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Die Tür zur Vergangenheit

Hinter vielen Häusern im Bestand der GESOBAU verbirgt sich eine interessante Geschichte. So auch in der Vinetastraße: Ein historisch bedeutsamer Keller gewährt Einblicke in den Alltag während des Zweiten Weltkriegs.

Etwa vier mal acht Meter ist der Keller des aus den 1930er-Jahren stammenden Hauses in der Vinetastraße groß. Durch drei schmale, vergitterte Fenster zur Straßenseite hin fällt Licht in den niedrigen Raum mit den unverputzten Wänden. Farb-reste, alte Möbel, ein Heimtrainer und Gartengeräte stehen herum. Alles ist so, wie man es von dem Keller eines Mehrfamilienhauses erwartet – fast. Es gibt etwas, das diesen Keller von den meisten anderen in Berlin unterscheidet: seine Tür.

Auf den vergilbten weißen Lack ist eine Szene gezeichnet, die aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammt, als die gut 30 Quadratmeter den Bewohnern des Hauses als Luftschutzraum dienten. Sie zeigt einen Mann und eine Frau, die auf einer Bank sitzen und sich umarmen. »Luftschutzgemeinschaft 9« ist auf der Wand hinter dem Paar zu lesen. Um sie herum sind Geräte zu sehen, die zur Ausstattung eines solchen Raumes gehörten, unter anderem eine Spitzhacke, eine Kübelspritze und ein Verbandskasten.

»Solche Malereien findet man nicht oft, vor allen Dingen nicht in Privathäusern«, sagt Holger Happel, der vor kurzem ein Buch über heutige Spuren des Luftschutzes im Zweiten Weltkrieg veröffentlicht hat. Ihm sei etwas Ähnliches bisher erst in zwei Schulen in Prenzlauer Berg und im Wedding begegnet. »Dort hatte man Märchenszenen auf die Wände gemalt. Man wollte die Räume freundlicher gestalten, um den Kindern die Angst zu nehmen. Der oder die Urheberin der Zeichnung in der Vinetastraße wollte sich und die anderen Hausbewohner ebenfalls auf schönere Gedanken bringen«, vermutet der 40-Jährige, der als Mitglied des Vereins »Berliner Unterwelten« die Geschichte der Hauptstadt erforscht. Den Fokus legen die Mitglieder auf alles, was unter der Erdoberfläche liegt, von der Kanalisation bis hin zu Bunkeranlagen.

Von den Bomben ablenken sollte wohl auch eine Karikatur, die sich direkt neben der Tür an der Wand befindet. Im Stil der Zeit gezeichnet porträtiert sie zwei Frauen, die einen Löschzug bilden. »Es war generell so, dass Frauen die Hauptlast des Luftschutzes trugen, da die Männer an der Front waren. Möglicherweise war die »Pump-Guste« eine Frau namens Auguste, die in der Hausgemeinschaft für die Löscharbeiten zuständig war«, so Holger Happel.

Aufgrund der vielen Gespräche, die er mit Zeitzeugen geführt hat, geht Happel davon aus, dass Ablenkung sehr willkommen war. »Hauskeller waren unsicherer als die öffentlichen Bunkeranlagen. Sie waren weder bombensicher noch feuerfest. Die Menschen hatten Angst, dass das Haus über ihnen einstürzen würde oder dass sie in einem Feuersturm sterben«, sagt er. Diese Situation durchlebten die Bewohner der Hauptstadt nicht selten. In Berlin wurde während des Zweiten Weltkriegs circa 400 Mal Fliegeralarm gegeben; es gab 310 Angriffe auf die Stadt, darunter 40 schwere.

Wer die beiden Szenen gezeichnet hat, ist nicht bekannt. »Es gibt aber eine Vermutung«, erklärt Marina Rippin vom Museum Pankow, an das die Tür zur Bewahrung überstellt wurde. »Die Art der Zeichnung erinnert mich an meine Kunstlehrerin aus Schulzeiten, die, wie sich herausgestellt hat, in diesem Haus gewohnt haben könnte. Meine alte Schule befindet sich direkt um die Ecke. Bestätigen können wir das bislang jedoch noch nicht.«

Das Museum Pankow plant, die historische Kellertür im Rahmen des zweiten Teils der Dauerausstellung zur Geschichte des Großbezirks Pankow zu zeigen, die wahrscheinlich im Jahr 2016 eröffnet wird.

 

Text: Susanne Theisen, Fotos: Lia Darjes
Von Gesobau,
17.06.2015

Gewinnen Sie eine Zeitreise!

Wie mag man sich während eines Luftangriffs im Bunker gefühlt haben? Die Führung »Dunkle Welten« des Vereins »Berliner Unterwelten« vermittelt einen Eindruck davon. Die GESOBAU verlost 2 x 2 Tickets für die Führung durch eine aus dem Zweiten Weltkrieg stammende Luftschutzanlage im U-Bahnhof Gesundbrunnen.

Sie wollen dabei sein? Dann schreiben Sie eine E-Mail mit dem Stichwort »Berliner Unterwelten« an hallo.nachbar@gesobau.de.

Infos zur Tour und zum Verein finden Sie im Internet auf berliner-unterwelten.de

 

Geschichte bewahren
Das Museum Pankow bereitet an seinen Standorten in der Prenzlauer Allee 227/228, in der Heynstraße 8 und der Dunckerstraße 77 die Geschichte der Stadtteile Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow auf. Informationen zu den Dauer- und Sonderausstellungen des Museums finden Sie im Internet auf www.berlin.de/ba-pankow/museumsverbund

 

 

Buchverlosung[2]

Bunker in Berlin
Wie Bombenkrieg und Luftschutz bis heute im Stadtbild zu erkennen sind, dokumentiert das Buch »Bunker in Berlin – Zeugnisse des Zweiten Weltkriegs« von Holger Happel. Die GESOBAU verlost ein signiertes Exemplar des 2015 im Ch. Links-Verlag erschienen Buchs (ISBN 978-3-86153-830-1). Um es zu gewinnen, schreiben Sie eine E-Mail mit dem Stichwort »Bunker in Berlin« an hallo.nachbar@gesobau.de