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Bürgermeister im Quartier

Engagiert für die eigene Wohnanlage: Bei einer Bustour durch die GESOBAU-Kieze trafen sich Mieterbeiräte zum Erfahrungsaustausch.

Ein leichtes Lächeln umspielt die Mundwinkel von Siegwart Geiger, als die Mieterbeiräte der GESOBAU an der Wilmersdorfer Hildegardstraße aus dem Bus steigen. Staunend schaut sich das Grüppchen den riesigen Wohnblock mit dem rot geklinkerten Sockelgeschoss an. „In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre erbaut, seinerzeit schon mit Tiefgarage”, beginnt Geiger seinen kleinen Vortrag über den „Schrammblock” mit den bis heute existierenden „Schrammgaragen”.

Damals hätten die Gebäude als Luxusbauten gegolten, in denen preußische Beamte lebten, erzählt Geiger. Seit fünf Jahren wohnt der 78-Jährige mit seiner Frau in der unter Denkmalschutz stehenden Wohnanlage, fast genauso lange engagiert er sich für Mieterbelange in dem zum Bestand der GESOBAU gehörenden Quartier. „Wir sind hier mit unseren fast 1.000 Bewohnern wie ein kleines Dorf – und über den Mieterbeirat haben wir so eine Art Bürgermeister, wenn auch kein Rathaus”, umschreibt er seine Funktion als Sprecher des fünfköpfigen ehrenamtlich wirkenden Gremiums. Die anderen nicken. Ganz so haben sie ihre Tätigkeit bisher vielleicht nicht definiert. Aber das mag auch daran liegen, dass die GESOBAU-Bestände in ihrer Struktur sehr verschieden sind – vom typischen Berliner Altbau über Nachkriegsbauten bis zu Neubauten. Doch in vielen GESOBAU-Wohnanlagen gibt es Mieterbeiräte.

 

Vor dem Wilmersdorfer Schrammblock: Mieterbeirat Siegwart Geiger (Mitte) zeigt den Kollegen sein »kleines Dorf«.

 

Neuwahlen in vielen Kiezen

„Wir waren 1984 die erste Wohnungsgesellschaft in Berlin, die Mieterbeiräte eingeführt und damit eine Interessenvertretung der Bewohner ins Leben gerufen hat”, erklärt Lena Ribbe, zuständig für Kundenzufriedenheit und Qualitätsmanagement bei der GESOBAU. 58 Männer und Frauen sind derzeit im Mieterbeirat aktiv – im Hansaviertel ebenso wie im Panke- oder im Kissingenviertel, im Märkischen Viertel ebenso wie in der Schillerhöhe oder in Borsigwalde. Während in diesen Wochen in einigen Siedlungen Neuwahlen der für jeweils fünf Jahre agierenden Gremien anstehen, gibt es in anderen Kiezen gerade frisch gewählte Beiräte. Für Lena Ribbe Anlass genug, die Ehrenamtler zu einer Bestandsfahrt einzuladen: „Damit sie sich untereinander kennenlernen, vernetzen.”

Siegwart Geiger ist mittlerweile ganz in seinem Element. Der rüstige Rentner erzählt von den Festen im grünen Innenhof. „Die GESOBAU sponsert Tische und Stühle, den Rest machen wir selbst”, sagt er und in seiner Stimme schwingt ein bisschen Stolz mit. Auch, wenn er von den Hochbeeten erzählt, die von einigen Bewohnern bewirtschaftet werden. Oder von der Schmetterlingswiese, die man selber mähe. Oder von den zusätzlichen Fahrradbügeln im Hof. Alles Dinge, die der Beirat angestoßen habe. Vonseiten der Wohnungsbaugesellschaft spüre er „großes Entgegenkommen”. Sich als Mieterbeirat zu engagieren, sei „nicht immer einfach, aber sehr erfüllend”.

Sabine Boeck nickt zustimmend. „Ein paar kleine Sachen” habe sie schon erreicht, sagt die Bewohnerin des „Langen Jammers” am Wilhelmsruher Damm im Märkischen Viertel bescheiden. Zum Beispiel, dass Schwellen im Parkplatzbereich der Wohnanlage eingebaut worden seien. „Die Autos fuhren da immer zu schnell”, sagt die 72-Jährige. Boeck wünscht sich, „dass auch Migranten in den Beiräten mitwirken”.

