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Im Kiez

Berlin, Stadt, die sich engagiert

Berlin ist 2021 „Europäische Freiwilligenhauptstadt“. Kein Wunder, denn jede*r dritte Berliner*in engagiert sich laut Schätzungen des Europäischen Freiwilligenzentrums ehrenamtlich. Die Gründe fürs Engagement sind unterschiedlich: berufliche Perspektiven, das gute Gefühl, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, oder der Wunsch, Menschen kennenzulernen. So vielfältig wie die Berliner*innen sind auch die Möglichkeiten, sich einzubringen. Wir stellen Menschen vor, die sich in spannenden Organisationen engagieren, und geben Tipps für den eigenen Start ins Ehrenamt

Kunst und Medizin,

Eigeninitiative eines Arztes
Kindern wird Gesundheit durch Kreativität näher gebracht

Helmut Hoffmann, Initiator

Kunstwerke von Kindern zieren die Wände des Treppenhauses von Dr. Helmut Hoffmann in Hermsdorf. Die Bilder entstanden in mehr als 60 Workshops mit Kindern, Jugendlichen und ihren Pädagog*innen, die Hoffmann seit 25 Jahren an Schulen und Kitas anbietet. Bei den Projekten geht es ihm darum, Kindern den menschlichen Körper näherzubringen: „Erst beschäftigen wir uns mit einem medizinischen Thema, beispielsweise dem Herz, Allergien oder dem Sehsinn. Dann malen die Kinder dazu Bilder“, erklärt der Kinderarzt und ehemalige stellvertretende Leiter des Jugendgesundheitsdienstes Reinickendorf. Sein Projekt heißt „Prävention auf neuen Wegen – Kunst und Medizin“. Eine Ausstellung in der Schule, aber auch bei Unternehmen wie der Bayer Foundation, Bibliotheken oder Organisationen wie der Berliner Ärztekammer ist der krönende Abschluss jedes Projektes.

Noch während seiner Berufstätigkeit begann Helmut Hoffman, sich ehrenamtlich in den Schulen und Kitas zu engagieren. „Wer gut über den eigenen Körper Bescheid weiß, der sorgt auch besser für ihn“, ist das Credo des Arztes.

Seit seiner Pensionierung 2006 hat Helmut Hoffmann mehr Zeit für seine Projekte. Viel Arbeit passiert hinter den Kulissen, zum Beispiel wenn er Kunstpostkarten und -kalender aus den Werken anfertigt. Doch das Wichtigste ist für Hoffmann der Kontakt zu den Kindern. Er kann es kaum erwarten, bis die Workshops nach dem Lockdown wieder losgehen.

Berichte von Hoffmanns letzter Ausstellung „Prävention auf neuen Wegen – Kunst und Medizin“ findet man auf der Homepage der Ärztekammer Berlin oder der GESOBAU.
www.aerztekammer-berlin.de
www.gesobau.de


Weltacker,

naturzentrierte Initiative
Durch den Weltacker wird Nachhaltigkeit veranschaulicht

Virginia Boye, Bildungsreferentin 

Was wächst auf der Welt? Im Botanischen Volkspark Blankenfelde-Pankow können sich Besucher*innen einen Überblick darüber verschaffen. Denn die Initiative „Weltacker“ baut auf 2000 Quadratmetern alle Ackerkulturen im gleichen Verhältnis an, wie sie weltweit angebaut werden. Darunter sind nicht nur Pflanzen zum Essen, sondern auch für die Her­stellung von Textilien. 

Warum auf 2000 Quadrat­metern? „Das ist die weltweite Ackerfläche geteilt durch die Anzahl der Menschen“, erläutert Bildungs­referentin Virginia Boye. „Es ist ein Gedankenspiel, das dazu anregen soll, über Ressourcenverbrauch nachzudenken.“ Helfende Hände sind herzlich willkommen, sei es für die Gartenarbeit, Erntefeste oder um Interessierten den Weltacker zu zeigen.

