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Frau mit Helm

Im Kiez

Geteilte Meilen

Sharing-Angebote wie Elektroroller gab es bislang vor ­allem in der Innenstadt. Jetzt erobern sie neue Bezirke – auch mit der Unterstützung der GESOBAU

 

Für mich ist es eine Premiere, auch wenn die roten Roller, grünen ­E-Scooter und Mietfahrräder mit den praktischen Frontkörben schon lange zum Berliner Straßenbild gehören. Bisher schreckte ich davor zurück, mich mit einem solchen Gefährt auf die Straße zu ­wagen. Doch Schienenersatzverkehr bei der S-Bahn und ein dringender Termin fegen meine Bedenken zur Seite und lassen mich das erste Mal einen Elektroroller mieten.

Er steht praktischerweise auf einem Parkplatz direkt am Bahnhof Lichtenberg, zusammen mit Mietautos und E-Scootern verschiedener Anbieter an einer Jelbi-Station. Jelbi ist ein Projekt der BVG, das Mobilitätslösungen in Berlin in einer App zusammenfasst. Mit dem Handy kann ich BVG-Tickets lösen, ein Taxi bestellen oder auch Fahrräder, Autos, E-Scooter und Roller ausleihen.

Ich registriere mich in Minutenschnelle mit Personalausweis, ­Führerschein und Kreditkarte. Den Roller entsichere ich mit einem Klick auf dem Handy. Schon lässt sich der Heckkoffer öffnen, in dem sich Zündschlüssel, zwei Helme und zum Glück auch ein Paar Handschuhe gegen die kalte Winterluft befinden. Die Fahrt kann beginnen.

Leihfahrzeuge als ­Alternative zum Auto

Die „letzte Meile“ von der Bus- oder Bahnstation nach Hause oder auch den kompletten Weg mit einem Mietfahrzeug zurückzulegen, war lange nur innerhalb des S-Bahnrings möglich, also dort, wo die BVG eh in engem Takt fährt und die meisten Orte schnell erreichbar sind. Jetzt expandieren die Anbieter unter dem Schirm von Jelbi nach und nach in andere Gebiete, auch dank der ­Unterstützung der GESOBAU.

„Wir möchten Alternativen anbieten zum eigenen Pkw und auf diese Weise dazu beitragen, CO2-Emis­si­onen zu reduzieren“, sagt Kilian Haberkorn, Mobilitätsbeauftragter der GESOBAU. „Daher stellen wir Flächen für die Mobilitätshubs von Jelbi zur Verfügung.“

Der Bauingenieur beobachtet seit einigen Jahren bei vielen Städter*innen ein Umdenken. „Die Menschen möchten sich nicht mehr abhängig machen vom eigenen Auto und sind gerne bereit, es ganz abzuschaffen, wenn es andere Möglichkeiten der Fortbewegung gibt. Dabei sparen sie Geld und vermeiden Stress, zum Beispiel bei der Parkplatzsuche“, sagt er. Er ist überzeugt: Perspektivisch wird das eigene Auto an ­Bedeutung verlieren. Einerseits ist Berlin schon jetzt im Vergleich zu anderen Städten Vorreiter: Laut Statistischem Bundesamt gibt es in der deutschen Hauptstadt deutlich weniger Autos pro Einwohner*in als etwa in München oder Hamburg. Andererseits steigt aber auch in Berlin die Tendenz zum eigenen Vierrad: Die Pkw-Zulassungen ­erreichten 2021 laut dem Kraftfahrt-Bundesamt in Berlin Spitzenwerte, wohl auch, weil viele Bürger*innen wegen der Pandemie die BVG mieden.

Während am Stadtrand der Trend zum Zweit-, ja gar zum Drittauto geht, kommt in den Innenstadtbezirken die Mehrheit der Haushalte ohne eigenes Auto zurecht. Zugleich werden die zurückgelegten Strecken kürzer – denn Autofahrer*innen sehen Fahrrad, Bus und Bahn durchaus als sinnvolle Ergänzung an.  

Carsharing als Alternative zum eigenen Auto ist dabei nicht unumstritten. Kritiker*innen meinen, dass die Mietautos zusätzlich Parkplätze belegen und – ähnlich wie private Pkw – meist ungenutzt herumstehen. Berechnungen von Jelbi zeigen jedoch, dass ­Berlin mit einem Viertel der Autos auskommen würde, wenn alle ­­Bürger*innen Wagen teilen würden. Eine Parkplatzfläche so groß wie der Treptower Park würde frei werden und könnte anderweitig genutzt ­werden.

In einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung gaben 24 Prozent der Nutzer*innen von ortsungebundenem Carsharing an, dass sie sich ein eigenes Auto zulegen würden, gäbe es diesen Service in Berlin nicht. Sie kombinieren in der Regel kurze Strecken per Mietwagen durch die Stadt mit den Angeboten der BVG.

Von den befragten Autobesitzer*innen zog die Hälfte in Betracht, das eigene Auto abzuschaffen und stattdessen komplett auf Carsharing umzusteigen. Da viele Mietautos mit Elektroantrieb fahren, könnte das die Belastung durch Abgase merklich verringern.

Mobil in Hellersdorf

Bei ihren Bauprojekten und auch in den bestehenden Quartieren denkt die GESOBAU das Thema Mobilität immer mit. Wege zwischen den Häusern oder die Anbindung mit Bus und Bahn spielen bei allen Neubauprojekten eine wichtige Rolle. Wie neue Formen der Mobilität konkret aussehen können, zeigt Kilian Haberkorn zusammen mit Jonas Eicher, Kundencenterleiter Investition und Neubau der GESOBAU, beim Ortstermin in Hellersdorf. Hier baut die GESOBAU ein neues ­Quartier mit rund 1500 Wohnungen. Während Baufahrzeuge zwischen den farbig gestrichenen Gebäuden manövrieren und viele Fenster noch mit Plastikplanen ­verhängt sind, ziehen in andere Häuser bereits die ersten Mieter*innen ein.

