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Im Kiez

Wo die Königin ihren Sommer verbrachte

Alt-Pankow ist ein bunter Kiez, in dem schon Adlige wie die preußische Königin Elisabeth Christine gerne wohnten. Wir haben Anwohner*innen telefonisch gefragt, wo es sich lohnt, bei einem Spaziergang Halt zu machen

Los geht es am S-Bahnhof Pankow. Gleich um die Ecke, in der Berliner Straße 119, befindet sich das „Milch­manns Kaffee­haus“. Tobias Stammberger ist regel­mäßig hier zu Gast. Er ist Journalist und wohnt mit seiner Familie seit 2016 in Pankow:

„Das ‚Milchmanns‘ hat den besten Kaffee weit und breit und ein sehr gutes Früh­stücks­angebot. Am besten schmecken mir die selbst gemachten Pasten und Marmeladen. Was angenehm ist: Hier hat man nicht das Gefühl, der*m Tisch­nachbar*in fast schon auf dem Schoß zu sitzen. Auch die Einrichtung ist besonders schön: Der größte Teil des Raumes ist mit groß­gemusterten Fliesen ausgelegt, im hinteren Teil gibt es einen gemütlichen Bereich mit Parkettboden. Ein großer Kron­leuchter sorgt für festliche Stimmung.“

Vom „Milchmanns“ geht es weiter die Berliner Straße entlang bis in die Breite Straße. Von dort biegt man in die Ossietzky­straße ab. Bei der Haus­nummer 10 befindet sich der nächste Stopp: das „Buch­lokal“. Friederike Zöllner ist gelernte Buch­binderin und hat ihren Laden 2011 eröffnet:

„Ich habe mich auf Romane und Kinder­bücher spezialisiert und lege dabei Wert auf schön gestaltete Ausgaben. Gegen­wärtig kaufen die Leute vor allem Neuer­scheinungen, wie etwa die Romane von Lutz Seiler oder Christian Baron, aber auch Klassiker, die sie schon lange einmal lesen wollten. Beliebt sind auch unsere Lesungen. Wegen der großen Nach­frage finden seit einem Jahr viele in einem Saal des Schlosses Schönhausen statt. Die wegen der Corona-Krise aus­gefallenen Veranstaltungen können wir hoffentlich im Herbst nachholen.“ 

Wenn man die Ossietzky­straße weiterläuft, gelangt man zum Schloss­park, in dem sich rechter Hand eine Klein­garten­anlage befindet. Auch einen Spiel­platz gibt es hier. Er ist besonders an heißen Sommer­tagen sehr beliebt, weil er viel Schatten bietet. Die Schülerin Felicitas Thiers wohnt in der Gegend und durch­quert den Park häufig mit dem Fahrrad:

„Am ‚Café Sommerlust‘ halte ich immer gerne. Das befindet sich in einer kleinen Hütte auf Rädern, die in der Nähe des Schloss­gartens steht. Bis in den Spät­herbst ist sie da. Dann kommt sie kurz ins Winter­quartier, und bei den ersten Sonnen­strahlen ist sie wieder bereit für die Aus­flügler*innen, die rings­herum an den kleinen Tischen sitzen und ihren Kaffee schlürfen. Es gibt auch leckeren selbst gebackenen Kuchen und haus­gemachte Limonaden. Viele Produkte kommen aus der Region. Zurück zum Park: Abseits der Pfade kann man sogar ein paar Bienen­stöcke entdecken.“ 

Direkt am Park liegt das Schloss Schön­hausen – einst Sommer­residenz der preußischen Königin Elisabeth Christine. Der heutige „Schloss­herr“, auch Kastellan genannt, ist Björn Ahlhelm:

„Ab 1949 residierte hier der erste und einzige Präsident der ehemaligen DDR, Wilhelm Pieck. Bis zur Wende 1989 war das Gebäude das Gäste­haus der DDR-Regierung. Inzwischen gehören Schloss und Schloss­park zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Seit zehn Jahren zeigen wir hier eine Dauer­aus­stellung zur Geschichte des Gebäudes: von der Grund­stein­legung im Jahr 1690 bis heute. Besucher* innen erfahren zum Beispiel etwas über Elisabeth Christine, die Frau Friedrichs II., die das Schloss 1740 geschenkt bekam. Bis zu ihrem Tod 1797 verbrachte sie die Sommer­monate hier.“

Vom Park aus geht es über die Tschaikowski­straße und den Güllweg in die Hermann-Hesse-Straße. In einem Jugend­stil­bau – Hausnummer 11 – befindet sich das Kino „Blauer Stern“. Emil Anders, der Mitbetreiber eines Markt­standes, erzählt uns:

„Der ‚Blaue Stern‘ ist ein echtes Kiezkino mit tollen Film­angeboten für Kinder und Erwachsene. Auch ein nettes kleines Lokal gehört dazu. Etwas Besonderes sind die vielen alten Film­plakate, die überall an den Wänden hängen. Das Kino gibt es schon seit den 1930er Jahren, seit 1946 heißt es ‚Blauer Stern‘. 1996 renovierte ein engagierter neuer Betreiber, Uwe Feld, den verfallenen Film­saal. Vor zwei Jahren hat er sein Licht­spiel­haus dann an die Yorck Kino­gruppe übergeben. Die haben zum Glück kaum etwas verändert.“

Unterstützen Sie Ihr Kino

Der Kulturbetrieb ist in den letzten Wochen zum Erliegen gekommen. Das betrifft auch Kinos, egal ob kleine Einzel­betriebe oder große Ketten. Wer den Einrichtungen helfen möchte, kann etwa Gutscheine oder Abos erwerben. Besitzer*innen von Jahres­karten der Yorck Kino­gruppe nutzen 90 Tage lang den Streaming­dienst MUBI umsonst. Wer Filme über www.kino-on-demand.com schaut, erhält bei jedem fünften Abruf einen Kino­gutschein. Andere Kinos haben Spenden­kontos eingerichtet, auf ihrer Website oder etwa auf nebenan.de oder hilfdeinemkino.de.


Text: Regina Köhler; Illustration: Elena Resko


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