Der Weltacker bietet unterschiedliche Möglich­keiten, sich zu engagieren. Er lädt aber auch ein, einen informativen Ausflug ins Grüne zu machen. Alles rund um den Weltacker finden Sie unter der folgenden Adresse: www.2000m2.eu/de


Die Lesepaten,

deutschlandweites Lese-Projekt
Die Lesekompetenz von Kindern wird durch dieses Projekt verbessert

Karola Hagen, Projektleiterin

„Lesen ist eine Schlüsselkompetenz, die Schüler*innen für jedes Fach brauchen“, sagt Karola Hagen, Projektleiterin der „Berliner Lesepaten“. Seit 15 Jahren vermittelt die vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) ins Leben gerufene Initiative Ehrenamtliche an Kitas und Schulen mit einer großen Anzahl nichtdeutscher und sozial benachteiligter Schüler*innen. Dort lesen pro Woche etwa 2400 Lesepat*innen rund 12 000 Kindern aus Büchern vor oder üben in kleinen Gruppen mit ihnen lesen.

„Unsere Lesepat*innen sind sehr beliebt“, weiß Karola Hagen. „Im Gegensatz zu den Lehrer*innen verteilen sie keine Noten und können sich Zeit nehmen für die Kinder.“ 2,7 Millionen zusätzliche Förderstunden wurden bereits durch sie geleistet. Wer sich als Lesepat*in engagieren möchte, muss an einer Infoveranstaltung teilnehmen und sollte möglichst verbindlich ein Jahr lang zwei bis drei Schulstunden pro Woche Zeit haben. „Viele Lesepat*innen engagieren sich auch noch darüber hinaus“, sagt Karola Hagen. „Es ist einfach ein schönes Erlebnis, die Fortschritte der Kinder zu beobachten.“

Die Berliner Lesepaten feiern 2021 ihren 15. Geburtstag. Damit die Organisation noch viele weitere Jahre besteht, kann man sich jederzeit als Pat*in engagieren. Wie das geht, erfahren Sie auf www.lesepaten.berlin


Hacker School,

deutschlandweites IT-Projekt
Ermutigt und befähigt Kinder, sich mit dem Programmieren zu beschäftigen

Julia Freudenberg, Geschäftsführerin

In den Kursen der „Hacker School“ laufen die IT-Spezialist*innen zu Hochtouren auf. Die „Inspirer“ geben Kindern und Jugendlichen einen Einblick in ihren Job und stecken sie mit ihrer Begeisterung fürs Programmieren an – freiwillig und ohne Honorar. „Viele Kinder sind zwar sehr gut in der Anwendung digitaler Geräte, wissen aber nicht, was dahintersteckt“, sagt Dr. Julia Freudenberg, Geschäftsführerin der Hacker School. „Wir möchten das ändern, damit sie sich in einer zunehmend digitalisierten Welt besser zurechtfinden.“

In Wochenend-Workshops oder im Rahmen von Schulprojekten lernen die 11- bis 18-Jährigen gegen einen geringen Beitrag die Programmiersprache „Scratch“ oder „Python“ kennen oder entwickeln ein Plug-in für das Computerspiel „Minecraft“. Auch spezielle Kurse für Mädchen gibt es, um Berührungsängste mit Technikthemen abzubauen.

Oft kooperiert die Hacker School mit Unternehmen, deren ITler*innen den Kurs leiten und die im besten Fall auch noch die Räumlichkeiten stellen. Der Lohn sind leuchtende Kinderaugen – und in einigen Jahren vielleicht kompetenter Nachwuchs für die IT-Abteilung.

Wer mehr über die Aktionen und Workshops der Hacker School erfahren möchte, schaut auf der Homepage der Organisation nach. Dort finden sich auch Infos zur Girls Hacker School, ein Programm, das sich speziell an junge Mädchen richtet. www.hacker-school.de


Gabenzaun,

Spendenaktion
Durch Eigeninitiative entstanden

Lisa Trautmann, eine Initiatorin

Instagram ist nicht nur eine Foto-Plattform. Sie bringt auch Leute zusammen, die Gutes tun möchten. Lisa Trautmann erfuhr über das soziale Netzwerk von Gabenzäunen: An Zäunen in der Innenstadt werden sinnvolle Dinge für wohnungslose Menschen aufgehängt, die sie einfach abnehmen können. „Die Corona-Pandemie und der Lockdown trafen Menschen ohne festen Wohnsitz besonders hart“, sagt die Modejournalistin. „Sie bekamen weniger Spenden, weil kaum noch Leute auf der Straße waren. Hilfsangebote wurden eingeschränkt.“ Spontan richtete sie selbst einen solchen Zaun an einem Sportplatz im Prenzlauer Berg ein. Ein Schild erklärt: Lebensmittel sollten energiereich, zuckerarm und lange haltbar sein, Hygieneartikel am besten Reisegröße haben.

