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Ort der Begegnung

Am 1. Mai lädt die Friedenskirche Niederschönhausen zu einem Spaziergang ein, der sich speziell an neue Bewohner in Pankow richtet. Eins von zahlreichen Angeboten der Gemeinde, die Nachbarn zusammenbringen möchte.

Durch die Fenster seines Gemeindebürosman der Dietzgenstraße schaut Karsten Minkner direkt aufs neue GESOBAUQuartier. »Da ziehen gerade die Mieter ein«, sagt der Pfarrer. Auf die ist er neugierig, deren Interesse will er wecken. Entgegen dem Abwärtstrend andernorts in der Region wächst die Gemeinde, der Minkner vorsteht. »Zur Wende zählte die Friedenskirche Niederschönhausen 2.800 Mitglieder, heute sind es 3.750«, sagt der 56-Jährige. Im Konfirmandenunterricht sitzen nicht wie einst 13, sondern 50 Jugendliche. »Wir haben von den Zugezogenen profitiert«, sagt Minkner. Das sind vielfach junge Leute mit Kindern, Paare aus Ost und West.

GEMEINSAM DEN KIEZ ERKUNDEN

Minkner kam vor acht Jahren in die Gemeinde, wirkte zuvor als Landesjugendpfarrer in Berlin. Auch er musste sich den Stadtteil, in dem er jetzt mit seiner Familie lebt, erobern. »Das macht man am besten, indem man die vielen kleinen Geschäfte vom Tabak- bis zum Lottoladen besucht. So lernt man seine Nachbarn kennen.« Minkner schwärmt vom Bäcker in der Blankenburger Straße, der die Brotlaibe noch nach den alten Regeln der Zunft selbst formt. Der Pfarrer wünscht sich Austausch. Deshalb lädt er am 1. Mai zum Spaziergang durch den Kiez ein. Ein Historiker erarbeitet derzeit die Fußroute, die sich speziell an neue Bewohner richtet. Eine Stunde lang soll es quer durchs Viertel gehen, vorbei an den schmucken Fassaden der Bürgerhäuser und dem imposanten Schloss Schönhausen und durchs Grün des Parks. »Einen Sekt zum Anstoßen gibt es außerdem«, kündigt der Pfarrer an. Anmelden muss man sich nicht. »Wer kommt, der kommt.«

ANGEBOTE FÜR FAMILIEN

Minkners Motto: flexibel reagieren. So wie bei der ersten Kontaktaufnahme mit den Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan, die seit einigen Monaten in einer Notunterkunft nur wenige Stra.enzüge entfernt leben. Mit Kaffee und Kuchen schauten der Geistliche und Gemeindemitglieder dort vorbei, luden die Neuankömmlinge in die Kirche ein. »Alle 100 Flüchtlinge kamen.« Spontan wurden Patenschaften geschlossen, verabredete man sich zum Deutschunterricht. Das war der Beginn vom »Café der Begegnung«. Nur eine der vielfältigen Aktivitäten der Gemeinde, die stark auf Familien abzielen. Die können beispielsweise an einer fünftägigen Reise ins brandenburgische Hirschluch teilnehmen. Zudem gibt es Workshops, bei denen sich Eltern über Erziehungsmethoden oder die Vermittlung religiöser Werte austauschen. In der Marthastraße will die Gemeinde mit dem »Haus der Familie« ein generationsübergreifendes Zentrum mit Kita auf den Weg bringen. »Die Förderanträge sind geschrieben. Jetzt geht es in die Bauphase.« Wichtig ist Minkner auch die kirchenmusikalische Arbeit. Selbst wenn der vierfache Vater meist nur im privaten Kreis zur E-Gitarre greift. Anders seine Gemeinde, die hat sich im Kinder-, Jugend-, Kirchen-, Konzert- und Bläserchor organisiert. Keine Frage, dass die Restaurierung der Kirchenorgel allen eine Herzenssache ist. 2008 wurde der erste Teil des 1926 vom Niederlausitzer Orgelbauer Gustav Heinze gebauten Instruments in Stand gesetzt. Doch noch klebt so mancher rote Punkt auf den Registern – das Zeichen dafür, dass sie defekt und nicht benutzbar sind. Die Gemeinde wirbt um Spenden, will in diesem Sommer die abschließende Renovierung für rund 50.000 Euro stemmen.

EINLADUNG ZUM SOMMERFEST

Wer die Orgel einmal näher in Augenschein nehmen möchte, hat dazu beim Sommerfest der Friedenskirchengemeinde am 3. Juli Gelegenheit. Da kann in Erfahrung gebracht werden, wie die Register zu ziehen sind, oder bei einer Turmführung bis zu den Glocken emporgestiegen werden. Außerdem gibt es von 14 bis 18 Uhr rund um die Kirche ein buntes Programm mit diversen Ständen, Buden und Spielen für die Kinder. Eine gute Gelegenheit auch für neue Kiezbewohner, die Kirchengemeinde näher kennenzulernen.


Text und Foto: Katrin Starke

Von Gesobau,
22.03.2016

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