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Berlin wird immer süßer

Leckerer Honig aus der Großstadt: In den GESOBAU-Quartieren fühlen sich Bienen äußerst wohl. Denn Kleingärten und Balkonkästen bieten ein wahres Schlaraffenland. Wir haben Stadt-Imker in Hermsdorf und Hellersdorf getroffen und zeigen, wie auch Sie die wichtigen Nutztiere unterstützen können.

Gebannt starrt Max auf den schmalen Schlitz an der Stirnseite der gelben Holzkiste. Gerade erst sind ein paar Bienen herausgeflogen, schon halten Neuankömmlinge auf die Öffnung im Holz zu. »Schau mal, das sind Pollenträgerinnen«, erklärt Frank Panitzke seinem Sohn. »Das erkennst du an den gelben Höschen.« Der Vierjährige stutzt, dann hat er erkannt, was der Vater meint. »Die haben da Kugeln an den Beinen.« Um die beiden herum summt es, überall schwirren die schwarz-gelben Insekten umher. Um seinem Sohn die Honigproduzenten aus der Nähe zu zeigen, ist Frank Panitzke aus Marzahn in den Bienenlehrgarten in der Lichtenhainer Straße in Hellersdorf gekommen. 

 

In Europa sind 75 Prozent der Kultur- und Nutzpflanzen von der Bienenbestäubung abhängig. Die Tiere von Uwe Meyer vom Imkerverein Wuhletal 1864 tragen dazu bei.

 

 In Hellersdorf Imkern über die Schulter schauen

Einst angelegt als Schulgarten des benachbarten Melanchthon-Gymnasiums, betreiben seit 2011 der Imkerverein »Wuhletal 1864« und das Freilandlabor Marzahn hier gemeinsam einen Schau- und Lehrgarten für Bienen, Insekten und Kräuter. Sie kümmern sich um die Pflege und Gestaltung des Gartens, bieten Bienenlehrstunden oder Imkerschnupperkurse an. »Bezirksübergreifend werden hier Imker geschult, aber auch Kita-Gruppen oder Schulklassen an das Thema Bienen herangeführt«, erklärt der erfahrene Imker Uwe Meyer, Vorsitzender des Vereins »Wuhletal 1864« und treibende Kraft hinter dem Projekt. An »lebendem Anschauungsmaterial« mangelt es im Lehrgarten nicht: 20 Bienenvölker sind derzeit dort zu Hause. »Jedes Volk in seinem eigenen Hochhaus«, erklärt Vereinschef Uwe Meyer. 

Regelmäßig bieten Meyer und der Verein Führungen durch die Anlage an, die meist sofort ausgebucht sind. Denn das Interesse an Bienen ist groß, Imkern liegt im Trend – und zwar gerade das Stadtimkern. Die Mitgliederzahl im Berliner Imkerverband ist von 2009 bis 2013 um rund 50 Prozent gestiegen. 1.200 Imker und 7.000 Bienenvölker sind im Verein organisiert. Jedes einzelne Volk kann bis zu 40.000 Bienen haben. Dazu kommen Gemeinschaftsgärten wie das »Himmelbeet« im Wedding, der Prinzessinnengarten in Kreuzberg oder der Mauerpark, die eigene Bienenvölker haben, und viele Hobbyimker, die nicht organisiert sind. Sie halten Völker im Garten oder auf dem Balkon. Wie Johannes Weber, Gründer des Vereins »Stadtbienen« und Erfinder der »BienenBox«. 

 

Die Berliner Imkerin Johanna Trenkelbach bringt mit ihren 70 Berliner Bienenvölkern eine reiche Ernte ein.

 

 

Die vielfältige Flora der Stadt ist für Bienen ideal

Seit mittlerweile vier Jahren hängt eine solche hölzerne Behausung an Webers Balkon. Angst vor den weiblichen Stacheln habe er nicht. »Bienen sind sehr friedfertig«, sagt der »BeeKeeper«, wie Imker auf neudeutsch heißen. »Mit meinem Umzug in die Großstadt verlor ich dann erst einmal den Kontakt zu diesen Tieren.« Aber dann habe er erfahren, »dass in Zeiten des anhaltenden Bienensterbens die Stadt als optimaler Rückzugsort für die Biene gilt«. 

