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Ein Fest für die Kunst und für alle

Kunstfest Pankow: Wir feiern am 9. und 10. Juni wieder fröhlich und königlich rund ums geschichtsträchtige Schloss Schönhausen.

 

Beim phantasievollen Treiben vor dem Schloss Schönhausen stehen GESOBAU-Mieter seit jeher auf der Gästeliste. Sie sind damit in bester, zum Teil auch zweifelhafter Gesellschaft. Zu Zeiten der preußischen Königin Elisabeth Christine gaben sich hier in ihrem Sommersitz die europäischen Gesandtschaften die Klinke in die Hand. Zweihundert Jahre später, als das Anwesen zum Gästehaus der DDR avancierte, logierten über die Jahre Dutzende Staatslenker wie beispielsweise Indira Gandhi, Michail Gorbatschow, Fidel Castro oder Muammar al-Gaddafi in den luxuriösen Gemächern.

Seit 19 Jahren ist das Schlossgelände, das seit 2005 zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehört, königliche Kulisse für das »Kunstfest Pankow« der GESOBAU. Für viele Pankower ist es eine der schönsten Veranstaltungen der Region. Zum zweiten Mal erwartet der noch recht neue Schlossbereichsleiter Björn Ahlhelm bis zu 17.000 Gäste im Schlosspark Schönhausen. Nach der Schlössernacht in Potsdam ist das »Kunstfest« die zweitgrößte Veranstaltung in einem der 30 Schlösser und Museen der Stiftung.

 

 

Kreative Kunstmeile: Maler, Holzgestalter, Töpfer, Mode- und Schmuckdesigner zeigen ihr Handwerk. Dazu gibt es ein buntes Kulturprogramm für alle Generationen.

 

Rokokopracht trifft DDR-Luxus

Ahlhelm hat die Leitung des Schlosses vor zwei Jahren übernommen, zuvor war er in gleicher Position zehn Jahre im Jagdschloss Grunewald, das ebenfalls zur Stiftung gehört. Der 40-Jährige kommt schnell ins Schwärmen, wenn er von der bewegten Geschichte des Gemäuers berichtet. Die beiden Epochen der Hauptnutzung haben es ihm gleichermaßen angetan. Allen voran natürlich die erste Blüte unter Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel, der Ehefrau Friedrichs II. Als preußische Königin verbrachte sie von 1740 bis zu ihrem Tod 1797 beinahe jeden Sommer hier weit vor der Stadt und ließ es in der heutigen Gestalt ausbauen. Schlosskastellan Ahlhelm berichtet stolz vom spätbarocken Gartensaal, der im letzten Sommer durch zwei prunkvolle Originalspiegel vervollständigt werden konnte. Finanzert wurden diese übrigens auch aus den Einnahmen des »Kunstfests«, von denen die GESOBAU jedes Jahr einen Teil an Projekte im Bezirk spendet. Als Nächstes wird eine außergewöhnliche chinesische Papiertapete aus dem 18. Jahrhundert rekonstruiert.

 

 

Doch auch den historischen Schichten aus der Wiederbelebung des Anwesens in der jungen DDR kann der joviale Leiter mit dem markanten Bart viel abgewinnen. Sei es das Arbeitszimmer von Wilhelm Pieck, der hier bis 1960 als Präsident der DDR residierte. Schließlich lebte die Staatselite gleich um die Ecke am Majakowskiring, bevor sie in den 60er-Jahren nach Wandlitz übersiedelte. Oder eben die Gästezimmer, die ab 1964 illustre Politiker aus Ost und West beherbergten. Aus seinem Büro unterm Dach blickt er gern auf das malerische Seerosenbecken, Teil der typischen Gartengestaltung aus den 50er-Jahren.

 

Arbeitszimmer von Wilhelm Pieck, der hier von 1949 bis 1960 als Präsident der DDR residierte.

 

Björn Ahlhelm ist nicht nur zuständig für Museumsbetrieb und Veranstaltungsprogramm im zwischen 2005 und 2009 aufwendig restaurierten Schloss, sondern begleitet auch anstehende Bauprojekte. Derzeit wird die Sanierung der Garagen der DDR-Fahrbereitschaft neben dem Nordeingang vorbereitet. In ein paar Jahren werden so weitere Ausstellungsflächen und endlich auch ein Café für die derzeit rund 14.000 Besucher im Jahr zur Verfügung stehen.

Beim »Kunstfest« ist das Schloss nicht nur prächtige Kulisse für Artisten, Puppenspieler, Künstler und Gastronomen auf der Wiese davor. Natürlich organisiert Ahlhelm wieder 20-minütige Kurzführungen durch Preußen und die DDR, zudem finden an beiden Tagen erstmals Lesungen im prunkvollen Festsaal statt.

 

Am 9./10.6., jeweils von 12–22 Uhr im Schlossgarten Schönhausen in Niederschönhausen, Tschaikowskistr. 1, Pankow, Eintritt 2 Euro, für GESOBAU-Mieter und Kinder unter 14 Jahren kostenlos. Schlossführungen und -Lesungen 4/3 Euro, www.kunstfest-pankow.de


Text: Peter Polzer

Fotos: Daniel Devecioglu

Von peter.polzer,
28.03.2018