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„Das ist doch wie auf dem Land hier“

Sanierte Plattenbauten, große Balkone, fantasievolle Spielplätze und grüne Innenhöfe – das ist Hellersdorf. Ralf Protz, Leiter des Vereines Kompetenzzentrum Groß­siedlungen, kennt sich hier aus und zeigt uns sein Viertel

von Regina Köhler

Wir treffen uns im „Baukasten“, einem würfelförmigen Gebäude aus Stahl und Glas an der Riesaer Straße 2, unmittelbar neben der U-Bahnstation Hellersdorf. Hier ist der Sitz des Kompetenzzentrums, hier hat Ralf Protz sein Büro. Die Bezeichnung „Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V.“ erklärt Ralf Protz uns so: „Wir beschäftigen uns mit der zukunftsfähigen Gestaltung der großen Wohnsiedlungen, die europaweit zwischen den 1920er- und 1980er-Jahren errichtet wurden. Unsere Erfahrungen sind inzwischen weltweit gefragt.“ Er sei deshalb viel unterwegs. Seine nächste Reise wird ihn nach Samara führen. In der Industriestadt im Südosten des europäischen Teils von Russland gibt es viele sanierungsbedürftige Plattenbauten.

Der Baukasten ist nicht nur Sitz des Vereines, hier gibt es auch Informationen über den Stadtteil Hellersdorf und den Stand der Sanierungsarbeiten. Wer sich dafür interessiert, kann wochentags hierherkommen. Ralf Protz und seine Mitarbeiter*innen beantworten gern alle Fragen. Der Baukasten, sagt Protz, sei so etwas wie die Infobox, die von 1995 bis 2001 am Potsdamer Platz gestanden habe. Besucher*innen konnten dort damals den Fortschritt der Bauarbeiten rund um den Platz verfolgen und Modelle der künftigen Bauten betrachten.

Das „Kompetenzzentrum Großsiedlungen“ ist im Baukasten mitten in Hellersdorf (oben) zu finden. Bei der nachhaltigen Sanierung von Plattenbauten sind die Erfahrungen der Expert*innen weltweit gefragt

Unser Spaziergang beginnt am Baukasten, von hier aus ist es etwa einen Kilometer bis zur Hönower Weiherkette. Sie erstreckt sich von der Stendaler Straße im Hellersdorfer Westen bis zur Mahlsdorfer Straße im Osten und verläuft parallel zum Straßenzug Landsberger Chaussee und Berliner Straße. Wir stehen zwischen den neu entstandenen Häusern an der Tangermünder Straße, einer Seitenstraße der Stendaler Straße. Dort beginnt der Weg in das Naturschutzgebiet. Es ist still hier, nur die Vögel sind zu hören. Ralf Protz holt tief Luft. „Das ist doch wie auf dem Land hier“, sagt er. Für die meisten Hellersdorfer*innen sei die Nähe zur Natur das Schönste an ihrem Stadtteil. „Die Leute genießen die grünen Innenhöfe und die Möglichkeit, schnell in Brandenburg zu sein, um dort spazieren zu gehen oder Rad zu fahren.“ Und mit der U-Bahn ist man in einer halben Stunde in der Innenstadt.

Ralf Protz will uns noch einen anderen Grünzug zeigen, die alte Kastanienallee. Die Straße ist zweieinhalb Kilometer lang und war früher die alte Verbindung zwischen den Orten Eiche und Kaulsdorf. Viele Bäume sind alt, andere nachgepflanzt. Schatten spenden sie alle. „Die alten Kastanien waren damals das einzige Grün in dem neu gegründeten Stadtteil“, erzählt Protz. Heute kann man sich das kaum noch vorstellen. Längst haben die in den 1980er-Jahren gepflanzten Bäume und Büsche eine stattliche Größe erreicht.

Echter DDR-Look: Viele Hellersdorfer*innen haben eigene Gegenstände beigesteuert, um die Museumswohnung „WBS 70“ einzurichten

Eine Zeitreise in die Vergangenheit ist unser Besuch der Museumswohnung an der Hellersdorfer Straße 179 (U-Bahn Cottbusser Platz). Die gut 60 Quadratmeter große Dreizimmerwohnung des Typs WBS 70 (Abkürzung für die Wohnungsbauserie 70) ist Mitte der 1980er-Jahre gebaut worden. „Zu DDR-Zeiten sah hier jede zweite Wohnung so aus“, sagt Ralf Protz – Wohnzimmer, kleines Kinderzimmer, Schlafzimmer, kleine Küche, winziges Bad. „Unser Museum ist absolut authentisch, vom Mokka-Service in der Schrankwand bis zum Föhn im Badezimmer.“ Protz erzählt, dass viele Hellersdorfer*innen bei der Einrichtung des Museums mitgeholfen und alte Sachen vorbeigebracht haben.

Die Seilbahn verbindet den Kienbergpark in Hellersdorf mit den Gärten der Welt in Marzahn 

Von der Hellersdorfer Straße geht es noch einmal ins Grüne, in den Kienbergpark. Der ist so groß wie 85 Fußballfelder und wurde anlässlich der Internationalen Gartenausstellung 2017 fertiggestellt. Wir fahren mit der Seilbahn, die Hellersdorf und Marzahn miteinander verbindet. Los geht es am Eingang auf der Hellersdorfer Seite (U-Bahn Kienberg). Wir steigen auf halber Strecke aus, das ist mitten auf dem Kienberg, und nehmen dort die Treppen hoch zur Aussichtsplattform Wolkenhain. Dort oben haben wir einen fantastischen Blick aus 120 Metern Höhe. Die ganze Stadt liegt uns zu Füßen. Wir sehen bis zum Fernsehturm in der Stadtmitte und weit ins Brandenburgische Land.

Ralf Protz auf der Aussichtsplattform Wolkenhain. Von hier aus blickt man bis ins Brandenburgische Land

Auf der Terrasse des Restaurants, das sich im Inneren des Wolkenhains befindet, trinken wir schließlich noch einen Kaffee. Wir schauen über das Kienbergareal nach Marzahn hinüber und fühlen uns, als wären wir im Urlaub. Der Eintritt in den Park ist kostenlos, nur für die Fahrt mit der Seilbahn muss man etwas bezahlen, kann dafür aber so oft hin- und herfahren, wie man will. „Meine Kinder lieben das“, sagt Ralf Protz.

 

MUSEUMSWOHNUNG WBS 70
Hellersdorfer Straße 179, 12627 Berlin
Immer sonntags von 14.00 bis 16.00 Uhr oder nach Absprache: 0151 1611 4447

 

Von Susanne Stöcker,
26.06.2019

Die GESOBAU in Hellersdorf

Bis zum Frühjahr 2020 baut die GESOBAU im Bezirk insgesamt 924 Wohnungen an den Standorten Lion-Feuchtwanger-Straße, Kummerower Ring, Stendaler Sraße (bereits bezugsfertig) und Tangermünde Straße. Geplant sind darüber hinaus rund 1250 neue Wohnungen um das Stadtgut Hellersdorf, die bis Ende 2020 entstehen sollen.

Mehr dazu: www.gesobau.de/neubau