Dem kann die Hermsdorfer Imkerin Johanna Trenkelbach nur zustimmen. »Die meisten Gärten und Balkone in Berlin werden abwechslungsreich bepflanzt. Da bekommen meine Bienen reichlich Futter«, sagt die 36-Jährige, die sich im vergangenen Jahr mit ihrer Imkerei Fließgold selbstständig gemacht hat. An acht Standorten hat sie ihre 70 Völker verteilt – von Hohen Neuendorf und Frohnau im Norden bis zum Wannsee im Süden. Sogar am Alexanderplatz schwärmen ihre Völker aus – vom Dach des Stammhauses der Berliner Sparkasse. 

Wichtig sei, dass die Bienen von April bis August – den Monaten, in denen sie Pollen und Nektar sammeln – immer etwas Blühendes fänden – sonst verhungern sie. Ohne Imker seien Honigbienen »relativ verloren«, schätzt Trenkelbach ein. Allein schon, weil sie in der Natur kaum noch geeignete Behausungen fänden. Eine Honigbiene ohne Imker sei wie eine Kuh, die nicht gemolken werde, erläutert Experte Uwe Meyer. Üblicherweise schleudern die Berliner Imker zwei- bis dreimal im Jahr die Waben, um »die Ernte einzubringen« – Mischhonig von verschiedenen Blüten im Frühling und im Sommer, im Spätsommer dann noch einmal einen Lindenhonig. »Zum Glück noch«, runzelt Uwe Meyer die Stirn, »denn leider werden immer mehr alte Linden und andere Bäume gefällt.«

 

 

Man muss nicht imkern, um Bienen zu helfen 

Auch wer nicht selbst imkern will, kann die Stadtbienen unter-stützen – durch das Aussäen bienenfreundlicher Wildblumen-mischungen. »Der Pflanzenreichtum von Kleingärten und Balkonkästen deckt der Biene kontinuierlich den Tisch«, sagt Johannes Weber. Keinesfalls fehlen sollten Sonnenblumen, das seien echte Bienenweiden. Auch Kornblumen, Borretsch, Malven, Ringel-blumen oder Kräuter wie Minze, Thymian, Basilikum und Oregano sind bei Maja und Co. beliebt. »Bienen sind als Bestäuber für unsere heimischen Pflanzen wichtig – zum Beispiel für unsere Apfelbäume«, erklärt Uwe Meyer. »Wenige Bienen bedeuten auch wenig Ernte.« Und wer Honig beim Imker um die Ecke kaufe, helfe damit nicht nur der heimischen Natur, sondern schmecke auch ein Stück Heimat.


 

Hier dreht sich alles um Bienen und Honig

Führungen und Kurse

Bienenlehrgarten Imkerverein »Wuhletal 1864«,
Lichtenhainer Straße 14, Hellersdorf, Mo.-Fr., 10-16 Uhr.
www.imkerverein-wuhletal1864.de

Stadtbienen e. V.: Schnupperkurse und Imkerkurse in mehreren Berliner Bezirken. Beim Verein kann auch die »BienenBox« in verschiedenen Ausfertigungen bestellt werden.
www.stadtbienen.org 

Imkerei im Botanischen Volkspark Pankow: Imkerkurse im Volkspark,
Tel.: 0157/84 97 50 56.
www.imkerei-im-botanischen-volkspark.de 

Imkerkurse an der Freien Universität: Das Institut für Veterinär-Biochemie der FU bietet zusammen mit dem Imkerverband Berlin kostenlos Imkerkurse an. Tel.: 030/83 85 39 45
www.vetmed.fu-berlin.de/einrichtungen/institute/we03/bienen/bienenhaltung/2018-Flyer-Imkerkurse-2.pdf

Imkereimuseum des Imkervereins Reinickendorf-Mitte: Hier erfahren Besucher Wissenswertes über die Biene. Termine auf Anfrage. Der Verein verkauft auch Honig.
www.imkerverein-reinickendorf-mitte.de

 

Hier gibt es Berliner Honig

Imkerei Fließgold, Bertramstraße 36 in Hermsdorf, Öffnungszeiten Sa 10- 12  Uhr, Tel.: 0160/97 71 13 27
www.fliessgold.de

Kiezhonig: Homeyerstraße 32 inPankow-Niederschönhausen, Tel.: 030/44 34 08 29,
www.kiezhonig.de 

Imkerei im Bürgerpark, Wilhelm-Kuhr-Straße in Pankow: Im angrenzenden Café Mirabelle gibt es ab Juli frischen Honig der Saison zu kaufen.


Text: Katrin Starke
Fotos: Daniel Devecioglu, Imkerverein Wuhletal 1864

Von peter.polzer,
27.06.2018