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Im Kiez

Tauschen statt Wegwerfen

In Weißensee steht seit kurzem eine BücherboXX. Das ist eine umgebaute Telefonzelle, in der Bewohner*innen umsonst Bücher tauschen und sich neuen Lesestoff besorgen können

Ob Krimis, Bilderbücher, Gedichtbände, Romane oder Reise­führer: In der BücherboXX finden Leser*innen jeden Alters eine passende Lektüre. Eine dieser umgebauten Telefon­zellen steht nun in der Hansa­straße in Weißensee. Viele Bewohner*innen und etliche Kinder haben an der Eröffnungs­feier teil­genommen. Jetzt darf sich hier jede*r mit Büchern versorgen oder eines seiner eigenen, aus­gelesenen Bücher hinein­stellen.

Konrad Kutt ist der Erfinder des Projekts und Kooperations­partner der GESOBAU. Vor gut zehn Jahren hat er die nach­haltige BücherboXX ins Leben gerufen. Mittler­weile stehen in Berlin rund 20 BücherboXXen. Lese­stoff tauschen statt kaufen – das ist Kutts Vorstellung: „Ich bin dafür, dass Menschen mehr teilen und dafür weniger kaufen und weg­werfen.“ Bereits gelesene Bücher sollen nicht im Regal verstauben, sondern genutzt werden.

Das Projekt steht aber auch noch unter einem anderen Gesichts­punkt für nach­haltige Verwertung von Ressourcen: Ausrangierte Telefon­zellen werden kreativ genutzt und nicht verschrottet. An ihrem Umbau zu BücherboXXen sind Auszubildende aus unter­schiedlichen Bereichen beteiligt: Tischler*innen, Designer*innen, Elektroniker*innen, Fachleute für Farb- und Sprüh­technik sowie Metall, aber auch angehende Kauf­leute. Auf dem Dach der Mini-Bibliothek liefert eine Solar­zelle Strom für die Beleuchtung. „So einfach kann man kosten­losen Strom erzeugen“, sagt Kutt. Die Azubis lernen also nebenbei, wie Solar- und Photo­voltaik­technik funktioniert. 

Doch nicht nur das Engagement der Nachwuchs­kräfte wird gefördert; Kirsten Huthmann vom Sozial- und Quartiers­management der GESOBAU freut sich, dass sich auch Mieter*innen für die BücherboXX engagieren. „So soll es sein: Über die BücherboXX können sich Nachbar*innen vernetzen und neue Kontakte knüpfen. Sie hilft dabei, dass eine lebendige Nachbarschaft entsteht“, sagt sie. Und statt zu Hause die Regale zu verstopfen, bekommen gespendete Bücher hier die Chance auf ein zweites Leben durch neue Leser*innen. 

Dabei helfen Bücherpat*innen. Eine davon ist Katja de la Motte, sie ist selbst leiden­schaftliche Leserin. Derzeit liest sie einen Roman, den sie in der BücherboXX entdeckt hat. In ihrer Freizeit kümmert sie sich darum, dass immer alles ordentlich sortiert ist – vor allem Kinder­bücher sollten immer unten stehen, damit sie für die Kleinen leicht erreich­bar sind. Gelegentlich putzt sie auch die Scheiben der umgebauten Telefon­zelle. 

Katja de la Motte wohnt mit ihrem Mann und zwei Klein­kindern im Quartier und wünscht sich, dass vor allem Kinder mehr Lust auf Bücher bekommen. Ihr bisheriges Fazit fällt positiv aus: „Ich habe den Eindruck, dass die Box gut angenommen wird, denn es stehen immer andere Bücher drin.“

Weitere Informationen zu den BücherboXXen in Berlin gibt es online unter https://buecherboxx.info/


Autorin: Annette Walter; Bilder: Christoph Schieder


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