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Kiezspaziergang mit Vinsley

Im Kiez

Kiezspaziergang: Mit Vinsley entspannt im Wedding

Der Wedding ist laut und bunt. Doch er kann auch anders: Es gibt andächtige Kulturstätten, kleine Läden und entschleunigte Gastronomie. Fotograf und Regisseur Vinsley zeigt uns Rückzugsorte in seinem Kiez

Vinsley ist vor sechs Jahren von Aachen nach Berlin gezogen, zunächst in eine Wohngemeinschaft in Tempelhof. Irgendwann war ihm der Trubel dort aber zu viel. Er begann, nach einer eigenen Wohnung zu suchen. „Ich wollte gern nach Kreuzberg oder Neukölln ziehen“, sagt er. Doch es kam anders. Eine bezahlbare Wohnung fand Vinsley vor zwei Jahren im Wedding. Dort fühlt er sich inzwischen sehr wohl. Beruflich ist er viel unterwegs und genießt es, dass es dort ruhiger ist als in den Szenekiezen.

Wenn er Zeit hat, durchstreift Vinsley seine nähere Umgebung. Wir treffen ihn über den Dächern der Stadt auf dem Flakturm im Humboldthain, trinken einen leckeren Kaffee im „Flying Roasters“ und flanieren zusammen durch das Viertel. Dabei besuchen wir seine Lieblingsbäckerei und einen ausgefallenen Pflanzenladen, der mit handgemachter Töpferware aus China inspiriert. Zum Ende des Spazierganges geht es zu einem besonderen Gebäude, das einst ein Krematorium war und heute Kunst und Kultur beheimatet.

Vinsley ist selbst Künstler. Er hat in Aachen BWL studiert, hat sich danach als Modefotograf einen Namen gemacht und viele Fashion-Videos gedreht. Inzwischen interessiert ihn vor allem die Arbeit als Regisseur. Gerade bereitet er zusammen mit der Neuköllner Produktionsfirma cray cray sein zweites Filmprojekt vor. Sein Thema: Männer und Depression. Er wolle Gespräche über diese Problematik in Gang bringen und Betroffenen helfen, sagt er. Auch die eigene Gefühlswelt spiele eine Rolle. 

Die Dreharbeiten sollen schon bald beginnen. Momentan ist der 31-Jährige dabei, die beiden Hauptdarsteller zu casten und Fördermittel einzuwerben. „Viel Arbeit“, sagt er und freut sich einmal mehr, dass er in seinem Kiez die nötige Ruhe findet, um neue Kraft zu schöpfen.

Station 1: Den Blick schweifen lassen am Flakturm Humboldthain

Im Volkspark Humboldthain treffen wir Vinsley, um gemeinsam mit ihm zur Aussichtsplattform zu spazieren. Er geht diesen Weg oft, wenn er sich von einer stressigen Arbeitswoche erholen oder einfach mal nachdenken will. Der Park um den Flakturm ist zwischen 1869 und 1876 angelegt worden. Die Bauarbeiten begannen im September 1869 mit der Grundsteinlegung für ein Denkmal Alexander von Humboldts, die Gestaltung erfolgte nach Plänen des Lenné-Schülers Gustav Meyer.

Heute ist der Park ein Gartendenkmal und bei vielen Berliner*innen auch außerhalb des Weddings sehr beliebt. 1941/42 wurde im nördlichen Teil des Parks ein Flakturm mit Bunkeranlage errichtet, der am Ende des Krieges zerstört wurde. Auf den Trümmern entstand in den 1960er-Jahren eine Aussichtsplattform. Bis zur Treppe, die dort hinaufführt, laufen wir etwa zehn Minuten. Oben angekommen, schauen wir über den Norden Berlins bis weit nach Brandenburg.

