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Kinder statt Lichter

Spende: Die GESOBAU verzichtete im Märkischen Viertel und in der Schillerhöhe auf die Weihnachtsbeleuchtung. Das gesparte Geld ging unter anderem ans Kinderprojekt Arche im Wedding.

Rico und sein Freund haben ein wenig über die Stränge geschlagen. Also hat sie Mitarbeiterin Melanie Berndt kurzerhand aus dem Freizeitzimmer in den Vorraum verbannt. Die Jungs sollen sich beruhigen. Erst dann dürfen sie wieder zu Ball und Tischtenniskelle greifen und mit den anderen wettstreiten. Nun schmollen sie, machen Faxen. Jeanette Borchert, Chefin der »Arche Wedding«, nimmt die beiden nur kurz und wortlos in den Blick.

Die gucken betreten, sind plötzlich mucksmäuschenstill. Sie wissen: Borchert legt Wert auf gegenseitigen Respekt. »Das mag manchmal streng wirken, aber Kindern muss man Grenzen setzen. Auch das gehört zur Erziehung.« Von montags bis freitags schlüpft die Weddingerin, selbst Mutter einer 16-jährigen Tochter, mit Kollegin Berndt in die Rolle einer Ersatzmutter. Nicht nur aus dem Kiez kommen Kinder und Jugendliche. Die »Arche« ist auch Anlaufstelle für Schüler aus dem Nachbarbezirk Reinickendorf.

 

 

 

2009 eröffnete das Christliche Kinder- und Jugendwerk Arche im Gemeindezentrum »Schillerhöhe« an der Brienzer Straße 22 seinen damals dritten Standort in Berlin. Borchert hatte nicht nur von Anfang an die organisatorische Leitung des Weddinger Freizeitprojekts inne. Sie brachte Arche-Gründer Pfarrer Bernd Siggelkow überhaupt erst auf die Idee, sich auch im Wedding für die Belange von sozial benachteiligten Kindern und Familien einzusetzen. Was in der Praxis bedeutet, dass wochentags zwischen 13:30 und 17:30 Uhr oft bis zu 40 Kinder gemeinsam Mittag essen, Hausaufgaben erledigen, basteln und spielen. Borchert organisiert zudem Feiern oder Ausflüge.

Was ihr wichtig ist: die Eltern mit ins Boot zu holen. Denn: »Wir sind keine kostenlose und bequeme Verwahrstation für den Nachwuchs.« Für 2018 plant sie beispielsweise eine Kinderdisco. Insgesamt vier Mal soll das Tanzvergnügen jeweils sonnabends steigen. »Ich hoffe und erwarte, dass sich Eltern als Helfer finden.« Auch für die hat Borchert ein offenes Ohr, gibt Tipps in Erziehungsfragen oder bei behördlichen Problemen.

Der Verein »Arche« finanziert sich vornehmlich aus Spenden. »Wir sind auf jede Unterstützung angewiesen«, sagt Borchert. Sie denkt dabei an maroden Bodenbelag, die fehlende Schallisolierung oder eine größere Küchenausstattung. Der Scheck der GESOBAU über 5.500 Euro stimmt sie daher mehr als froh. Wie schon 2015 verzichtet die Wohnungsbaugesellschaft auf die Installation der Festbeleuchtung zum Jahreswechsel im Märkischen Viertel und spendet das Geld stattdessen für wohltätige und gemeinnützige Zwecke. Neben der Arche profitierten die Obdachlosenangebote von Stadtmission und Kältehilfe mit jeweils 3.500 Euro Spende.

 

Arche Wedding, Brienzer Straße 22

www.kinderprojekt-arche.eu

Von peter.polzer,
13.12.2017