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Auf gute Nachbarschaft

Das GESOBAU-Kundenmagazin heißt seit jeher »Hallo Nachbar«. Aber wie kommt man mit den Menschen nebenan eigentlich ins Gespräch? Alte Rituale und einfache Tricks helfen beim guten Kontakt.

Umzug bedeutet Stress und Schlepperei, wochenlanges Aus-Kisten-Leben und sich neu sortieren zu müssen. Aber es ist auch aufregend und schön, in den eigenen vier Wänden anzukommen. Wer anschließend zur Einweihungsparty einlädt, zelebriert eine lange Tradition, die rund um den Globus bekannt ist. Es geht darum, das neue Haus mit Leben und vertrauten Menschen zu füllen und sich so ein behagliches Heim zu schaffen. Im Englischen spricht man bis heute von der Housewarming-Party. Der Begriff geht darauf zurück, dass vor den Zeiten der Zentralheizung jeder der Gäste einen Holzscheit mitbrachte, um gemeinsam mit den Bewohnern die neue Hütte zu wärmen und böse Geister zu vertreiben.

Heute zählt Feuerholz nicht mehr zu den beliebten Mitbringseln. Allerdings haben Freunde oft Brot und Salz im Gepäck und greifen damit auf eines der ältesten Einzugsrituale der westlichen Welt zurück. Angeblich schenkten bereits die alten Römer diese Gaben neuen Hausbesitzern. Das Brot gehörte zu den Grundnahrungsmitteln und war zugleich eine Huldigung der Göttin Demeter, die den Menschen laut Mythos das Backen beibrachte. Salz hingegen war eine der kostbarsten Ressourcen. Das Gewürz wurde mit Gold aufgewogen, es wurden Zölle darauf erhoben und teilweise diente es als Bezahlung der römischen Söldner. Das Wort Salär weist bis heute darauf hin.

 

 

Auch in der christlichen Tradition spielten Brot und Salz wichtige Rollen als Symbole für Wohlstand, in manchen Regionen als Mittel gegen Krankheiten oder den Teufel. Wer heute beides zum Einzug mitbringt, denkt zwar weniger an den Schutz vor dem Bösen, wünscht dem Gastgeber damit aber nach wie vor Glück und Reichtum. Zudem hat dieser sofort etwas im Haus, um Freunde zu bewirten, auch wenn Teller und Töpfe noch in Kisten verpackt sind und im Kühlschrank gähnende Leere herrscht.

»Dass wir zur Einweihung unsere Freunde einladen, hat etwas damit zu tun, dass wir uns in unserer neuen Umgebung wohlfühlen und beheimaten möchten«, sagt Professor Christoph Wulf, Anthropologe an der FU Berlin. »Ob wir unsere Nachbarn, die zukünftig zu Vertrauten werden sollen, ebenfalls dazubitten, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Aber es ist natürlich eine einfache Möglichkeit, sich ungezwungen kennenzulernen.«

Kinder und Hunde fördern den Kontakt

Gerade in der Großstadt ist der Kontakt zu den Menschen, mit denen man in einem Haus oder gar Tür an Tür lebt, gering. Dabei schaffe vor allem der Umgang mit den Nachbarn das Gefühl von Heimat und Verwurzelung, so Experte Wulf. Eine gute Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, sind seiner Meinung nach die jüngsten Hausbewohner. »Kinder gehen ohne Vorbehalte aufeinander zu und die Eltern haben direkt eine gemeinsame Basis. In Berlin funktioniert das übrigens auch ganz gut unter Hundebesitzern«, so Wulf.

Für jene ohne Nachwuchs oder Vierbeiner bieten in der Großstadt vor allem Veranstaltungen vor der Haustür die beste Option, in Kontakt mit den eigenen Nachbarn zu kommen. »In ländlichen Regionen gehören Feierlichkeiten wie Schützenfeste oder Osterfeuer, bei denen man andere Dorfbewohner trifft, immer noch zum Alltag. In der Großstadt hingegen gibt es seit Jahrzehnten eine immer stärkere Vereinzelung des Individuums. Kiezfeste wirken dem entgegen. Sie erfreuen sich seit ein paar Jahren zunehmender Beliebtheit. Denn nur, wo der Mensch sein Gegenüber kennt, fühlt er sich sicher und verwurzelt«, sagt Professor Christoph Wulf.

Einfach mal nach Zucker fragen 

Auch Nachbarschaftsinitiativen und Plattformen, auf denen man sich mit den Menschen in seiner Umgebung vernetzen kann, nehmen zu. Wirnachbarn.com oder Nebenan.de sind nur zwei Beispiele dafür. Dort tauschen sich Anwohner über verschiedene Themen aus, geben sich Tipps rund um ihren Kiez, bieten Hilfe an oder verleihen Werkzeug. Klassischer als die digitale Variante ist neben einem kurzen Plausch auf dem Treppenabsatz die berühmte Tasse Zucker, nach der Nachbarn gerne fragen – selbst, wenn sie in Zeiten der Onlinebestellung und 24-Stunden-Supermärkte seltener benötigt wird. Allerdings sind die ritualisierten Lebensmittel Brot und Salz auch nicht mehr notwendig, wenn der nächste Lieferdienst die Pizza bringt. Was zählt, ist die Geste.

In einer Stadt wie Berlin, in der Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zusammenleben, gibt es übrigens noch sehr viel mehr Rituale. So bringen Amerikaner aus den südlichen USA gerne Grundnahrungsmittel wie Käse, Mehl oder Konserven zur Einweihungsparty mit. Franzosen laden – wen wird es wundern – zum Einzug zur »Pendaison de Crémaillère«, einem großen Essen für Freunde und Nachbarn. Und türkische Mitbewohner verschenken bisweilen das Nazar-Amulett, ein blaues Auge, das über der Eingangstür angebracht gegen den bösen Blick schützen soll.

Egal welches Ritual gewählt wird, immer macht es den Einzug schöner, die Nachbarn vertrauter und das neue Heim gleich ein Stückchen wärmer – ganz unabhängig von Ofen-, Kamin- oder Zentralheizung.


Text: Pauline Krebs
Illustrationen: Tatiana Chekryzhova

Von peter.polzer,
28.06.2017

Nachbarn on- und offline

Im Internet gibt es zwei soziale Netzwerke, die ähnlich wie Facebook funktionieren und Nachbarinnen und Nachbarn verknüpfen wollen.

www.nebenan.de
Soziales Netzwerk für Nachbarn, das in Berlin einige hundert Nachbarschaften listet.

www.nextdoor.de
Marktführer aus den USA, der zum deutschen Start 71 Berliner Nachbarschaften anbietet.


Bei der GESOBAU feiern Nachbarn auch ganz und gar offline gemeinsam.
Hier finden Sie Fotos von den Kiezfesten 2017:

VIERTEL FEST am 20. Mai 2017 in Märkischen Viertel
Kunstfest Pankow am 17./18. Juni 2017 im Schlosspark Schönhausen