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Berlin steigt auf

Im Wettbewerb der deutschen Regionen macht Berlin einen großen Sprung nach vorne. Das ist das Ergebnis des kürzlich erschienenen Prognos Zukunftsatlas 2016.

Das hört man in der Hauptstadt gerne: „Berlin ist der größte Aufsteiger im Wettbewerb der deutschen Regionen.“ Die Worte stammen von Peter Kaiser, Bereichsleiter für regionale Prognosen & Investitionen der Prognos AG, die alle drei Jahre die Zukunftsfähigkeit aller 402 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland bewertet. „Berlin hat sich in den vergangenen Jahren wirtschaftlich sehr gut entwickelt“, sagt Kaiser und verweist auf die Ergebnisse des neuen Zukunftsatlas. Darin wird jede Region in den Bereichen Demografie, Wohlstand und Soziale Lage, Arbeitsmarkt sowie Wettbewerb und Innovation analysiert und in ein Gesamtranking eingeordnet.

In den vergangenen Jahren lag Berlin lediglich im Mittelfeld, doch das hat sich mit den neuen Erhebungen geändert: Die Hauptstadt hat sich um 110 Plätze auf Rang 114 im Gesamtranking der Zukunftsfähigkeit verbessert und damit erstmals die Kategorie „leichte Chancen“ – das heißt ein Übergewicht der Chancen gegenüber den Risiken – erreicht. „Besonders stark ist Berlin in den Bereichen ‚Demografie‘ und ‚Wettbewerbsfähigkeit & Innovation'“, erklärt Kaiser. Hier belegt die Hauptstadt jeweils Rang 20 der 402 Kreise und Städte in Deutschland. Aber auch im Themenfeld „Wirtschaft & Arbeitsmarkt“ hat sich Berlin enorm verbessert und strahlt mit dieser hohen Dynamik inzwischen auch stärker ins Umland aus als zuvor. Mit Ausnahme von Potsdam konnten sich alle Kreise im Speckgürtel der Hauptstadt ebenfalls um bis zu 32 Ränge verbessern.

ZUZUG VON JUNGEN ERWACHSENEN
Woher kommt der plötzliche Aufstieg? Als Gründe werden verschiedene Indikatoren herangezogen. So ist zum Beispiel die Einwohnerzahl zwischen 2012 und 2014 um mehr als 2,8 Prozent gewachsen. „Das ist ein über viermal höherer Zuwachs als im Bundesdurchschnitt“, sagt Peter Kaiser. Außerdem sei Berlin äußerst attraktiv für junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 29 Jahren. Besonders in dieser Altersgruppe konnten Einwohner hinzugewonnen werden. Das Bevölkerungswachstum erzeugt wiederum einen hohen Druck auf den Immobilienmarkt: „Wohnungen werden knapp und teuer, es wird mehr Wohnraum benötigt.“ Dabei besteht laut Kaiser eine Nutzungskonkurrenz zu Gewerbeund Büroflächen, „denn nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Zahl der Arbeitsplätze wächst“. Allein zwischen 2012 und 2015 ist die Zahl der Gesamtbeschäftigung in Berlin um 9,8 Prozent gestiegen (Rang 18 in Deutschland). Dies werde auch befördert durch die hohe Zahl an Unternehmensgründungen, die in Berlin eineinhalb Mal höher ausfalle als im Bundesvergleich. Zudem sei der Anteil der Hochqualifizierten (Beschäftigte mit (Fach)Hochschulabschluss) in Berlin sehr hoch und besonders stark gewachsen. Weit mehr als jeder vierte Arbeitsplatz in Berlin werde inzwischen von einem Akademiker eingenommen.

SOZIALE SCHIEFLAGE
Doch natürlicht gibt es auch Schattenseiten, die vor allem im Themenfeld „Soziale Lage &
Wohlstand“ liegen. „Nicht alle Menschen in Berlin profitieren gleichermaßen von der positiven Entwicklung in der Stadt und der Verbesserung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit“, sagt der 45-Jährige. So bleibt die Arbeitslosenquote trotz Rückgang bei 10,1 Prozent (zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 6,1 Prozent). „Fast jeder zwölfte Jugendliche hat als Schulabsolvent ohne Abschluss schon direkt nach seiner Schulzeit äußerst geringe Chancen auf einen erfüllenden und auskömmlichen Arbeitsplatz,
der ein unabhängiges Leben auf eigenen Füßen ermöglicht.“ Hinzu kommt, dass mit über 16 Prozent der Bevölkerung mehr als jeder sechste Berliner in einer Bedarfsgemeinschaft lebe, den Lebensunterhalt also nicht ohne Transferzahlungen des Staates bestreiten könne.

Auch in Berlin zeigt sich damit das fast für alle Metropolen der westlichen Welt typische Auseinanderdriften von Wachstum, wirtschaftlicher Dynamik auf der einen und zahlreicher Menschen, die nicht oder nicht ausreichend davon profitieren können auf der anderen Seite.


Text: GESOBAU

Foto: © FOTOS Koroll

 

Von Susanne Stöcker,
27.09.2016

DER ZUKUNFTSATLAS

Der Prognos Zukunftsatlas 2016 ermittelt die Zukunftschancen und -risiken aller 402 Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands. Die Zukunftsperspektiven der Regionen werden anhand eines Zukunftsindex bestimmt. Dieser setzt sich aus 29 Indikatoren aus den Bereichen Demografie, Wohlstand und Soziale, Lage, Arbeitsmarkt sowie Wettbewerb und Innovation zusammen, die zwischen 2013 und 2015 erhoben wurden. Die Dimension „Stärke“ beschreibt den Ist-Zustand und erlaubt Aussagen über die Standortstärke. Die Dimension „Dynamik“ berücksichtigt die Entwicklung einer Region im Zeitverlauf. Weitere Informationen zum Zukunftsatlas: www.prognos.com