Die ersten Tüten für den Gabenzaun stellte Lisa Trautmann selbst. Später kamen immer mehr Spenden aus der Nachbarschaft hinzu. „Alle paar Tage habe ich nachgefüllt und für Ordnung gesorgt, damit der Zaun kein Ablageplatz für Sperrmüll wird“, sagt sie. Ihre Fotos auf Instagram motivierten weitere Menschen, Gabenzäune ins Leben zu rufen. „Es ist toll, wie man mit so wenig Aufwand Menschen helfen kann“, meint Lisa Trautmann.

Neuigkeiten von Lisa Trautmann und ihren Aktionen, etwa dem Gabenzaun, gibt es auf ihrem 
Instagram-Account: www.instagram.com/lieselberlin


LeNa,

Lebendige Nachbarschaft
Projekt, das Menschen zusammenbringt, die gerne Gesellschaft haben

Karola Timm, Beispiel

Wenn Philipp kommt, ist für Karola Timm ein guter Tag. Die 66-Jährige sitzt nach einer Beinamputation im Rollstuhl. Sie hat Diabetes und wird von einem Pflegedienst versorgt. Philipp besucht sie regelmäßig. Der Jurist hat gerade sein Studium abgeschlossen und nimmt sich einmal die Woche Zeit für Karola Timm. „Ent­weder er besucht mich zu Hause, oder wir gehen zusammen raus durch den Kiez oder in den Park“, erzählt sie.

Zusammengeführt hat den jungen Mann und die ältere Frau das Projekt LeNa, kurz für Lebendige Nachbarschaften. Der ehrenamtliche Besuchsdienst des Evangelischen Johannesstifts sorgt dafür, dass einsame Menschen Gesellschaft haben.

Obwohl Karola Timm schon mehr als 30 Jahre im Wedding lebt, entdeckt sie den Bezirk mit ihrem Gast ganz neu. „Einmal hat mir Philipp das Himmelbeet gezeigt, einen Gemeinschaftsgarten mit vielen jungen Leuten, die dort Obst und Gemüse anpflanzen“, schwärmt die Rent­nerin. Philipp erzählt sie gern, wie der Bezirk früher aussah. Den Besuchsdienst hat sie schon häufig weiterempfohlen, zuletzt an eine 85-jährige Nachbarin.

Der „Besuchsdienst LeNa – Lebendige Nachbarschaft“ sucht immer nach Freiwilligen, die sich engagieren wollen. Infos zum Kontakt und Möglichkeiten, sich zu engagieren, finden Sie unter: www.evangelisches-johannesstift.de


En•ga•ge•ment starten, bei der Landesfreiwilligenagentur

5 Tipps von Susanne Eckhardt, Mitarbeiterin im Freiwilligenmanagement:

  1. Auf der Suche nach Möglichkeiten, sich zu engagieren, können Sie sich an die Freiwilligenagenturen in Ihrem Bezirk wenden.
  2. Ein*e Freiwillige*r sollte niemals eine*n hauptamt­liche*n Mitarbeiter*in ersetzen. Sprechen Sie die Organisation darauf an, wenn dieser Eindruck bei Ihnen entsteht.
  3. Im Idealfall gibt es eine Ansprechperson, die für die Einarbeitung von Freiwilligen und bei Problemen zuständig ist. Auch die Frage nach der Versicherung können Sie mit ihr klären.
  4. Freiwillige sollten Neugier, Offenheit und eine gewisse Frustrationstoleranz mitbringen. Manchmal braucht es Zeit, um in die neue Aufgabe hineinzuwachsen.
  5. Wer nicht viel Zeit hat, kann sich auch tageweise engagieren, zum Beispiel eine Müllsammelaktion im Park organisieren. Am 17. April und vom 19. bis 23. April 2021 findet in Berlin die virtuelle Freiwilligenbörse statt. Dort stellen sich gemeinnützige Organisationen vor, bei denen sich Freiwillige engagieren können. www.berliner-freiwilligenboerse.de

Wer direkt schauen möchte, welches Ehrenamt zu ihm passt, wer sich vernetzen oder informieren möchte, kann das hier tun: www.landesfreiwilligenagentur.berlin


Text: Judith Jenner


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