Im Kiez

Frühjahrsputz

MÄRKISCHES VIERTEL

Ein Sonntagmorgen im April: Es ist kalt, nass und ungemütlich. Kerstin Spaeter (4. v. rechts) ist mit ihrer Funktionsjacke gegen den Regen gerüstet und verteilt Müllsäcke, Handschuhe und hölzerne Müllzangen, die sie von der BSR, der Berliner Stadtreinigung, bekommen hat. „Ich hatte schon befürchtet, dass meine Nachbarin und ich alleine dastehen“, sagt sie und lacht. Doch tatsächlich sind 14 Anwohner*innen des Märkischen Viertels ihrem Aufruf über die Nachbarschaftsplattform nebenan.de gefolgt: „Lasst uns einen Frühjahrsputz machen!“

„Die Leute werfen überall ihren Müll hin“, sagt die 50-Jährige ärgerlich und stopft den Abfall in einen großen Sack. „Dabei ist es so schön hier, wir haben doch so viel Grün direkt vor der Haustür.“ Sie liebt die Natur und verbringt ihre Zeit gern draußen. Es ist bereits das zweite Jahr in Folge, in dem sie Nachbar*innen motiviert hat, ein Stück des Berliner Mauerweges wieder ansehnlich zu machen. Spaeter, die als Empfangssekretärin in einer Kanzlei arbeitet, streift schon seit vier Jahren durch das Gelände und sammelt Weggeworfenes ein. Der schmale Streifen zwischen Wilhelmsruher Damm und Nordgraben wird zwar einmal im Jahr vom Bezirk gereinigt, aber das reicht ihr bei Weitem nicht. Nach wenigen Tagen liegen wieder Plastiktüten, Flaschen und vieles andere mehr im Gebüsch. „Ich wohne hier. Das ist mein Kiez, ich möchte mich hier wohlfühlen“, sagt sie. „Wir wollen, dass es nicht immer wieder dreckig wird. Deshalb möchten wir möglichst viele Leute animieren, mitzumachen.“ Als sie das erzählt, kommt ein Mädchen über die Wiese gestapft und zeigt ihrer Mutter stolz ihre Beute: zehn Bierflaschen. 

Nach zwei Stunden schleppen Spaeter und die anderen Helfer*innen 25 blaue Müllsäcke an die Straße. Dort holt die BSR sie dann ab.

Von Maria Caroline Wölfle