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Integration im Hausflur

Farouk Algharar absolviert im Hausmeisterbüro im Märkischen Viertel ein dreimonatiges Orientierungspraktikum. Davon profitiert nicht nur der geflüchtete Syrer, sondern auch sein deutscher Mentor und die Bewohner.

Moin, Moin«, grüßt Farouk Algharar, als er das Hausmeisterbüro am Wilhelmsruher Damm 173 betritt. Der 42-Jährige, der aus seiner Heimat Syrien flüchten musste, ist seit einem Jahr in Deutschland. Zurzeit absolviert er bei der GESOBAU ein dreimonatiges Orientierungspraktikum. Weil sein Mentor, Hausmeister Ron Henning (35), gebürtiger Vorpommer ist, klappt der dort und jetzt eben auch im Märkischen Viertel übliche Morgengruß bereits aus dem Effeff. »Und alles andere üben wir«, sagt Henning. Farouk Algharar, der bei allen anstehenden Hausmeisterarbeiten dabei ist und kräftig zupackt, nutzt jede Gelegenheit, seine Sprachkenntnisse zu verbessern. »Wenn wir zum Beispiel beim Fegen und Wischen in unseren Hauseingängen Mietern begegnen, dann gibt’s ja durchaus mal den einen oder anderen Plausch. Und Farouk macht mit. Bei Oma Müller genauso wie bei Mustafa.« Selbst wenn ein Landsmann darunter ist, versucht der Syrer, Deutsch zu sprechen. »Ich will unbedingt alles lernen«, kommentiert er und guckt seinen Mentor fragend an, ob er sich denn richtig ausgedrückt habe.

 

Nach seinem Schicksal befragt, wird der freundliche Mann aus der Stadt Kobani, wo der IS wütete, nachdenklich. Von Flucht, für die er viel Geld bezahlen musste, und vom Tod von Angehörigen ist da die Rede. Seine Frau und die drei Kinder habe er seit zwei Jahren nicht gesehen. Dennoch ist er gern in Berlin und gibt hier alles, um neu durchzustarten. Hausmeister Henning unterstützt ihn dabei, wann immer sich die Gelegenheit bietet. »Wenn es unsere morgendliche Mietersprechstunde zulässt, nutzen wir die Zeit, um über Farouks Hausaufgaben zu schauen. In der Flüchtlingsunterkunft ist es schließlich schwierig, jemanden zu finden, der ihm die Küchenutensilien und den Unterschied zwischen Kuchen und Torte erklärt. So, wie es der Lehrplan seines Deutschkurses heute vorsieht.« Im Moment muss die Theorie allerdings noch warten. Eine Mieterin aus der Hausnummer 175 hat sich mit einer defekten Küchensteckdose gemeldet. Herd und Waschmaschine werden gebraucht, deswegen brechen die beiden Männer sogleich auf, um sich das Problem vor Ort anzuschauen. Weil sie die Ursache nicht finden können, löst Henning über sein Smartphone gleich vor Ort einen entsprechenden Auftrag aus. Farouk Algharar beobachtet genau, saugt jede Kleinigkeit in sich auf, um zu lernen. Immer wieder sagt er »Danke GESOBAU«. Dafür, dass er mit diesem Praktikum die Möglichkeit bekommt, den deutschen Arbeitsmarkt kennenzulernen.

GEBEN UND NEHMEN

Die gemeinsame Arbeit der beiden Männer ist ein Geben und Nehmen. »Farouk unterstützt uns bei unseren vielfältigen Aufgaben in und um unsere Häuser und auch ich lerne viel Neues von ihm. Dinge, die für mich bisher ziemlich weit weg waren.« Ein Beispiel ist der Speiseplan beim gemeinsamen Mittagessen im Haumeisterstützpunkt. »Farouk probiert deutsche Hausmannskost und ich Fladenbrot mit Zaziki. Manchmal holen wir uns etwas vom Chinesen.« Am allerliebsten mag der Syrer allerdings gekochte Eier und die werden in der kleinen Küche des Stützpunktes selbst zubereitet. »Schon wieder alle«, sagt er und zeigt lachend auf die große Eierschachtel.

Nach getaner Hausmeisterarbeit genießen die Männer ihre Freizeit. Und das ganz unterschiedlich. Henning verbringt seine Zeit gern zu Hause mit seiner Freundin. Farouk radelt mit dem Fahrrad – einem selbst zusammengebautem Hausmeistergeschenk – zunächst zum Deutschkurs. Am Abend gönnt er sich eine Schischa und büffelt weiter. Sein Traum: Schon bald einen dauerhaften Job zu bekommen, bei dem er – wie jetzt im Praktikum bei der GESOBAU – richtig zupacken und damit in Deutschland Fuß fassen kann.


Text: Kathleen Köhler

Fotos: Lia Darjes

 

Von Gesobau,
23.06.2016