Volkspark Humboldthain
Hochstraße 5, 13357 Berlin
durchgehend geöffnet 

Station 2: Auf einen Kaffee im Flying Roasters

Ein hoher Raum mit Stuck an der Decke, eingerichtet wie ein gemütliches Wohnzimmer — im Laden von Olli Klitsch möchte man Kaffee nicht nur kaufen, sondern auch genießen. Gelernt hat Olli Klitsch das Handwerk einst in einer Hamburger Rösterei, danach arbeitete er in einem Berliner Café und wagte schließlich den Sprung in die Selbstständigkeit. 2015 fand er auf dem dritten Hinterhof an der Hochstraße die passenden Räume für sein Gewerbe. Seitdem wird dort Kaffee geröstet, und zwar 50 Tonnen im Jahr. „Unsere Kaffeebohnen importieren wir aus Guatemala, Äthiopien, Peru und Honduras“, sagt er und bereitet Vinsleys Kaffee zu. 

Flying Roasters
Hochstraße 34, 13357 Berlin
geöffnet Mo bis Fr 12–18 Uhr, Sa 12–16 Uhr
Tel. 030 41 95 39 70

www.flyingroasters.de

Station 3: Ein Snack und ein Lächeln in der Schön Bäckerei

Sein Frühstück holt sich Vinsley in einem gemütlichen Laden, der zugleich Bäckerei und Spätverkaufsstelle ist. Hier gibt es neben belegten Brötchen, Croissants und Käsestangen auch Getränke, Zeitungen und Süßigkeiten. Vormittags steht meist Eda Can hinter der Ladentheke. Die junge Frau studiert an der Beuth Hochschule und hilft ihrer Mutter an vier Tagen in der Woche im Geschäft. „Sie ist immer gut gelaunt, ganz untypisch für Berlin“, lacht Vinsley. Eda Can reicht ihm lächelnd seinen Lieblingssnack: ein Brötchen mit Sucuk, einer Knoblauchwurst.

Schön Bäckerei
Schönwalder Straße 30, 13347 Berlin
geöffnet Mo bis So 6–24 Uhr

Station 4: Pflanzenglück bei Pilea 

Wer den kleinen Shop in der Ravenéstraße 4 betritt, fühlt sich direkt wie im Dschungel. Hinter dem grün bedeckten Ladentisch begrüßt uns Jue. Gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Dingding hat sie den Shop 2019 eröffnet. Neben Grünpflanzen sind Töpfe aus kleinen Keramikwerkstätten in Europa und China, handgefertigte chinesische Teesets und Räucherstäbchen mit Halterung im Angebot. „Blumen haben wir auch, aber nur zu Weihnachten“, sagt Jue. 

Zu Besuch kommen vor allem junge Leute, die auf der Suche nach einer Drachenpflanze oder einem Dschungelkaktus sind. Vinsley liebäugelt mit einem Ficus. „Mir fehlt allerdings der grüne Daumen“, sagt er. Aber Jues Begeisterung habe ihm Mut gemacht, sich auch ein Stück von der grünen Oase nach Hause zu holen.

Pilea Living with Plants
Ravenéstraße 4, 13347 Berlin 
geöffnet Di bis Sa 12.30–19 Uhr
Tel. 030 54825823

www.instagram.com/pilea.living

Station 5: Kultur und Geschichte entdecken im silent green

Die letzte Station unserer Reise führt uns zu einem ehemaligen Krematorium, das heute ein angesagtes Kulturquartier ist. In der alten Trauerhalle finden regelmäßig Konzerte, Filmvorführungen und Lesungen statt. Vinsley ist begeistert. „Genau hier kann ich mir die Premiere meines Films vorstellen“, sagt er. In der Halle haben 250 Gäste Platz. Die Atmosphäre fühlt sich besonders, intim und fast wie aus der Zeit gefallen an. Das Gebäude ist das älteste seiner Art in Berlin. 

Nach seiner Schließung durch das Land Berlin wurde das Krematorium zum Verkauf ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt das Konzept des privat getragenen silent green Kulturquartiers. Umbau und Sanierung begannen 2013. Schon ein Jahr später ging der Kulturbetrieb los. Auch viele Agenturen und Büros aus der Kulturbranche haben hier inzwischen ein Zuhause gefunden. Das Restaurant „Mars“, das sich gleich neben der alten Trauerhalle befindet, lockt mit frischen saisonalen Gerichten in einmaligem Ambiente.

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silent green
Gerichtstraße 35, 13347 Berlin
Restaurant Mars: Mo bis Fr 12–21.30 Uhr, Sa bis So 10–18 Uhr

www.silent-green.net


Text: Regina Köhler
Bilder: Verena Brüning


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