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Wie Mieter mitbestimmen

Die Zukunft der Stadt mitgestalten: Dr. Heike Külper ist die Stimme der Mieterinnen und Mieter im einflussreichen GESOBAU-Aufsichtsrat. Hier vertritt die Pankowerin den 7-köpfigen Mieterrat.

Wie lange leben Sie schon in einer GESOBAU-Wohnung?

Ich bin im Frühjahr 2011 zur Einschulung meines Sohnes aus dem Stadtzentrum in eine GESOBAU-Wohnung in Niederschönhausen gezogen.

 

Seit einem Jahr treten Sie für die Belange der GESOBAU-Mieter im Mieterrat ein. Was hat Sie damals dazu bewogen, sich zur Wahl zu stellen?

Ich bin in unserem Viertel bereits seit vier Jahren im Mieterbeirat. Dort beschäftige ich mich mit der jährlichen Rechnungsprüfung, wenn die Betriebskostenabrechnung für unsere 1.080 Wohnungen ansteht. Das ist wichtig und aufschlussreich und so lag es nahe, dass ich für den neuen Mieterrat für die gesamte GESOBAU kandidieren wollte. Bei der Wahl bekam ich die meisten Stimmen im Wahlbezirk 4 und war damit eine von sieben GESOBAU-Mieterräten.

 

Der Mieterrat ist ein vollkommen neues Gremium. Wie ist Ihre Arbeit organisiert?

In den ersten Zusammenkünften mussten wir uns zunächst, sagen wir, »zurechtschütteln« und die verschiedenen Erwartungshaltungen an das Gremium zusammentragen. Erst dann begannen wir, uns eine Struktur zu geben. Wir wählten Vorsitzenden, Stellvertreter, Aufsichtsratsmitglied sowie den Gast für den Aufsichtsrat. Seitdem treffen wir uns monatlich, sofern nicht Urlaubszeit oder Krankheiten dazwischenkommen.

 

Was waren im ersten Jahr Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Zunächst wollten wir einen Gesamteindruck erhalten, in welcher Situation sich unsere Mieterinnen und Mieter befinden. Natürlich sind auch spezielle Mietersituationen für uns wichtig, etwa in bestimmten Problemhäusern oder Problemkiezen. Ein weiterer Schwerpunkt war es, die Vorstellung der Investitionsrechnung durch den Vorstand kritisch zu begleiten. Ein Stichwort ist hier: Überzogene Modernisierung, gegen die sich ja in der Vergangenheit viele Mieter gewehrt haben. Dieses Thema prägte unsere erste intensivere Diskussion mit dem Vorstand. Zudem haben wir mit Unterstützung der GESOBAU Infostände auf den beiden Mieterfesten im Märkischen Viertel und in Pankow organisiert und eine Mietersprechstunde hier in Pankow abgehalten.

 

In allen sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften gibt es dieses neue Gremium. Tauschen Sie sich aus?

Ja, wir haben uns alle schon zu mehreren Veranstaltungen getroffen. Alle machen ähnliche Erfahrungen: Die Selbstorganisation der Arbeit oder erste Rücktritte, die Nachrücker neu in die Gremien bringen. Natürlich menschelt es in all diesen zusammengewürfelten Teams. Aber das Schöne ist auch, dass wir durch die Vielfalt im Gremium auf unterschiedlichste Kompetenzen zurückgreifen können.

 

Gibt es persönliche Schwerpunkte, für die Sie sich besonders engagieren wollen?

Ich halte die Etablierung eines Mieterrates für einen tollen Anfang, aber mir ist auch der Ausbau unseres Einflusses wichtig. Wir haben zwar Mitsprache- und Informationsrechte, aber bis zur echten Mietermitbestimmung, bei der wir nicht nur Empfehlungen abgeben, sondern auch etwas durchsetzen können, ist es noch ein weiter Weg. Ein weiterer Schwerpunkt von mir sind faire Mieten.

 

Der Mieterrat entsendet Sie als stimmberechtigtes Mitglied in den Aufsichtsrat, der die langfristige Entwicklung der GESOBAU im Blick hat. Was können Sie von Ihren ersten Erfahrungen dort berichten?

Seit meiner Berufung habe ich bislang an vier Sitzungen teilgenommen und wurde dort als neues, vollwertiges Mitglied vom insgesamt neunköpfigen Gremium inklusive der Vorsitzenden Gisela von der Aue sehr offen und fair aufgenommen.

 

Damit die anderen Mieter sich das vorstellen können: Was wird beispielsweise im Aufsichtsrat besprochen?

Da muss ich vorsichtig sein, denn es gibt weitreichende Verschwiegenheitspflichten. Es geht beispielsweise um Investitionen, um die Umsetzung der Neubauziele oder es wird informiert über technische Neuerungen. Eine interessante Erfahrung ist es, dass ich bei manchen strategischen Entscheidungen als Mietervertreter naturgemäß zwischen den Stühlen sitze: Laut Aufsichtsrecht soll ich zum Wohle des Unternehmens entscheiden – und das muss nicht immer deckungsgleich mit den Interessen der Mieter sein. Im ähnlichen Dilemma stecken auch die Arbeitnehmervertreter in Industrie-Aufsichtsräten. Als Diplom-Ökonomin und jahrelange Bankerin fühle ich mich übrigens fachlich den vielen betriebswirtschaftlichen Details dort gewachsen.

 

Ganz direkt an den Sorgen ihrer Nachbarn sind die verschiedenen Mieterbeiräte, die sich zum Teil schon seit Jahren für ihr jeweiliges GESOBAU-Wohnquartier engagieren. Wie wird zusammengearbeitet?

Die Zusammenarbeit ist gewollt und wird auf gemeinsamen Veranstaltungen gepflegt, sowohl innerhalb der GESOBAU als auch übergeordnet von allen sechs städtischen Wohnungsgesellschaften. In unserem Mieterrat sind übrigens zwei Mitglieder auch in ihren Kiezen in Mieterbeiräten engagiert.

 

Die vielen Sitzungen und Veranstaltungen klingen nach sehr großem Zeitaufwand.

Die Arbeit ist viel umfangreicher als ich es vorher abgeschätzt habe. Es ist schwer zu beziffern, inklusive Aktenstudium vor den Aufsichtsratssitzungen schätze ich den Aufwand grob auf fünf Tage pro Monat. Aber dieses Engagement ist mir wichtig: Bezahlbare Wohnungen sind mittlerweile das Thema. Ich finde die Gebiete Stadtentwicklung und Wohnungsbau richtig interessant. Im nächsten Leben studiere ich vielleicht Stadtplanung.

 

Von peter.polzer,
13.12.2017