Die Quartiers­garagen – nicht nur für ­Mieter*innen

Das Neubaugebiet in Hellersdorf ist das erste, in dem die GESOBAU sogenannte Quartiersgaragen baut. Sie helfen dabei, den Autoverkehr aus dem neuen Kiez weitgehend herauszuhalten und zu bündeln. 65 Euro im Monat kostet ein Stellplatz. Der Einlass erfolgt mit automatischer Nummernschilderkennung. Im Parkhaus gibt es keine festen Plätze. Jede*r kann sich dort hinstellen, wo etwas frei ist. Das gilt auch für Kurzzeitparker*innen. „Sofern es die Kapazitäten zulassen, können auch Autofahrer*innen aus der Umgebung einen Parkplatz buchen“, stellt Jonas Eicher in Aussicht. Man kann sich hier für einen Stellplatz registrieren: www.gesobau.de/quartiersgarage

Fast fertig ist auch die Quartiers­garage Nord. Der mit Lochgittern umspannte Bau bietet auf vier ­Etagen Platz für fast 500 Pkw. Es gibt Ladesäulen für Elektroautos. Rollstuhlsymbole kennzeichnen im ­Erdgeschoss Parkplätze für Menschen mit Behinderung. Noch im Bau ­befindet sich ein weiteres ­Parkhaus am südlichen Rand des Neubau­gebiets mit zusätzlichen 200 Stell­plätzen.

Auch wenn die Wohnungsbaugesellschaft laut Berliner Bauordnung nicht verpflichtet ist, Pkw-Park­plätze zur Verfügung zu stellen und ihre Wohnungen wohl auch ohne diesen Extraservice vermieten könnte, möchte sie nicht an dem Bedarf der Menschen vorbeiplanen. „Wir möchten niemanden missionieren“, unterstreicht Jonas Eicher. „Es gibt ­einfach Menschen, die auf das Auto angewiesen sind, weil sie es zum Beispiel beruflich ­brauchen.“

Der interaktive Stadtplan der Jelbi-App zeigt in Hellersdorf noch keine Mietfahrzeuge an. Perspektivisch soll sich das ändern. An der Jelbi­Station am Parkhaus an der Zossener Straße werden dann etwa E‑Scooter sowie Carsharing-Autos und Lastenfahrräder parken. Damit könnten Mieter*innen zum Beispiel den Weg zu den Stationen der U5 oder der S-Bahn zurück­legen, zum Einkaufen fahren oder eine Spritztour zu den Gärten der Welt machen.

Mit dem E-Scooter zum Einkaufen

„Wir haben uns die Wege genau angesehen, die die Menschen innerhalb des Bezirks zurücklegen. Nach und nach sollen an beliebten Einkaufsstraßen Jelbi-Punkte und -Stationen entstehen. Momentan laufen dafür die Genehmigungsverfahren“, sagt Michael Bartnik, Projektleiter bei Jelbi. ­Während an den Jelbi-Punkten nur zweirädrige Fahrzeuge stehen, ist an den Jelbi-Stationen auch Platz für Autos. Mit Biesdorf und Spandau gibt es bereits zwei Bezirke, in denen die Fahrzeuge der Jelbi-Partner zum Einsatz kommen. „Für sie ist es ein Leichtes, auch nach Hellersdorf zu erweitern“, ist Bartnik überzeugt.

Mit den kleinen Flitzern entfällt die Parkplatzsuche. Wer sein Mietfahrzeug an einer Jelbi-Station oder ­einem Jelbi-Punkt parkt, kommt außerdem günstiger weg. „Das soll ein Anreiz sein, die Fahrzeuge nicht wild in der Gegend stehen zu lassen“, unterstreicht Michael Bartnik. Wer einen störend parkenden ­E-Scooter entdeckt, kann ihn über die Jelbi-Website melden. „Wir in­formieren den Anbieter und lassen ihn schnell entfernen“, versichert Bartnik.

Meine etwa 20-minütige Rollerfahrt schlägt mit fünf Euro zu Buche. Sie ist damit teurer als ein BVG-Ticket, aber günstiger als eine Taxifahrt. Und hat sichergestellt, dass ich pünktlich zu meinem Termin gekommen bin. Im Sommer werde ich sicher häufiger mit einem Roller unterwegs sein. Denn neben dem schnellen Transport macht es einfach Spaß, verschiedene Fahrzeuge auszuprobieren.

Die GESOBAU – nachhaltig unterwegs

Die GESOBAU zeigt Verantwortung für die Mobilitätswende: Vor der Unternehmenszentrale am Pankower Stiftsweg stehen den Mitarbeiter*innen drei Elektroautos zur Verfügung, die sie für Außentermine nutzen können. Eine Ladesäule versorgt die Fahrzeuge mit Strom. In diesem Jahr erhielt die GESOBAU vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) die Auszeichnung in Gold als „fahrradfreund­licher Arbeitgeber“. Mit Umkleide­kabinen und Duschen für radelnde Mitarbeiter*innen sowie sicheren Abstellräumen für die Fahrräder und Ladesäulen für E-Bikes macht sie den Umstieg aufs Fahrrad besonders leicht.


Autorin: Judith Jenner; Aufmacherbild: Redakteurin Judith Jenner hat Sharing-Angebote getestet: Sie ist mit einem Roller durch Berlin gedüst – und fand es gar nicht so schlecht; Foto: Verena Brüning


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