 

Die Sorgen der Nachbarn

Seit drei Jahren agiert auch Lothar Krause im MV als Mieterbeirat. „Wir haben da guten Einfluss”, sagt der 75-Jährige. Die GESOBAU nehme das Wirken der engagierten Mieter ebenso gut auf wie die Nachbarschaft. „Wenn ich sehe, dass Hundehalter die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner liegen lassen, gehe ich auf die Leute zu und frage, ob ich mit einer Tüte aushelfen kann”, erzählt er. Das komme besser an als zu schimpfen. Ist er mit einem Nachbarn erst mal ins Gespräch gekommen, will er manchmal auch ganz direkt wissen: „Willst du nicht im Mieterbeirat mitmachen?”

Günter Braun musste da nicht lange überlegen. Er hatte 30 Jahre lang einen Schreibwaren- und Zeitungsladen am Senftenberger Ring. „Kunden haben mich oft angesprochen, wenn ihnen irgendwas hier nicht gefiel.” Dann habe er zum Hörer gegriffen und die GESOBAU über die Sorgen der Bewohner informiert. Jetzt als Ruheständler könne er das „ja ganz offiziell machen”, begründet er, warum er sich bei der jüngsten Wahl zum Mieterbeirat für seine Wohnanlage nominieren ließ.

Zum Einzugsbereich des 74-Jährigen gehört auch die modulare Unterkunft für Geflüchtete am Senftenberger Ring. Noch gebe es keinen Betreiber für die 113 Wohnungen, die Ende April fertiggestellt werden, informiert Sophie Preuß. Sie begleitet bei der GESOBAU das Neubauprojekt, das der Busfahrer zum Auftakt der Beiräte-Tour gleich als erstes Ziel ansteuerte. Drinnen heißt es, zunächst in die blauen Plastik-Überzieher zu schlüpfen, um den nagelneuen Fußboden nicht zu beschmutzen. PVC in Holzoptik. „Das sieht richtig echt aus, ganz toll”, befindet Cordula Elsemann.

Die 61-Jährige lebt in einer Wohnung der GESOBAU in Borsigwalde, ist dort seit mehreren Jahren im Mieterbeirat, um „zuzuhören, etwas einzubringen, mitzugestalten”. Die Wohnungen, in die rund 450 Geflüchtete einziehen sollen, findet sie ansprechend. Auch der Bestand in der Schillerhöhe gefällt ihr: „Hier kann man sich wohlfühlen.” In den neuen Uferhöfen dagegen fehlt ihr das Grün, allerdings lasse dort der Fahrradkeller keine Wünsche offen.

 

Neues Wohnen: GESOBAU-Mitarbeiterinnen führen die Mieterbeiräte durch die bezugsfertige modulare Unterkunft im Märkischen Viertel.

 

Den eigenen Kiez gestalten

In diesen GESOBAU-Beständen gibt es Mieterbeiräte:

Hansaviertel, Am Steinberg, Vinetaviertel, Pankeviertel, Crusemarkstraße, Kissingenviertel, Pankower Gärten (Neuwahlen in diesem Jahr), Märkisches Viertel (unterteilt nach Wohnhausgruppen, derzeit in einigen Wohnhausgruppen Neuwahlen), Wilmersdorf-Schrammblock, Borsigwalde (derzeit Neuwahlen), Schillerhöhe und Wedding Gartenplatz/Ackerstraße (derzeit Neuwahlen).

 

Abgesehen vom Märkischen Viertel bilden in den Siedlungen jeweils drei bis fünf Mieter den Beirat. Im Märkischen Viertel gibt es 19 Wohnhausgruppen mit jeweils ein bis maximal vier Mitgliedern im Mieterbeirat. Zudem werden ebenfalls alle fünf Jahre ein Garten- und ein Seniorenvertreter gewählt.

 

So wird gewählt

Alle Mieter einer Wohnhausgruppe, in der ein Mieterbeirat gewählt wird, erhalten einen Brief mit einem Wahlaufruf und Informationen zur Tätigkeit. Sie haben dann die Möglichkeit, sich als Kandidat aufstellen zu lassen. Stehen alle Kandidaten fest, werden wieder alle Mieter aus dem Haus mit einer Kandidatenübersicht und einem Stimmzettel angeschrieben und zur Wahl aufgerufen. Nach der Auszählung erfahren alle Mieter das Ergebnis über einen Hausaushang.

 

Wenn Mieter wissen möchten, ob es in ihrem Haus einen Mieterbeirat gibt, können sie im Internet schauen oder Kundenbetreuer/Objektbetreuer fragen.

www.gesobau.de/mieterbeirat


Text und Foto: Katrin Starke

Von peter.polzer,
27.03.2018