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Ein charmantes Denkmal

Mit viel Liebe zum Detail hat die GESOBAU einen denkmalgeschützten Altbau in Pankow modernisiert. Die Mühe hat sich ausgezahlt: Das Gebäude erstrahlt in neuem Glanz.

Die Gerüste an dem 1909 erbauten herrschaftlichen Haus Ecke Kavalierstraße/Wolfshagener Straße südlich des Schlossparks sind mittlerweile verschwunden und die Arbeiten am Vorgarten befinden sich in vollem Gange. Seine Umrisse kann man schon deutlich erkennen. Ab nächstem Jahr werden hier hinter Buchsbaumhecken Hortensien blühen.

KEINE STANDARDMODERNISIERUNG

Die Wahl fiel nicht zufällig auf Hortensien. »Wir haben nach Pflanzen gesucht, die typisch für die Zeit um 1909 waren«, erklärt Michael Weske, Projektleiter für größere Modernisierungsmaßnahmen bei der GESOBAU. Dass sich der Bauingenieur so detailliert mit historischen Details beschäftigt, ist kein übliches Procedere. Bei dieser Modernisierung war das jedoch an der Tagesordnung, denn: Der Altbau stand zum Teil unter Denkmalschutz. Aus diesem Grund mussten mit der Denkmalschutzbehörde viele Baumaßnahmen abgestimmt werden. »Zu Beginn waren nur die Fassade und der Vorgarten denkmalgeschützt«, berichtet Michael Weske. »Als wir 2012 im Zuge der Modernisierungsplanung routinemäßig Wandflächen in den beiden Treppenhäusern freilegen ließen, kam darunter eine historische Bemalung zum Vorschein, so dass wir anschließend auch hier an strenge Auflagen gebunden waren.« Bei der Instandsetzung der 20 Wohnungen und eines Gewerbes im Souterrain griff der Denkmalschutz hingegen nicht.

Im Folgejahr startete die GESOBAU mit der Modernisierung des Hauses – kam aber zunächst nicht weit. In den ersten Wohnungen waren gerade Heizungen und Tapeten entfernt und mit der Modernisierung der Bäder begonnen worden, als die Bewohner des Hauses dem Pankower Mieterprotest beitraten. Die Baumaßnahmen wurden ausgesetzt und das Wohnungsunternehmen führte intensive Gespräche mit den Mietern. Darin ging es unter anderem um Mitgestaltungsrechte und die Höhe der Mieten. Zwei Jahre später war eine Einigung gefunden. Es konnte weitergehen.

 

EINE SPANNENDE ZEITREISE

Denkmäler verlangen eine etwas andere Modernisierung. »Unter Denkmalschutz strebt man eine besonders schonende Instandsetzung an, an deren Ende das Gebäude dem Originalzustand möglichst nahe kommen soll«, erklärt Michael Weske. Die Fassade sei aus diesem Grund mit einem Spezialverfahren sandgestrahlt worden. »Unsere Arbeit wurde in allen Phasen streng kontrolliert. Wir mussten selbst die Stärke des Sandes mit der Denkmalschutzbehörde abstimmen, um möglichst wenige Ornamente kaputt zu machen.«

Dem historischen Original gerecht zu werden und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit der Modernisierung nicht ganz aus den Augen zu verlieren, war laut Michael Weske oft nicht einfach. Aber gerade diese Herausforderung habe das Projekt zu einer besonderen Erfahrung für ihn gemacht. »Ich habe unheimlich viel gelernt«, sagt er. Vor allem sei es sehr spannend gewesen, sich so ausführlich mit historischen Werkstoffen und Techniken zu beschäftigen.

SYMPATHISCHES CHAOS

Ein Profi auf diesem Gebiet ist Konrad Wargowske, der die GESOBAU bei dem Projekt als Restaurator unterstützt hat. Als gebürtiger Pankower, der sogar eine Zeit lang in der Kavalierstraße gewohnt hat, kannte er das Haus bereits. »Die Skurillität der Fassade ist mir damals schon aufgefallen«, sagt er. Neben Jägern und Vögeln tummeln sich auf dem beigefarbenen Verputz auch Zwerge und diverse Pflanzen. Das Besondere an diesem Altbau ist für den Restaurator, dass die Gestaltung wahrscheinlich vollständig unter der Regie des Architekten Emil Böttcher gestanden hat. Der rote Faden war dabei jedoch nicht Stringenz. »Hier herrscht ein lockerer Umgang mit den Formen. Von Art Deco-Elementen bis hin zu Motiven der griechischen Mythologie wurde alles miteinander vermischt«, so Wargowske. Dadurch habe sich ein liebliches und sehr sympathisches Durcheinander ergeben. »Der Architekt war bestimmt ein sehr gelöster und lustiger Mensch, den ich gerne kennengelernt hätte«, verrät der Restaurator.

Bei der Untersuchung des Treppenhauses entdeckte Wargowske Stoffreste unter den Wandleisten, die darauf schließen lassen, dass die unteren Abschnitte der Wände mit Stoff bespannt waren. Im Eingangsbereich einer Wohnung fand sich eine komplett erhaltene Wandbespannung, die ein Rest dieser Gesamtgestaltung sein könnte. »Es handelt sich dabei um einen bernsteinfarbenen Seidenstoff mit japanisch anmutenden Blumenornamenten«, berichtet Wargowske. Im Zuge der Modernisierung ließ die GESOBAU die Bespannung abnehmen und hat sie an das Museum Pankow übergeben.

ENDE GUT, ALLES GUT

Mit dem Abschluss der Modernisierung in der Kavalierstraße/Wolfshagener Straße geht sowohl für Konrad Wargowske als auch Michael Weske ein interessantes Projekt zu Ende. »Dieses Haus hat einfach einen besonderen Charme. Das erkennt man an den vielen Details, in die bei der ursprünglichen Gestaltung sehr viel Sorgfalt gesteckt wurde. Es hat großen Spaß gemacht, den einzigartigen Charakter des Gebäudes wieder herauszuarbeiten«, lautet das Fazit des Projektleiters.

Auch die Mieter seien nach den anfänglichen Protesten nun zufrieden mit dem Ergebnis, fügt er hinzu: »Die Bewohner identifizieren sich sehr mit dem Gebäude und freuen sich, dass ihr Zuhause wieder den Glanz bekommen hat, den es verdient.«


Text: Susanne Theisen

Fotos: Thomas Bruns

 

Von Gesobau,
23.06.2016