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Andreas Ideker

Im Kiez

Kiezspaziergang: Leben im ­Parkviertel

Andreas Ideker will mitreden im Kiez und ­Anwohner*innen vernetzen. Deshalb hat er vor zwei Jahren eine Nachbarschaftsinitiative gegründet. Mit uns ­spaziert er durch sein Parkviertel

Der Wedding kann grün sein, geradezu gemütlich. Bei den ersten Schneeglöckchen am Schillerdenkmal etwa oder in einer der baumbestandenen Seitenstraßen rund um die Müllerstraße. Wir sind im Parkviertel, jenem Kiez im Wedding, in dem Andreas Ideker (56) seit fast 30 Jahren zu Hause ist. Anfangs wollte der gelernte Speditionskaufmann nur vorübergehend bleiben, inzwischen ist er fest im Kiez verwurzelt. Die Weddinger seien sehr geradeaus, sagt er: „Rau manchmal, aber authentisch. Das gefällt mir.“

Vor drei Jahren hat er die Nachbarschaftsinitiative „Leben im Parkviertel“ gegründet. „Wir verstehen uns als eine Initiative zum Mitmachen“, sagt Ideker, der das Leben im Kiez mitgestalten will. Zur Gruppe gehört ein fester Kern von 15 Mitgliedern. Sie organisieren Müllsammelaktionen im Kiez, laden zu gemeinsamen Spaziergängen und Nordic-Walking-Nachmittagen ein. Regelmäßig kommen sie auch im offenen Treff des Zukunftshauses Wedding zusammen, einem Mehrgenerationenhaus in Trägerschaft des Paul Ger­hardt Stifts. Dort gibt es Kaffee- und Spielenachmittage.

Irma Leisle

Irma Leisle arbeitet im Mehrgenerationenhaus. Sie freut sich immer über Freiwillige, die mitmachen wollen

Foto: Verena Brüning
Alfa Conradt

Alfa Conradt wird auch „die grüne Fee von Wedding“ genannt.

Foto: Verena Brüning

Das Zukunftshaus befindet sich auf dem Gelände des Stifts an der Müllerstraße 56–58. Dort wollen wir unseren Kiezspaziergang beginnen. Ein grauer Tag Ende Januar, es ist nasskalt und nieselt. Andreas Ideker hat Alfa Conradt gebeten, uns zu begleiten. Sie engagiert sich ebenfalls im Kiez. Auch Irma Leisle stellt er uns vor. Sie ist Leiterin des Mehrgenerationenhauses, das Anwohner*innen jeden Alters anspricht. Es gibt dort Sport- und Computerkurse, Hausaufgabenhilfe für Schüler*innen, Gruppen für junge Eltern. „Unsere Kurse sind immer ausgebucht“, sagt Leisle.

Wir verlassen das Stiftsgelände, laufen ein Stück die Müllerstraße entlang, biegen dann in die Türkenstraße ein. Alfa Conradt hat hier auf mehreren Baumscheiben kleine Gärten angelegt, zusammen mit den Anwohner*innen. „Das Projekt sorgt nicht nur für ein schöneres Wohnumfeld, es führt auch die Leute zusammen“, sagt sie. Mit den vielen Bestimmungen des Grünflächenamtes kennt sie sich inzwischen gut aus. Sie weiß, was gepflanzt werden darf, wie man die Minigärten einzäunt und wie sie gepflegt werden müssen.

Die Türkenstraße führt uns direkt zum Schillerpark. Der 30 Hektar große Park wurde zwischen 1909 und 1913 angelegt. Das Konzept dafür hat der Magdeburger Gartenarchitekt Friedrich Bauer entwickelt. Der Schillerpark zählt heute zu den drei größten Parkanlagen im Wedding und ist größtenteils in seinem Originalzustand erhalten. 1986 wurde er in die Liste der ausgewiesenen Gartendenkmale aufgenommen. Ideker zeigt uns auch das imposante Schillerdenkmal, das 1941 im Park aufgestellt wurde. Ganz in der Nähe ent­decken wir die Schneeglöckchen.

Wir gehen bis zur Bristolstraße, wo die Siedlung Schillerpark beginnt. Die wurde in den 1920er-Jahren nach Plänen des Architekten Bruno Taut errichtet und gilt als das erste großstädtische Wohnprojekt im Berlin der Weimarer Republik. Seit Juli 2008 zählt sie zusammen mit fünf anderen Siedlungen der Berliner Moderne zum UNESCO-Welterbe. Andreas Ideker ist begeistert von Tauts funktionaler Architektur. „Das ist der Anfang des sozialen Wohnungsbaus“, sagt er.

Zurück im Park treffen wir Udo Vollrath. Er trägt die hellgrüne Weste der Nachbarschaftsinitiative mit dem Aufdruck „Leben im Parkviertel“ und ist gerade dabei, Müll aufzusammeln.  „Ich mache das öfter, wenn ich Mittagspause habe“, sagt er. Unser Spaziergang führt uns schließlich zurück zur Müllerstraße.

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Das Gebäude mit der Hausnummer 74 ist das Centre Français de Berlin, ­Anfang der 1960er-Jahre als deutsch-französisches Kulturzentrum errichtet. Die Mitarbeiter*innen des Zentrums setzen sich seit vielen Jahren dafür ein, jungen Menschen interkulturelle Begegnungen zu ermög­lichen. Auch Weiterbildungen, der Austausch für Fachkräfte und Freiwilligendienste werden hier organisiert.

Zum Haus gehören ein kleines Programmkino und der Nachbarschaftsgarten „Rote Beete“. Lisa aus Frankreich, die gerade ein freiwilliges ökologisches Jahr am Centre Français absolviert, zeigt uns den Garten. Mit seinen Hochbeeten und einer Bar ist er ein beliebter Treffpunkt für die Kiezbewohner*innen. „Bald ist Frühling, dann wird hier wieder richtig viel los sein“, sagt Lisa.

Ziemlich durchgefroren steuern wir zum Schluss den kleinen italienischen Feinkostladen „Mercatino“ an der Müllerstraße 118 an. Auf der Tageskarte stehen typisch italienische Gerichte. Auch Käse, Öl oder Wein kann man hier kaufen. Andreas Ideker erzählt uns von seinem neusten Projekt: Es soll einen regelmäßigen runden Tisch geben, zu dem alle eingeladen werden, die im Parkviertel sozial aktiv sind, Jugendeinrichtungen leiten oder Kleingartenanlagen führen. „Gemeinsam wollen wir uns um die Bedürfnisse der Anwohner kümmern und Verbesserungen auf den Weg bringen“, sagt er.


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