kommen ebenso wie diejenigen, die aus den Medien vom Café gehört haben. »Darunter viele, die selbst einmal eine Katze hatten, aber aus verschiedenen Gründen keine mehr halten können.«

Sonntagskonzerte gefragt

Vor allem aber schätzen Musikliebhaber das Café, reservieren frühzeitig einen der 24 Plätze, um sonntags ab 16 Uhr Musikstudenten und Kleinkünstlern zu lauschen. Jazz, Blues, Pop, Soul, Boogie, Klassik. Braune schränkt die Musizierenden nicht ein, allein ohne Verstärker müssen sie spielen. Damit die Katzen nicht in Stress geraten.

Anfangs hat Braune ab und an selbst in die Tasten des Bechstein-Flügels von 1928 gegriffen, den ihr die Großmutter schon zu Lebzeiten vermachte. Was seit einigen Monaten nicht mehr nötig ist: »Viele Hobbymusiker suchen händeringend nach Auftrittsmöglichkeiten.« Die Nachfrage ist enorm. »Ich zahle ihnen zwar keine Gage, biete aber die Bühne frei Haus«, sagt Braune. Und die Spendendose, die während der Konzerte unter den Zuhörern herumgeht, ist schnell gut gefüllt.


Text & Foto: Katrin Starke

Von peter.polzer,
28.06.2017

»Zur Mieze«, Wilmersdorfer Straße 158, Di.–So. 12–19 Uhr,
Tel. 030/20 95 07 20, www.zur-mieze.de