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Gekommen, um zu bleiben

In der Kunsthochschule Weißensee beschäftigen sich Studenten mit der Integration von Flüchtlingen in Berlin. »Kommen und bleiben« hat schon jetzt das Potenzial weitaus mehr zu sein als ein normales Semesterprojekt.

Einen passenderen Namen hätten die Professoren für visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Weißensee für das Semesterprojekt nicht finden können. Unter dem Titel »Gutes Karma« machten sie sich im Oktober 2013 mit den Studenten auf die Suche nach einer guten Tat; etwas, wovon andere profitieren. Zu den Vorbildern gehörte zum Beispiel die »Wheel Map«, eine Karte für Rollstuhlfahrer. Minderheiten in der Gesellschaft, die es zu unterstützen gilt. Als die Proteste um die Flüchtlingsunterkunft am Oranienplatz immer lauter wurden und eine große mediale Welle nach sich zogen, war klar: Hier konnten die Studenten ansetzen, um das Potenzial von Grafikdesign in einem sozialen Kontext zu erforschen.

Wie können sich die Flüchtlinge aus den zahlreichen Unterkünften in Berlin austauschen? Wie können Potenziale und Schnittstellen genutzt werden? Wie können Barrieren zwischen Flüchtlingen und Berlinern abgebaut werden? Die Studenten haben Antworten auf diese und weitere Fragen gefunden und unter dem Motto »Kommen und bleiben» verschiedene Projektstränge entwickelt.

Für die Entwicklung einer App für Geflüchtete besuchte Kunsthochschulstudent Florian Huss täglich einen Monat lang die Erstaufnahmestation für Flüchtlinge in Spandau. Er erarbeitete zusammen mit den Bewohnern auf Grundlage ihrer Bedürfnisse die Inhalte der App, die ihnen eine erste Orientierung in der Stadt geben soll. »Partizipation war dabei natürlich sehr wichtig, damit die Menschen die App auch von Anfang an nutzen«, erklärt Florian. Von Interviews mit Geflüchteten, die sich in Berlin erfolgreich eingelebt haben, über Informationen zum Asylprozess und zur medizinischen Versorgung, einer Checkliste, wie man ein Bankkonto eröffnet, einen Telefonvertrag abschließt oder die Sprache lernt, bis hin zu einer Berlin-Karte, die einen Überblick über alle wichtigen Institutionen, Kindergärten, Kiez- und Flüchtlingsinitiativen gibt: »Die App hilft den Neu-Berlinern, in der Stadt Fuß zu fassen und sich ein erstes kleines Netzwerk aufzubauen«, sagt der 36-Jährige. »Es gibt bislang im Grunde nur ›wir‹ und ›die anderen‹. Das muss sich ändern.«

Netzwerken, sich austauschen, das ist auch das Ziel der Veranstaltungsreihe »seeGewohnheiten« (»See« in Anlehnung an Weißensee). In regelmäßigen Abständen laden die Projektinitiatoren Selina Lampe und Alejandro Strus Geflüchtete zu sich in die Kunsthochschule ein, um Vorträge zu halten und Workshops durchzuführen. So gab es zum Beispiel bereits einen arabischen Kaligraphie-Workshop sowie einen Teppichknüpf- und Stickworkshop. Ein Möbelworkshop ist derzeit in Planung. »Die Geflüchteten können nicht nur von uns lernen, sondern wir auch eine Menge von ihnen«, sagt Rik Watkinson. Der Student kümmert sich zusammen mit Leonard Ermel um die Internetplattform des Projekts »Kommen und bleiben«, die alle Initiativen übersichtlich bündelt. Geflüchtete und Unterstützer können durch ihr Fachwissen gemeinsam Workshops und Veranstaltungen organisieren und durchführen. »Damit bieten wir die Möglichkeit, gezielt dort zu helfen, wo etwas gebraucht wird«, erklärt Rik.

Weil die Sprache für viele Flüchtende häufig eine große Hürde darstellt, versuchen die Stu-denten anhand von Bildergeschichten einen Zugang über die visuelle Kommunikation zu finden. Unter dem Titel »Hello Neighbour« tauschten Anwohner und Flüchtlinge im Flüchtlingswohnheim in der Rennbahnstraße Fotos aus und interpretierten das jeweils Fremde. »Fotografien erzählen eine Menge über seine Besitzer. Weit mehr, als man in einer einfachen Begegnung mit einem Fremden erfährt. Und sie laden ein, Fragen zu stellen und sich kennenzulernen“, erklärt Projektinitiatorin Sophie Küsswetter.

Die große Herausforderung sei nun, das Projekt »Kommen und bleiben« zu verstetigen. »Noch ist es ein Studentenprojekt«, erklärt Florian. »Aber es wäre schön, wenn die einzelnen Projektstränge fortgeführt werden könnten – unabhängig von uns.«

Fotos: Lia Darjes

 

Von Gesobau,
07.05.2015

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