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Die Menschen hinter den Zahlen

Mietschuldenberatung: Bei Mietern, die bei Rückständen Probleme bekommen, kooperiert die GESOBAU seit 20 Jahren mit den Sozialarbeitern der GEBEWO.

Wenn du klingelst, weißt du nicht, wie der Mensch hinter der Tür reagiert. Wir treten in eine Lebenswelt ein, in der wir im Grunde erst mal nichts zu suchen haben.« Für Lars Heßler ist jeder Hausbesuch spannend. Heßler ist Diplom-Sozialarbeiter, er leitet die Ambulanten Dienste Nord des sozialen Trägers GEBEWO. Der 43-Jährige und sein Team beraten Menschen, die Mietschulden haben oder sogar vom Verlust ihrer Wohnung bedroht sind. Die GEBEWO mit rund 300 Beschäftigten arbeitet mit Sozialämtern, Jobcentern und verschiedenen Wohnungsunternehmen zusammen. Seit 20 Jahren auch mit der GESOBAU. 

Betroffenen Mieterinnen und Mietern helfen

Gemeinsames Ziel: den betroffenen Mieterinnen und Mietern zu helfen, die Schulden in den Griff zu bekommen und ihre Wohnung behalten zu können. Der normale Ablauf: Das Forderungs- oder Sozialmanagement der GESOBAU bittet die GEBEWO um Kontaktaufnahme. Die GEBEWO bietet den säumigen Mietern dann binnen vier Wochen drei verschiedene Termine für einen Hausbesuch an. »Wenn wir nichts hören, fahren wir dreimal hin«, sagt Heßler. Es gibt Fälle, in denen die Wohnungstür dreimal verschlossen bleibt – aus Scham, aus gesundheitlichen Gründen oder weil die Wohnung bereits verlassen wurde. »Aber meistens ist es so, dass wir die Menschen antreffen. Wir sind diejenigen, die die hinter die Zahlen schauen.« 

Funktionierende Kooperation

Wichtig auch: Sobald der Kontakt zustande kommt und der Mieter sich kooperativ zeigt, setzt die GESOBAU etwaige Maßnahmen aus. Mehr als 80 Prozent der Mieter in Not, denen die kostenlose Hilfe angeboten wird, werden tatsächlich erreicht – und in über 50 Prozent der Fälle, die annähernd gleichermaßen Frauen wie Männer betreffen, gelingt es, den drohenden Wohnraumverlust abzuwenden. »Die Zahlen zeigen, dass die Kooperation funktioniert«, sagt Thomas Hacker, der als Sozialmanager der GESOBAU für die Bereiche Pankow und Weißensee zuständig ist. »Dieses Modell hilft den Mietern – und es hilft der GESOBAU.«

Die angestrebte Mietschuldenregulierung gelingt – je nach individueller Situation – auf unterschiedlichen Wegen: Mal übernehmen das Jobcenter oder das Bezirksamt die Rückstände, mal wird Ratenzahlung vereinbart – und in nicht wenigen Fällen können Mieter die Schulden mit eigenen Mitteln oder mit Unterstützung ihrer Familie ausgleichen. 

Präventiver Ansatz

Die Hilfe ist abgestuft. Im ersten Schritt steht die Mietschuldenregulierung im Mittelpunkt. Wenn längerfristiger Hilfebedarf vorliegt und der Mieter es will, setzt Stufe 2 ein: Denn auf Grundlage des Sozialgesetzbuchs XII (§ 67) kann die GEBEWO auch bei der Lösung der Probleme helfen, die überhaupt erst zu den Schulden geführt haben. »Wenn die Mietschuldenregulierung erreicht und der GAU vermieden ist, atmen viele durch und sagen: Mehr brauchen wir nicht«, sagt Sozialarbeiter Heßler. »Auch für uns ist das Wichtigste, dass die Menschen die laufende Miete pünktlich zahlen.« Weil das die Voraussetzung ist, dass die Menschen in ihren Wohnungen bleiben können. 

»Aber wir würden uns wünschen, dass sich mehr Betroffene auf den zweiten Schritt einlassen, um die Gefahr zu verringern, noch mal in so eine Situation zu kommen. Da helfen wir, Unterlagen zu ordnen und einen Haushaltsplan zu erstellen. Das ist der präventive Ansatz, den wir eigentlich verfolgen.«


Text und Foto: Steffen Rohr  

Von Redaktion,
28.03.2019
Schulden in den Griff bekommen

GEBEWO Ambulante Dienste Nord
Schönhauser Allee 141
Prenzlauer Berg
Tel.: 030/48 09 81 90,
offene Sprechstunde Di. 14–17 Uhr,
www.gebewo.de/ambulante-dienste