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Salam. Frieden.

Ibrahim Alsayed ist mobiler Bildungsberater. Mit seinem Verein Salam e. V. bietet er syrischen Flüchtlingen seit 2013 Hilfe im Alltag und fördert den Austausch zwischen Syrern und Deutschen. In seinem Gastbeitrag schreibt er, warum gerade das so wichtig ist.

In den letzten drei Jahren sind mehr und mehr Menschen nach Deutschland gekommen, darunter vor allem geflüchtete Menschen. Im Jahr 2015 haben 1,1 Millionen Menschen deutschen Boden betreten, darunter 40 % aus Syrien. Mehr als 50 Prozent davon sind junge Menschen zwischen 18 und 40 Jahren. Das ist eine sehr große Chance für Deutschland, denn Deutschland braucht junge Menschen. Die Geflüchteten bringen vielleicht andere Werte, Lebensstile und Gewohnheiten als die der Deutschen mit, aber das bedeutet nicht, dass sie unfähig sind, sich zu integrieren oder mit der neuen Gesellschaft zu interagieren. Bisher verfolgte die deutsche Regierung und große Teile der deutschen Bevölkerung eine Politik der »offenen Türen« gegenüber Geflüchteten, vor allem gegenüber syrischen Geflüchteten. Viele deutsche Bürgerinnen und Bürger haben die Geflüchteten mit Blumen empfangen oder sogar bei sich aufgenommen. Doch es gibt auch einige, die Angst vor den Neuankömmlingen haben, wobei diese Angst auch vielen Geflüchteten nicht fremd ist, die sich nun in einer neuen, unbekannten Gesellschaft zurechtfinden müssen. Viele von ihnen haben vielleicht gar nicht erst an eine Ausreise gedacht, sondern wurden von den Umständen dazu gezwungen, da sie um ihr eigenes und das Leben ihrer Kinder fürchteten. Die Ereignisse in Köln und die Anschläge auf Asylbewerberheime haben vielleicht diese Angst noch verstärkt und lassen beide Seiten an einer erfolgreichen Integration zweifeln.

KULTURWOCHENENDE SCHAFFT BEGEGNUNG

Um die Menschen in unserer Stadt einander näher zu bringen, hat der Verein Salam Anfang Februar in Kooperation mit der Allianz Kulturstiftung ein Kulturwochenende mit dem Titel »Berlin und Syrien stellen sich vor« organisiert. Salam e. V. liegt im Weddinger Brunnenviertel und besteht aus Syrern und Deutschen. Wir bieten verschiedene Aktivitäten und Veranstaltungen zur Begegnung zwischen syrischen »Neu-Berlinern« und helfenden Mitbürgern an. Dadurch soll den Flüchtlingsfamilien der Einstieg in die hiesige Kultur erleichtert werden, denn in der Regel fehlt es den Familien an Orientierung und Sprachaustausch. Die Anzahl der Besucher am Kulturwochenende hat unsere Erwartungen mit fast 150 Menschen bei weitem 16 / 17 übertroffen. Mit dem Begegnungsprojekt wollte der Verein Salam Vorurteilen entgegenwirken, indem man Deutschen und Syrern die jeweilige andere Kultur und Geschichte zeigt und sie miteinander ins Gespräch bringt. Neben der Vorstellung der Vereinsarbeit gab der Film »Exile« und die anschließende Diskussion mit dem syrischen Regisseur Dellair Youssef einen Einblick in die Lage der Geflüchteten. Die Bilderausstellung der syrischen Künstlerin Iman Kamal al-Deen thematisierte den syrischen Bürgerkrieg sowie die Rolle der Frau in der syrischen Gesellschaft. Eine arabische Bücherausstellung des syrischen Verlegers Safi Alaa Eddin hat zudem das intellektuelle Leben Syriens beleuchtet.Am Abend ließ die syrische Musikgruppe »Matar« (auf Deutsch: Regen) die Gäste in die Klangwelten arabischer Musikinstrumente eintauchen und zeigte damit auch die positiven Seiten auf, die Migration mit sich bringen kann. Außerdem besuchten syrische Geflüchtete den Bundestag und sprachen mit Maja Lasic (SPD) über politische Partizipation in Deutschland und bekamen so einen Einblick in das politische System und in die Geschichte Deutschlands. Das Interesse der Teilnehmer an dem Thema war so groß, dass es nun eine Fortsetzung geben soll.

ÄNGSTE ZERSTREUEN

Dieses kleine Projekt hat uns gezeigt, wie groß das Interesse der Berliner und der geflüchteten Syrer an der jeweils anderen Kultur ist. Wir glauben, dass Integration ein gemeinsamer Akt ist, der Zeit braucht und die Anstrengung beider Seiten bedarf. Kultur ist unserer Ansicht nach das beste Instrument, um Ängste zu zerstreuen. Durch gemeinsame Aktivitäten verringern wir die Distanz zwischen uns, denn das Beste ist es, direkt miteinander zu sprechen, nicht übereinander. Wir hoffen, dass solche Projekte ein kleiner Baustein für weitere kulturelle Begegnungsprojekte sind, mit dem Ziel, die kulturelle Zusammenarbeit zu stärken. Nur gemeinsam können wir eine vielfältige Gesellschaft aufbauen, denn Vielfalt ist der Schlüssel zu einer modernen und friedlichen Gesellschaft. Mehr zur Arbeit von Salam e. V. finden Sie im Internet unter www.salamkulturclub.de

Von Gesobau,
22.03.2016