Sie sind jetzt hier:

Home / Ihre Gesobau /

Eine Wohnung, die aufpasst

Technik für Komfort und Sicherheit: In der ersten Musterwohnung des Projekts Pflege@Quartier zeigen GESOBAU und AOK-Nordost innovative Lösungen, die im Alter den Alltag erleichtern.

Birgit Wilkes streift sich die Schuhe von den Füßen, legt sich aufs frisch gemachte Bett. »Dann muss ich nicht lange erklären, wie das Orientierungslicht funktioniert«, kontert sie die erstaunten Blicke von Reinickendorfs Sozialstadtrat Uwe Brockhausen (SPD) mit einem Lachen. Wilkes leitet das Institut für Gebäudetelematik an der Technischen Hochschule Wildau und hat die Konzeption für die Musterwohnung entwickelt. »Ältere Leute wollen eine Wohnung, die auf sie aufpasst«, weiß die Professorin. »Wie das geschieht, ist ihnen egal.« Eine Möglichkeit biete Technik. »Die muss helfen, die Probleme der Bewohner zu lösen, aber weitestgehend verborgen bleiben.«

In der Zweizimmerwohnung der GESOBAU im Märkischen Viertel hat Wilkes diesen Ansatz verfolgt und jede Menge technische Assistenzsysteme einbauen lassen. Wie das Orientierungslicht entlang der Fußleisten zwischen Bett und Bad. Das schaltet sich an, wenn die Füße des Mieters den Boden berühren – dank Sensorsteuerung. »Wenn Senioren nachts aufstehen, ist die Sturzgefahr besonders groß – weil sich die Augen im Alter nicht so schnell an Hell-Dunkel-Unterschiede anpassen können«, erklärt Wilkes Sinn und Zweck der blendfreien Bodenbeleuchtung.

Sie greift hinter sich, berührt den Taster am Kopfende des Bettes. »Das ist die Alles-aus-Steuerung.« – die nächste technische Finesse. »Wenn Sie mal nicht sicher sind, ob Sie das Bügeleisen abgeschaltet haben. Oder wenn das Licht in der Küche noch brennt und Sie sich nicht noch aus dem Bett quälen wollen.«

 

Bahn frei für barrierearmes Wohnen: Birgit Wilkes (TH Wildau), Jens Kreutzer (AOK Nordost), Irina Herz (GESOBAU) und Uwe Brockhausen (Bezirksstadtrat) erö nen die erste Pflege@Quartier-Wohnung im Märkischen Viertel.

 

Selbstständig mit digitaler Technik 

Helene Böhm, bei der GESOBAU verantwortlich für die soziale Quartiers-entwicklung, nickt zufrieden: »Als Frau Wilkes diesen Schalter vorgestellt hat, wusste ich sofort, dass ich so etwas für unsere seniorengerechten Wohnungen haben will.« Ebenso wie das Willkommenslicht im Flur, das beim Betreten der Wohnung automatisch angeht. Damit kein Bewohner mit Rollator oder Einkaufstüten in den Händen im Dunkeln tappen muss. Eine Besonderheit ist auch die Beleuchtung im Wohnzimmer. »Morgens ist das Licht etwas bläulich, zum Abend hin eher ein wenig rötlich«, erklärt Albert Premer. Blau wirkt aktivierend. Rot ist beruhigend. »Das unterstützt den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus«, so der Geschäftsführer der escos automation GmbH, verantwortlich für die technische Ausführung der Hilfssysteme in der Musterwohnung. Die sind ausgeklügelt bis ins letzte Detail. Es gibt Rauchmelder ebenso wie Sensoren zur Sturzerkennung. Ein Modul erkennt, wenn ein Fenster zu lange offen steht. Der CO2-Melder registriert, wenn zu wenig gelüftet wird. »Denn schlechte Luft verursacht Müdigkeit, auch Schwindelgefühl. Das kann zu Stürzen führen«, sagt Premer.

Sogar im Küchenschrank wurde an alles gedacht, was Senioren das Leben erleichtert: vom Besteck mit ergonomisch geformten Griffen bis zum Teller mit schrägem Innenboden – damit sich die Suppe besser auslöffeln lässt. Und der Fernseher ist mit einem Minicomputer gekoppelt und fungiert als digitales »schwarzes Brett« für Veranstaltungen.

Demnächst sollen 30 Wohnungen im Märkischen Viertel nach dem Vorbild der Musterwohnung ausgestattet werden. Mieter über 65 Jahre mit Pflegegrad konnten sich im Rahmen des Projekts Pflege@Quartier darum bewerben. Anfangs seien viele Bewohner skeptisch gewesen. »Aber dann haben sie uns fast die Bude eingerannt«, sagt Projektleiter Frank Druska. Auch wenn das auf drei Jahre angelegte Projekt Anfang 2018 endet: »Die Ausstattung der Wohnungen bleibt«, sagt Druska, »auch dann, wenn der Mieter auszieht.«

Uwe Brockhausen zeigt sich beeindruckt. Das GESOBAU-Projekt sollte Signalwirkung haben, denn 2030 werde jeder zweite Reinickendorfer über 65 Jahre alt sein, so der Stadtrat: »Pflege@Quartier ist ein gutes Beispiel dafür, wie man es schaffen kann, die Mieterstruktur in einer älter werdenden Gesellschaft zu erhalten.«

 

Assistenzsysteme sollen den Alltag der Bewohner erleichtern: So sind Wohnungs- und Haustürschlüssel auf Knopfdruck zu lokalisieren, Sensoren melden geöffnete Fenster, die Kleiderstange kommt entgegen, das Licht kann zentral gesteuert werden – und selbstverständlich befinden sich an vielen Stellen Mobilitätshilfen.


Text: Katrin Starke

Fotos: Christoph Schieder

Von peter.polzer,
28.06.2017

DAS WOHNEN VON MORGEN

Die Musterwohnung von Pflege@Quartier im Märkischen Viertel kann mittwochs zwischen 10 und 14 Uhr besichtigt werden. Bei Interesse bitte vorher anmelden unter: Tel. 030/4073–1510 oder per E-Mail:
pflege-quartier@gesobau.de