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Dr. House: Die Therapie für Häuser und ihre Bewohner

Studierende der Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTW) entwickelten über mehrere Wochen Sanierungskonzepte für zwei Mehrfamilienhäuser der GESOBAU im Bezirk Wedding.

Photovoltaik aufs Dach, Mineralwolle für die Fassade, Geothermie in den Keller, eine App, die Mieter daran erinnert, dass kein Strom mehr benötigt wird: Diese und weitere Ideen entwickelten die Studierenden der Studiengänge Kommunikationsdesign und Regenerative Energien im Rahmen des Projekts »Dr. House – die Therapie für Häuser und ihre Bewohner«. Anfang Februar stellten die sechs Gruppen ihre Konzepte der Jury vor: fünf GESOBAU-Mitarbeitern, Annett Keith, Geschäftsführerin des Berliner Energieinstituts, und Ingo Wiederoder, Kommunikationsexperte der Agentur Areal 17. Die Juroren waren fasziniert von den Ideen und kreativen Neuheiten, die die Studierenden innerhalb weniger Wochen erarbeitet haben.

Neben den Recherchen zu den baurechtlichen Rahmenbedingungen und Berechnungen von Energieverbräuchen führten die Studierenden auch Interviews mit den Mietern vor Ort. Natürlich durfte die Kostenanalyse nicht fehlen, denn die Mieten in den Weddinger Mehrfamilienhäusern sollten trotz moderner Techniken nicht zu stark steigen.

 

Die Jury diskutiert und bewertet die Konzepte.

 

Sieger des Wettbewerbs

Die Jury befand alle sechs Konzepte für sehr gelungen und repräsentativ. Die Studierenden konnten ihr theoretisches Wissen an einem Praxisprojekt erfolgreich anwenden und erste Erfahrungen für die spätere Berufswelt sammeln. Besonders gut gefielen der Jury die Ideen von Florian Meßner, Yannic Schmitt, Gunnar Daniel, Thomas Eckstein, Simon Waterstradt, Thomas Daschinger, Nico Strohte und Isabel Niespor, die den ersten Platz im Projekt Müllerstraße belegten. Im Projekt Neue Hochstraße / Schönwalder Straße landete das Konzept von Dominik Colmsee, Steven Fechner, Markus Jödicke, Frithjof Kühnert, Dennis Schmidt, Dennis Walther, Jakob Bettin und Julia Bettin auf dem ersten Platz. Ihre Konzepte konnten nicht nur durch Innovation, sondern auch aufgrund ihrer Realisierbarkeit überzeugen.

Das mulmige Gefühl

von Julia Bettin

 

Im Rahmen meines Designstudiums an der HTW Berlin belegte ich ein interessant klingendes Projekt zum Thema »Klimagerechtes Wohnen«. Ich sollte mit Kommilitonen aus dem Studiengang »Erneuerbare Energien« ein Konzept entwickeln und es der GESOBAU vorstellen. Ich wurde skeptisch, da ich nicht erwartet hatte, den Vermieter mit an Bord zu haben. Fast jeder kennt das mulmige Gefühl in der Magengegend, wenn er an seinen Vermieter denkt. Plötzlich stand ich auf der Seite, die das mulmige Gefühl auslöst.

Aber weiter zum Projekt: Alles drehte sich um zwei Häuser im Wedding. Zufällig ganz nah an dem Kiez, in dem ich ein paar Jahre zuvor noch gewohnt hatte. Um einen Einstieg in unser Vorhaben zu finden, schauten wir uns die Gebäude an und führten Interviews mit den Mietern. Ich nahm also die lange Reise von Köpenick in die alte Heimat auf mich und sah schicke Cafés, wo vorher noch kleine Kebab-Buden waren. Natürlich ist das Thema Gentrifikation nicht neu. Trotzdem konnte ich die Ängste vor Mieterhöhungen gut nachempfinden. Gemeinsam mit meinem Kommilitonen nahm ich mir vor, die – ich formuliere es mal so – ästhetisch in die Jahre gekommenen Häuser wohnlich zu machen, dabei Energie zu sparen und die Mieten gleich zu halten.

 

Studierende der Fachbereiche Kommunikations-design und Regenerative Energien nahmen am Projekt »Dr. House« teil.

 

Wir legten los. Meine Kommilitonen aus dem Studiengang »Erneuerbare Energie« holten ihre Rechenschieber raus und erklärten mir den Unterschied zwischen Photovoltaik und Solarthermie. Ich hörte gespannt zu. Doch musste ich eingestehen, dass mich Solarzellen auf dem Dach und eine Wärmepumpe im Keller als Mieter nicht besonders interessieren würden. Ich sah das Problem für den Mieter viel mehr darin, dass auf diese Weise trotz top Sanierung kein Haus geschaffen werden wird, in dem man gern wohnt. Was macht also angenehmes Wohnen aus? Und wie kann ich das mit Energiebewusstsein kombinieren? Kurzum geht es für mich bei schönem Wohnen viel weniger um das Haus an sich als um die Beziehungen der Nachbarn untereinander und zu ihrem Haus. Also entwickelte ich einige Ideenansätze, die genau das fördern sollten: Einen Hinterhof, der von allen Generationen tatsächlich genutzt wird und einen Ort der Begegnung schafft.

Auf halber Strecke ging es darum, das Ganze schon einmal der GESOBAU zu präsentieren. Da war es wieder: das mulmige Gefühl. Doch schon während der Zwischenpräsentation bemerkte ich das soziale Interesse der Ansprechpartner. Im weiteren Gespräch fiel mir das soziale Engagement, die Bemühungen um Transparenz und das Streben nach Mietpreisstabilität auf. Das motivierte mich, das Projekt voranzutreiben. Meine Ideen fußten jedoch nur auf meiner eigenen Vorstellung vom Wohlfühlen. Wichtiger war es mir, eine Plattform für die Mieter zu schaffen, in der sie – wie bei einem Eigenheim – selber Einfluss auf das Haus und die Umgebung nehmen können. Dazu erarbeitete ich Workshop-Konzepte.

Alles in allem war es ein eindrucksvolles Projekt. Ich schlüpfte in die Rolle des Vermieters und lernte, dass klimagerechtes Wohnen nicht nur das meteorologische, sondern auch das soziale Klima betrifft.


 

Von Susanne Stöcker,
29.03.2017